Zieldarstellung für eine effizientere Nachtkampf-Schießausbildung

Waldemar Geiger

Operationen bei Nacht stellen selbst für modern ausgerüstete und top ausgebildete Einheiten und Verbände eine Herausforderung dar, wie man anhand der jüngsten Ereignisse im Roten Meer auf tragische Art und Weise sehen kann. Dort sind im Rahmen einer nächtlichen Boardingoperation zwei US-Navy-SEALs ums Leben gekommen. In der Dunkelheit ist die Orientierung erschwert und die Sichtweiten sind von der Leistungsfähigkeit der verfügbaren Nachtsichtausrüstung abhängig. Das Resultat ist, dass selbst am Tag beherrschte Abläufe bei eingeschränkter Sicht zur Herausforderung werden. Ganz besonders trifft dies auf die Nutzung der Handwaffe zu, da das Schießen mit Nachtsichtbrillen und -vorsätzen eine andere Handhabung der Waffe erfordert – beispielsweise den Anschlag – und dementsprechend intensiv geübt werden muss.

Die auf Ausbildungssysteme und -mittel für Streitkräfte und Behörden spezialisierte 1MOA GmbH hat seit kurzem neue Zieldarstellungsmittel im Portfolio, die eine effektivere und effizientere Schießausbildung in der Nacht ermöglichen. Wie das Unternehmen auf Nachfrage von hartpunkt bestätigte, hat 1MOA neuerdings die exklusiven Vertriebsrechte für die Zieldarstellungsmittel des israelischen Herstellers Romtes in der DACH-Region übernommen und wird diese im Rahmen der Ende Februar 2024 stattfindenden Streitkräfte-und-Behörden-Messe EnforceTac erstmals öffentlich ausstellen.

Die ursprüngliche Idee der Romtes-Zielscheiben besteht darin, dem Schießausbilder ein unmittelbares Trefferfeedback geben zu können. Dazu sind in den Papp-Zielscheiben – welche in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen hergestellt werden – zwei voneinander getrennte Lagen eines leitenden Materials eingelassen. Wird eine Zielscheibe von einem metallisch ummantelten Geschoss getroffen, entsteht für einen kurzen Moment ein geschlossener Stromkreis, der dem Schießausbilder auf seinem mobilen Anzeigegerät als Treffer angezeigt wird. Bis zu zehn Ziele können so mit einem Anzeigegerät überwacht werden. Jede Scheibe hat bereits bis zu acht Trefferzonen hinterlegt, so dass auch komplexe Lagen – beispielsweise ein hinter einer Geisel versteckender Täter – geübt werden können. Auch dreh- und klappbare Zielscheiben befinden sich im Angebot, welche auch dem Schützen eine unmittelbare optische Indikation eines Treffers erlauben.

Soweit die eigentliche Idee hinter den Zieldarstellungssystemen, die 1MOA zufolge quasi als „Nebenprodukt“ eine für die Streitkräfte-Schießausbildung wichtige weitere Fähigkeit besitzen: Der Stromfluss in den Scheiben führt dazu, dass die Zielscheiben eine Wärme- und Nachtsichtsignatur besitzen, ohne dass diese beheizt oder anderweitig behandelt werden müssen.

Die Personenkonturen der Zielscheiben sind somit unter Nutzung von Thermalgeräten oder Restlichtverstärkern auch über weite Distanzen gut erkennbar. Da die Funkreichweite der Ziele zum Anzeigegerät 1.000 Meter beträgt, eignen sich die Ziele für das komplette Reichweitenband der infanteristischen Schießausbildung.

Insbesondere für Scharfschützen lässt sich damit ein realitätsnahes und effizientes Schießtraining aufbauen, welches mit dem klassischen Zielbau – wie er beispielsweise auf den Schießbahnen der Bundeswehr zum Einsatz kommt – so nicht erreichbar ist. Alleine die Zeitersparnis für die Trefferauswertung – egal ob beim Schießen auf kurze oder weite Distanzen – würde der Truppe eine intensivere Ausbildung erlauben. Mit der Möglichkeit, komplexere Ziele darzustellen als es mit einfachen Klapp- oder Aufstellscheiben möglich ist, kann das Schießtraining zudem realistischer gestaltet werden.

Waldemar Geiger