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Störungssichere Systeme – Weiterentwicklung des Drohnenkampfes im Ukrainekrieg

Waldemar Geiger

Jüngst verbreitete Bilder in den sozialen Medien deuten darauf hin, dass die russischen Streitkräfte Drohnen zum Einsatz bringen, welche die ukrainischen Bemühungen des elektronischen Kampfes konterkarieren können.

Wie den Bildern zu entnehmen ist, werden die Drohnen nicht mittels Funkübertragung gesteuert, sondern über einen hauchdünnen mehrere Kilometer reichenden Lichtwellenleiter. Die Spule ist an der Drohne befestigt und wird durch die Bewegung der Drohne ausgewickelt. Genau diese Möglichkeit, die Signalübertragung mittels Lichtwellenleiter zu gewährleisten, macht das System sicher gegen ukrainische Maßnahmen des elektronischen Kampfes. Es kann zudem davon ausgegangen werden, dass die damit bestückten Drohnen im Rahmen ihres Fluges selbst keine Signatur im elektronischen Spektrum emittieren, was auch die Aufklärung und Bekämpfung des Wirkmittels deutlich erschwert.

Sollte es zu weiteren Bestätigungen solcher Systeme kommen, wäre die sich stetig weiterentwickelnde Drohnen-Kriegsführung im Ukrainekrieg um eine weitere Facette reicher. Nach der anfänglichen Massennutzung von handelsüblichen Kampfdrohnen im Jahr 2022 war das Jahr 2023 dadurch geprägt, dass beide Kriegsparteien gehäuft auf den Einsatz von FPV-Kampfdrohnen gesetzt haben. Doch bereits zu Jahresbeginn 2024 wurden erste Stimmen laut, dass die Erfolgsaussichten des Einsatzes von handelsüblichen Drohnen, herkömmlich und FPV, aufgrund der Ausweitung von EloKA-basierten Drohnenabwehrmaßnahmen auf beiden Seiten abnehmen.

Um die Effektivität eines Drohneneinsatzes in einem solchen Szenario zu erhöhen, muss zwingend auf störungssichere oder störungsresistente Steuerungstechnologien zurückgegriffen werden. Der Rückgriff auf die Steuerung mittels Lichtwellenleitern ist nur eine von mehreren Optionen. Daneben ist auch die Steuerung mittels gehärteten Funksystemen möglich, welche jedoch die Verfügbarkeit solcher Kommunikationsmittel voraussetzt.

Die Nutzung von Lichtwellenleitern zur Steuerung von Wirkmitteln ist bereits über Jahrzehnte bewährt. Diese Art der Steuerung ist beispielsweise im Bereich von Panzerabwehrlenkflugkörpern weit verbreitet. Von daher überrascht es nicht, dass Russland auf dieses Mittel zurückgegriffen hat, da die Verfügbarkeit solcher Systeme in Russland deutlich höher sein müsste als gehärtete Funktechnik.

Auch westliche Hersteller von Loitering Munition haben die Vorteile der Lichtwellenleitersteuerung bereits vor geraumer Zeit erkannt. So bietet beispielsweise Diehl Defence die Steuerung mittels eines Lichtwellenleiters als eine von mehreren Optionen bei der im Herbst 2021 – somit vor der russischen Invasion in der Ukraine – erstmals vorgestellten Loitering Munition vom Typ Libelle an.

Diehl Defence hat die Libelle seit der Erstvorstellung 2021 weiterentwickelt und im Rahmen der Enforce Tac 2024 ein modulares, stapelbares Containersystem für die Libelle vorgestellt, mit der die Plattformintegration der Loitering Munition erheblich vereinfacht wird. (Bild: Waldemar Geiger)

Sollte sich dieser Trend durchsetzen, wird es zwangsläufig auch zu einer Anpassung der Drohnenabwehr kommen müssen. Wenn Maßnahmen des elektronischen Kampfes sowie passive Aufklärung nicht mehr greifen, bedarf es zwingend der Möglichkeit, feindliche Drohnen aktiv orten und bekämpfen zu können.

Waldemar Geiger

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