Offerten für Kampfflugzeuge und Luftabwehr eingetroffen

Die Schweiz hat am gestrigen Mittwoch, dem 18. November, wie erwartet die Angebote aller Wettbewerber für ein neues Kampfflugzeug (NKF) sowie für ein bodengestütztes Luftverteidigungssystem größerer Reichweite (Bodluv GR) erhalten.  Die Regierungsstellen der in Frage kommenden Kandidaten haben nach Angeben des schweizerischen Bundesamtes für Rüstung armasuisse ihre zweite Offerte an die Behörde übergeben.  Damit beginnen für armasuisse die Arbeiten an den Evaluationsberichten, die im 1. Quartal kommenden Jahres abgeschlossen werden sollen.

Im Rennen um das NKF befinden sich Deutschland (Airbus Eurofighter), Frankreich (Dassault Rafale) und die USA (Boeing F/A-18 Super Hornet und Lockheed-Martin F-35A). In der zweiten Offerte waren die durch die Regierungsstellen angeschriebenen Hersteller aufgefordert worden, die für die Schweiz vorteilhafteste Offerte zu unterbreiten. Die Schweiz will für die Beschaffung von neuen Fliegern und Bodluv GR im Rahmen des Vorhabens Air2030 insgesamt 8 Mrd CHF ausgeben. Davon sind 6 Mrd CHF für die Flugzeuge vorgesehen.

Die Offerten enthalten laut armasuisse unter anderem folgende Elemente: Den Preis für 36 und 40 Flugzeuge inklusive definierter Logistik und Bewaffnung als verbindlicher Ausgangspunkt für die Detailverhandlungen mit dem gewählten Kandidaten nach dem Typenentscheid. Des Weiteren sind in der Offerte Angebote zur Kooperation zwischen den Streitkräften und den Beschaffungsbehörden der Schweiz und jenen des Lieferlandes enthalten. Außerdem enthält die Offerte angestrebte oder bereits angebahnte Offset-Projekte.

Wie aus Unterlagen der US-Behörde Defense Security Cooperation Agency hervorgeht, würde ein so genannter FMS-Case für 36 F/A-18E plus  vier zweisitzige F/A-18F Super Hornet mit umfangreicher Zusatzausstattung, Triebwerken und Bewaffnung mit 7,452 Mrd USD zu Buche schlagen. Der Kauf von 40 F-35 Joint Strike Fighter – ebenfalls mit umfangreicher Ausstattung – würde dagegen 6,58 Mrd USD kosten.

Im Wettbewerb um Bodluv GR befinden sich Frankreich (Eurosam SAMP/T) und die USA (Raytheon Patriot). Wie auch beim neuen Kampfflugzeug waren die Regierungsstellen der angeschriebenen Hersteller aufgefordert, die für die Schweiz vorteilhafteste Offerte zu unterbreiten.

Die Offerten enthalten laut armasuisse unter anderem den Preis für die Systeme der bodengestützten Luftverteidigung größerer Reichweite zur Abdeckung von mindestens 15.000 Quadratkilometern inklusive definierter Logistik und Bewaffnung als verbindlicher Ausgangspunkt für die Detailverhandlungen mit dem gewählten Kandidaten nach dem Typenentscheid. Außerdem Angebote zur Kooperation zwischen den Streitkräften und den Beschaffungsbehörden der Schweiz und jenen des Lieferlandes. Und schließlich – wie beim NKF – angestrebte oder bereits angebahnte Offset-Projekte.

Weiteres Vorgehen im Programm Air2030

Mit den Informationen aus der zweiten Offerte und den Erkenntnissen aus den verschiedenen Erprobungsaktivitäten wird den Angaben von armasuisse zufolge der Gesamtnutzen jedes Systems ermittelt. Die Resultate fließen zusammen mit einer umfassenden Risikoanalyse in eigenständige Evaluationsberichte, in welchen der jeweilige Gesamtnutzen des neuen Kampfflugzeugs beziehungsweise von Bodluv GR den Beschaffungs- und Betriebskosten für 30 Jahre gegenübergestellt wird. Die Evaluationsberichte sollen im 1.Quartal 2021 abgeschlossen werden. Der Typenentscheid durch die Schweizer Regierung – den Bundesrat – ist für beide Systeme im 2. Quartal 2021 vorgesehen.

Wie es in einer aktuellen Pressemitteilung von Airbus Defence and Space heißt, bietet die Bundesrepublik Deutschland der Schweiz mit der Anschaffung des Eurofighter an, die bestehende militärische Partnerschaft zu vertiefen, vor allem im Hinblick auf die gemeinsame Ausbildung der beiden Luftstreitkräfte. „Dabei erhält die Schweiz volle Autonomie bei der Nutzung, Wartung und der Verwendung der Daten ihrer Flugzeuge“, heißt es weiter. Deutschland selbst hat erst vor wenigen Tagen den Vertrag über die Beschaffung von 38 Eurofightern der neuesten Tranche 4 unterschrieben und biete der Schweiz an, über eine typengleiche Beschaffung die Grundlage für eine noch engere politische, wirtschaftliche und sicherheitstechnische Kooperation zu legen.

Michael Flügger, deutscher Botschafter in der Schweiz, wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: „Mit diesem Angebot laden wir die Schweiz als unseren Nachbarn und engen Partner in sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Fragen ein, ihren Luftraum durch den Eurofighter zu schützen und eng mit unseren Luftstreitkräften zusammenzuarbeiten.“ Deutschland hatte im vergangenen Jahr bei der Vorstellung seines Angebotes vor Pressevertretern in Payerne auch eine bessere Zusammenarbeit bei Fragen der zivilen Infrastruktur vorgeschlagen.

Nach Aussage von Dirk Hoke, CEO von Airbus Defence and Space, will sein Unternehmen der Schweiz Konstruktionsdaten und andere wichtige Informationen des Flugzeugs zur Verfügung stellen. Damit werde der Schweiz die vollständige und unabhängige Kontrolle über den Eurofighter ermöglicht.  „Airbus ist mit über 200 Lieferanten in der Eidgenossenschaft schon heute ein starker Partner der Schweiz, und wir freuen uns darauf, diese Zusammenarbeit noch weiter auszubauen“, so Hoke.

lah/12/19.11.2020