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Indien will Drohnen des Typs MQ-9B SkyGuardian beschaffen

Kristóf Nagy

Indien erwägt die Beschaffung von unbemannten Luftfahrzeugen (UAS) des Typs MQ-9B SkyGuardian des US-Herstellers General Atomics Aeronautical Systems. Dies geht aus einer aktuellen Veröffentlichung der Defense Security Cooperation Agency (DSCA) hervor. Die Lieferungen sollen im Fall einer Bestellung im Rahmen des „Foreign Military Sale“-Programms erfolgen und haben bereits die Zustimmung des US-Außenministeriums erhalten.

Die General Atomics MQ-9B ist eine Weiterentwicklung der bei den US-Streitkräften unter der Bezeichnung MQ-9A „Reaper“ eingeführten Kampfdrohne und verfügt bei einer Spannweite von 24 m und einem maximalen Startgewicht von 5670 kg über eine beachtliche Flugzeit von über 30 Stunden. Das Paket soll laut Mitteilung in der aktuellen Fassung einen Wert von 3,99 Milliarden US-Dollar umfassen. Die finale Ratifizierung des Vertrages bedarf noch der Zustimmung des Kongresses, was jedoch als gesichert gilt. Erst nach erfolgter Zustimmung können der Käufer und die Industrie die finalen Details, inklusive des tatsächlichen Preises, aushandeln. Das Gleiche gilt auch für eine als sicher geltende Beteiligung der indischen Industrie bzw. weitere Offset-Vereinbarungen.

Die indische Seite bekundete der Mitteilung zufolge das Interesse am Erwerb von 31 „MQ-9B SkyGuardian“-Drohnen und einem umfangreichen Bewaffnungs-, Sensorik und Ausbildungs-, sowie Logistikpaket. So beinhaltet die Anfrage auch 161 störsichere, speziell für Luftfahrzeuge entwickelte Embedded Global Positioning & Inertial Navigationssysteme (EGIs) von Honeywell. Als Sensorik ist das von L3 Harris entwickelte elektronische Aufklärungssystem Rio signals intelligence (SIGINT) mit einer Stückzahl von 35 Teil des Paketes. Da Indien die Drohnen auch verstärkt in der maritimen Rolle verwenden will, überrascht es nicht, dass auch Sonarbojen des Typs AN/SSQ-62F, AN/SSQ-53G und AN/SSQ-36 geordert werden sollen. Diesem Zweck soll auch die Integration des SeaSpray Seezielradars von BAE System Avionics dienen. Ergänzend ist auch das Boden- und Seezielradar HISAR-300 von Raytheon aufgeführt. Pressemeldungen zufolge sollen 15 Drohnen der indischen Marine unterstellt werden. Die restlichen UAS sollen zu je acht Stück jeweils an die Luftwaffe und das Heer gehen.

Auch im Bereich der Bewaffnung hat Indien eine klare Vorstellung bezüglich des Erstbedarfes. So beinhaltet die Anfrage 170 Lenkflugkörper AGM-114R Hellfire und 16 Hellfire Captive Air Training Missiles (CATM). Der zahlenmäßig größte Posten an Wirkmitteln stellen die 310 Lenkbomben GBU-39B/B Laser Small Diameter Bombs (LSDB) 110 kg dar, welche durch acht GBU-39B/B LSDB Guided Test Vehicles (GTVs) bzw. eine ungenannte Anzahl an inerten Trainingsgeräten GBU-39B/B ergänzt werden. Die Zielbeleuchtung für die Lenkbomben soll in der finalen Konfiguration sowohl durch eine eigene Laserzielbeleuchtung, als auch durch andere Luftfahrzeuge oder vom Boden möglich sein. Ergänzt wird das Sensorik- und Waffenpaket durch Bodenstationen, Verschlüsselungssoftware und weitere für den Betrieb der UAS notwendigen Elemente sowie mit einem umfangreichen Ausbildungs- und Logistikpaket.

Indien setzt in den letzten Jahren vermehrt auf die Beschaffung von Systemen aus eigener Fertigung. Dies gilt auch für den Bereich militärischer Drohnen und Loitering Munition. Neben reinen einheimischen Entwicklungen, ging Indien in der Vergangenheit auch Joint Ventures mit ausländischen Firmen ein, um einen Technologietransfer zu realisieren, wie z.B. mit dem polnischen Hersteller der Waremate Loitering Munition WB Electronics. Inwieweit die indische Industrie in den Betrieb und die Wartung der recht komplexen MQ-9B eingebunden werden kann, wird sich noch zeigen.

Kristóf Nagy