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Carlyle prüft Einstieg ins Marinegeschäft von thyssenkrupp

Die Essener thyssenkrupp AG und die globale Investmentgesellschaft Carlyle prüfen eine Kooperation bei der geplanten Verselbstständigung von thyssenkrupp Marine Systems (tkMS), dem Marinegeschäft des Konzerns. Beide Unternehmen verständigten sich darauf, in eine vertiefende Prüfung und Bewertung (Due Diligence) der Marinesparte von thyssenkrupp einzusteigen, wie thyssenkrupp in einer Mitteilung schreibt. Gegenstand dieser Bewertung sei ein möglicher Teilverkauf von thyssenkrupp Marine Systems an Carlyle.

Volkmar Dinstuhl, Mitglied des Vorstandes der thyssenkrupp AG, wird mit den Worten zitiert: „Die Beteiligung einer Private-Equity-Gesellschaft ist eine von mehreren Optionen, die wir derzeit für die Verselbstständigung unseres Marinegeschäfts untersuchen. Mit der aktiven Einbindung von Carlyle gehen wir dafür nun den notwendigen nächsten Schritt und starten die Phase einer ergebnisoffenen Prüfung der relevanten Geschäftsaktivitäten.“

Die Einbindung von Carlyle schließe die parallele Sondierung weiterer Möglichkeiten der Verselbstständigung am Kapitalmarkt nicht aus. Zeitgleich laufen der Mitteilung zufolge Gespräche mit der Bundesregierung zur Beteiligung des Staates am Marinegeschäft von thyssenkrupp. Beobachter gehen davon aus, dass die Due Diligence mehrere Monate in Anspruch nehmen könnte. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wird tkMS mit rund 1,5 Milliarden Euro bewertet.

Der Aufsichtsrat der thyssenkrupp AG hatte im vergangenen Jahr grünes Licht zur geplanten Verselbstständigung der Marinesparte gegeben. Seitdem würden parallel verschiedene Optionen dafür geprüft, schreibt das Unternehmen. Die weltweit wachsende Nachfrage nach U-Booten, Marineschiffen sowie die Über- und Unterwassertechnologie sorge für zusätzliche Wachstumschancen für tkMS. Dem Vernehmen nach hat unter anderem Norwegen Interesse an der Bestellung weiterer U-Boote.

Mit der Eigenständigkeit wäre ein guter Ausgangspunkt für eine mögliche nationale und europäische Konsolidierung gegeben, heißt es in der Mitteilung. thyssenkrupp Marine Systems sei derzeit das einzige Unternehmen in Europa, das sowohl den Unter- als auch Überwasserschiffbau mit der notwendigen Elektronikkompetenz unter einem Dach vereine.

IG Metall will verbindliche Vereinbarungen

Die IG Metall stehe dem möglichen Teilverkauf von tkMS an den Finanzinvestor Carlyle offen gegenüber, fordere als Begleitkommission jedoch verbindliche Vereinbarungen, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft.  „Einen Verkauf um jeden Preis darf und wird es mit uns nicht geben“, sagte Daniel Friedrich, Leiter des IG Metall Bezirks Küste. „Für uns ist entscheidend, dass wir mit dem Investor zu verbindlichen Vereinbarungen für die Zukunft aller Standorte und die Sicherung von Arbeitsplätzen, Investitionen, Tarifverträgen und Mitbestimmungsstrukturen kommen.“

Neben der wirtschaftlichen Prüfung müsse es jetzt schnellstmöglich Verhandlungen mit allen Akteuren und der IG Metall geben, fordert die Gewerkschaft. „Wir erwarten, dass wir in den nächsten Wochen mit dem Investor an einen Tisch kommen“, sagte Stephanie Schmoliner, Geschäftsführerin der IG Metall Geschäftsstelle Kiel-Neumünster und Unternehmensbeauftragte für tkMS.  Man sei auf die Verhandlungen vorbereitet und habe dazu die Begleitkommission mit den Betriebsratsvorsitzenden der Standorte gegründet.

Die IG Metall ist laut Mitteilung weiterhin davon überzeugt, dass es den Staat als Ankerinvestor braucht. „Für uns bleibt es dabei: Einen Verkauf an Private-Equity-Investoren kann es nur geben, wenn der Staat seine Verantwortung wahrnimmt und einstiegt, um den Marineschiffbau als Schlüsseltechnologie langfristig zu sichern“, so Friedrich. „Dafür gibt es zurzeit eine breite politische Unterstützung.“

Die IG Metall begleitet die Verhandlungen zu einer möglichen Verselbstständigung von tkMS nach eigenen Angaben schon länger kritisch und konstruktiv. Im Juni 2023 richtete sie dazu eine Begleitkommission ein, die seitdem regelmäßig mit Vertreterinnen und Vertretern der Vorstände von thyssenkrupp und tkMS tagt.
lah

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