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Bundeswehr will neue PAC-3-MSE-Lenkflugkörper für Patriot beschaffen

Lars Hoffmann

Die Bundeswehr hat bekanntlich große Lücken bei der Ausstattung mit Munition, wovon auch die Luftwaffe betroffen ist. Deshalb hat das BMVg erst jüngst entschieden, für etwa drei Milliarden Euro insgesamt 500 Lenkflugkörper des Typs GEM-T für das Luftverteidigungssystem Patriot zu kaufen, die von COMLOG, einem Joint Venture von MBDA Deutschland und Raytheon, hergestellt werden sollen. Darüber hinaus ist nun auch die Beschaffung von zusätzlichen PAC-3-Lenkfklugkörpern für das Waffensystem Patriot geplant, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Nachfrage von hartpunkt bestätigte. Dazu sei eine „Foreign Military Sales“-Anfrage an die USA gestellt worden. Es handelt sich damit um einen Kauf bei der US-Regierung.

Weitere Detail wollte der Sprecher aufgrund der Vertraulichkeit des Verfahrens nicht mitteilen. Die Anfrage dürfte bereits im vergangenen Jahr an die zuständigen US-Stellen übermittelt worden sein. Beobachter vermuten, dass das Ministerium womöglich den Erwerb einer dreistelligen Anzahl der gegenwärtig modernsten Variante PAC-3 MSE ins Auge gefasst haben könnte. Hersteller des Flugkörpers ist der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin. Die PAC-3 war bereits als Hauptwaffe für das Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) vorgesehen. Das Projekt wird gegenwärtig allerdings nicht weiter vom BMVg verfolgt. Stattdessen modernisiert die Luftwaffe ihre vorhandenen Patriot-Feuereinheiten und will neue beschaffen, die auch die PAC-3 MSE nutzen können.

Gegenüber Vorgängerversionen wie der PAC-3 CRI verfügt die PAC-3 MSE laut Hersteller über eine größere Reichweite sowie Höhenleistung und ist besonders geeignet, taktische ballistische Raketen zu bekämpfen. Die PAC-3 MSE, wobei die Abkürzung für Missile Segment Enhancement steht, verfügt über die sogenannte Hit-to-Kill-Fähigkeit, kann also ein gegnerisches Ziel durch einen Direkttreffer ausschalten. Dieses Verfahren soll eine deutlich größere Zerstörungswirkung auf eine anfliegende Rakete haben, als die Zündung eines Fragmentations-Gefechtskopfs in der Nähe des Ziels. Dem Vernehmen nach wird durch die kinetische Energie, die bei einem Direkttreffer erzeugt wird, auch die in einem anfliegenden Gefechtskopf enthaltene Submunition vernichtet, was andernfalls offenbar nicht immer der Fall ist.

Angaben von Lockheed Martin zufolge, sind oder werden mehr als ein Dutzend Staaten Nutzer der Version PAC-3 MSE. Darunter auch die Schweiz, die Patriot als System für die bodengebundene Luftverteidigung ausgewählt hat. Einer Veröffentlichung der Defense Security Cooperation Agency vom November 2022 zufolge, plante die Schweiz die Beschaffung von bis zu 72 Lenkflugkörpern PAC-3 MSE im Volumen von geschätzt 700 Millionen US-Dollar. In dem umfangreichen Beschaffungspaket sind  neben den Flugkörpern allerdings auch Ersatzteile, die Unterstützung bei Tests, Trainings-und Logistik-Komponenten sowie verschiedene Dienstleistungen enthalten. Außerdem forderte die Schweiz im Gegenzug für den Kauf vom Hersteller Lockheed Martin Offset-Leistungen. Presseberichten zufolge wurde der Vertrag zur Beschaffung der Flugkörper sowie der Offsetvereinbarungen im Oktober 2023 unterschreiben, wobei keine Angaben zum Umfang und den Kosten gemacht wurden.

Wann die 25-Millionen-Euro-Beschaffungsvorlage für die deutschen PAC-3 MSE in den Bundestag gehen wird, ist nicht bekannt. Im ersten Halbjahr scheint dies jedoch noch nicht der Fall zu sein.

Lars Hoffmann