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Offenbar Joint-Venture-Gespräche zwischen MBDA und Lockheed Martin

Der europäische Raketenhersteller MBDA und der US-Konzern Lockheed Martin befinden sich offenbar in Joint-Venture-Verhandlungen, um gemeinsam das zukünftige deutsche Luftverteidigungssystem TLVS/MEADS umzusetzen.

Wie es aus gut informierten Kreisen weiter heißt, soll ein Abschluss der Gespräche zeitnah erfolgen. TLVS-Generalunternehmer MBDA muss gegenwärtig ein Angebot vom vergangenen Herbst nachbessern, was zu deutlichen Verzögerungen im Zeitplan führt. Gestern informierte das BMVg darüber, dass sich der Vertragsabschluss für das Projekt in die kommende Legislaturperiode verschiebt.

Das Ministerium scheint zu bezweifeln, dass die mittelständisch strukturierte Firma MBDA Deutschland über ausreichend Expertise und Personal verfügt, um das Multi-Milliarden-Projekt TLVS/MEADS erfolgreich zu realisieren. Ein auf die Umsetzung des Vorhabens fokussiertes Joint Venture von MBDA und dem US-Rüstungsunternehmen Lockheed Martin scheint deshalb als gangbare Lösung. MBDA wollte zu möglichen Verhandlungen keine Stellung nehmen. Von Lockheed Martin lag bis Redaktionsschluss keine Rückmeldung vor.

„Für uns ist es wichtig, dass es einen deutschen Generalunternehmer gibt“, machte der CSU-Politiker Reinhard Brandl am Rande einer  Sitzung des Bundestags-Verteidigungsausschusses am Mittwoch in Berlin deutlich.   MBDA solle  diese Rolle übernehmen. Wie die Anteilsverteilung dann innerhalb des Joint Ventures aussehe, sei Sache der Industrie. Nach Aussage von Brandl geht es vor allem darum, dass Lockheed Martin Know-how, Erfahrung im Großprojektmanagement und eine solide finanzielle Basis mit einbringt und weniger, dass der US-Konzern eigene Produkte bei TLVS/MEADS unterbringt.

Brandl hofft, dass der Vertrag für das Luftverteidigungssystem mit dem BMVg womöglich noch im Jahr 2017 geschlossen wird – wenn auch erst nach der Wahl.  Der CSU-Politiker geht davon aus, dass MBDA auch weiter die Vorfinanzierung übernimmt. Denn durch die Verschiebung der 25-Mio-Vorlage in die nächste Legislaturperiode dürften die dafür reservierten Haushaltsmittel auf andere Vorhaben verteilt werden.
lah/8.3.2017