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U.S. Army führt erste NGSW-Sturmgewehre und -Maschinengewehre in die Kampftruppe ein

Thomas Lauge Nielsen

US-Fallschirmjäger des 1. Battalions, 506th Infantry Regiment der 101st Airborne Division in Fort Campbell sind jüngst als erster Kampfverband mit dem neuen Sturmgewehr XM7 sowie dem Maschinengewehr XM250 aus dem Handwaffenprojekt Next Generation Squad Weapon (NGSW) ausgerüstet worden. Das Bataillon wird mit allen Elementen des NGSW-Systems ausgestattet.

Die U.S. Army initiierte 2017 das NGSW-Vorhaben mit der Absicht, die in Nutzung befindlichen M4-Karabiner und leichten Maschinengewehre vom Typ M249 Squad Automatic Weapon (SAW) sowie deren 5,56 x 45-mm-Patrone durch leistungsfähigere Systeme zu ersetzen. Ziel war es, eine Waffe zu entwickeln und einzuführen, die dem Infanteristen eine größere Reichweite und eine bessere ballistische Leistung bietet. Im April 2022 kürte das US-Heer den Waffen- und Munitionshersteller SIG Sauer zum Gewinner des Wettbewerbs um die Next Generation Squad Weapon.

Das NGSW-Projekt besteht aus vier Elementen:

  • Gewehr (namens XM7) – entwickelt und produziert von SIG Sauer, als Ersatz für den M4-Karabiner.
  • Maschinengewehr / Unterstützungswaffe (XM250) – entwickelt und produziert von SIG Sauer als Ersatz für die M249 Squad Automatic Weapon.
  • 6,8 x 51mm Munition – entwickelt und hergestellt von SIG Sauer, wobei die Produktion in der von der Regierung betriebenen Lake City Army Ammunition Plant (LCAAP) aufgenommen wurde.
  • XM157, eine fortschrittliche Feuerleitoptik (Visier) – entwickelt und hergestellt von Vortex Optics.

Die letzte Aktualisierung des NGSW-Projekts erfolgte nun am 28. März 2024, als die U.S. Army die neuen Waffen und die Munition erstmals offiziell an einen regulären Verband, die oben angesprochenen Fallschirmjäger, ausgab. Die NGSW-Waffen befindet sich zwar schon seit einiger Zeit in den Händen von US-Truppen, aber nur in begrenzter Anzahl zu Test- und Evaluierungszwecken und nicht für den regulären Dienstbetrieb.

Die ersten Lieferungen an das 506. Infanterieregiment werden für das so genannte New Equipment Training verwendet, dessen Zweck es ist, die Ausbilder zu schulen und einen Kader von erfahrenen Ausbildern innerhalb des Regiments aufzubauen, damit diese ihre Soldaten an den neuen Waffen einweisen und ausbilden können, sobald diese in Dienst gestellt werden.

Nach dem veröffentlichten Zeitplan für die Modernisierung der U.S. Army wird die nächste Ausgabe des NGSW im Mai erfolgen, und zwar bei einer nicht näher bezeichneten Panzerbrigade der Nationalgarde.

Der Haushaltsantrag des US-Heeres für das Fiskaljahr 2025 sieht insgesamt die Finanzierung von insgesamt 111.428 Gewehrten des Typs XM7, 13.334 Systemen des XM250 sowie 124.749 XM157-Feuerleitsystemen vor. Die Lieferung und die weitere Einführung der Waffen sind bis 2030 geplant.

Bei der Betrachtung der genannten Stückzahlen ist zu berücksichtigen, dass das NGSW nur bei den sogenannten „Close Combat Forces“, also den Truppenteilen, die unmittelbar an der vordersten Front kämpfen, die bestehenden Gewehre und Unterstützungswaffen ersetzen soll. Dazu zählen neben Infanteristen unter anderem auch Kräfte der Aufklärungs-, Pionier- und Sanitätstruppe. Nach den derzeitigen Plänen für das NGSW werden die Truppen in unterstützenden Funktionen, wie Artillerie, Transport und Fernmeldewesen, weiterhin die Waffen M4 und M249 im Kaliber 5,56 x 45 mm nutzen.

Parallel zur oben genannten Ersteinführung werden weitere Fortschritte bei der NGSW erzielt. So wird bei der LCAAP in Independence, Missouri, eine neue Produktionsanlage speziell für die 6,8x51mm-Munition gebaut. Das LCAAP produziert die 6,8x51mm-Munition bereits in begrenzten Mengen unter Verwendung von Komponenten, die von SIG Sauer geliefert werden. Im Cold Regions Test Center der U.S. Army in Fort Greely, Alaska, wurden die Waffen außerdem extremen Kältetests unterzogen.

NGSW-Waffen im Rahmen der Kälteerprobung in Alaska. (Bild: U.S. Army / PEO Soldier)

In Anbetracht des derzeitigen Fortschritts des NGSW-Projekts ist auch damit zu rechnen, dass die NGSW-Waffen bald die Bezeichnung „X“-für-experimentell verlieren und offiziell zum M7-Gewehr bzw. M250-Maschinengewehr sowie M157-Feuerleitsystem umbenannt werden.

Zwei weitere Punkte im Zusammenhang mit dem NGSW-Projekt bleiben offen. Zum einen geht es um die Taktik und Doktrin der Infanterie. Um die gesteigerte ballistische Leistung der Klaibers 6,8 x 51mm und die geringere Menge an Munition, die der Soldat mit sich führen kann, zu nutzen, kann man davon ausgehen, dass die U.S. Army die Einsatzgrundsätze und die Nahkampfdoktrin, die sie ihrer Infanterie beibringt, überarbeiten und aktualisieren muss. Bisher wurde dazu jedoch noch nichts Konkretes bekannt gegeben.

Der zweite Punkt betrifft die NATO-Standardisierung der 6,8×51-mm-Patrone. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts haben einige andere Nationen ihr Interesse an der neuen Patrone bekundet, z.B. Thales Australia, das eine „6,8mm Close Combat Weapon“ entwickelt. Es besteht kein Zweifel daran, dass die NATO-Standardisierung der Patrone dazu beitragen würde, das neue Kaliber zu „legitimieren“. Dies würde wiederum andere Nationen (ob NATO oder nicht) dazu ermutigen, es für eine Übernahme in Betracht zu ziehen.

Thomas Lauge Nielsen

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