Rheinmetall soll Flugabwehr für 532 Millionen Euro modernisieren

Der Düsseldorfer Rüstungs- und Automotive-Konzern Rheinmetall ist nach eigenen Angaben vom österreichischen Bundesministerium für Landesverteidigung mit einer umfassenden Modernisierung bestehender Skyguard-Flugabwehrsysteme im Kaliber 35mm beauftragt worden. Der Vertrag über das Projekt Skyguard Next Generation sei in Wien in Anwesenheit der österreichischen Verteidigungsministerin, Klaudia Tanner, geschlossen worden, schreibt Rheinmetall. Die Auftragssumme betrage 532 Millionen Euro netto, die noch im Dezember 2023 als Auftragseingang gebucht werden könne. Wie aus der Mitteilung weiter hervorgeht, beträgt die Projektlaufzeit 48 Monate, beginnend im Februar 2024.
Für das Bundesheer werde damit ein wichtiger Schritt der Nachrüstung im Zeichen der „Mission Vorwärts“ vollzogen, einem Aufbauplan für die Streitkräfte.

Skyguard Next Generation ist laut Hersteller ein Produkt aus der Skynex-Familie von Rheinmetall Air Defence. Das Auftragspaket in Österreich umfasse insgesamt sieben taktische Einheiten, die jeweils aus vier 35mm-Zwillingsgeschützen bestehen, einer Multisensoreinheit zur Luftraumüberwachung, Zielerfassung, -identifikation und -verfolgung sowie dem Kommandoposten. Dabei werden laut Hersteller 28 beim Kunden vorhandene 35mm-Zwillingsgeschütze auf einen modernen Stand gebracht. Darüber hinaus umfasse der Vertrag Ersatzteilpakete, Ausbildungsleistungen und die dazugehörige 35mm-Munition. Auch die Option zur Bestellung einer weiteren taktischen Einheit sei vertraglich vereinbart.

Oliver Dürr, CEO der Rheinmetall Air Defence AG, Zürich, wird mit den Worten zitiert:  „Österreich erhält eine maßgeschneiderte und zukunftsweisende Lösung in der Nahbereichsflugabwehr. Für unser Unternehmen ist dies ein bedeutender Erfolg – und insbesondere auch für unseren Standort Zürich, der für die Ausführung des Auftrags verantwortlich sein wird.“

Das System Skyguard Next Generation basiert laut Hersteller auf bestehenden Waffensystemen der österreichischen Streitkräfte. Im Rahmen einer Nutzungsdauerverlängerung würden vorhandene Oerlikon 35mm- Zwillingsgeschütze auf den modernsten Stand gebracht, mit einer Zielverfolgungssensorik gekoppelt und in das Waffeneinsatzführungssystem Skymaster von Rheinmetall eingebunden.

Die Präzision der Sensorik erlaube es, Luftziele bereits frühzeitig zu erfassen und zu identifizieren. Das Führungssystem ermöglicht es dem taktischen Kommandanten, ein lokales Luftlagebild zu erstellen, die Gefährdungslage einzustufen und in enger Koordination mit übergeordneten Stellen eine Bekämpfung auszulösen. Die Einbindung von Boden-Luft-Lenkwaffen sei ebenfalls möglich.  Die Geschütze können sowohl abgesetzt als auch unbemannt bedient werden, wie es heißt.

Die kanonenbasierten Flugabwehrlösungen aus der Skynex-Produktfamilie eignen sich Rheinmetall zufolge besonders zum Nächstbereichsschutz, wo Lenkwaffen nicht effektiv wirken können. Das Skynex-System besteht aus Luftraumüberwachung, Waffeneinsatzzentrum und Effektoren. Als Effektor dienen die Oerlikon Schnellfeuergeschütze, die mit einer Kadenz von 1.000 Schuss/Minute bis auf 4.000 Meter wirken können.

Skynex bietet laut Hersteller demgegenüber dem heute technisch veralteten 35mm-Flakpanzer Gepard nicht nur den Generationensprung in der Sensorik und in der Möglichkeit der vernetzten Anwendung mehrerer taktischer Einheiten sowie der Einbindung in das übergeordnete Führungssystem. Das besondere Merkmal in der Waffenwirkung sei die Verwendung von zeitprogrammierbarer 35mm-Munition des Typs Ahead, die von Rheinmetall entwickelt wurde und eine hohe Effektivität gegen kleine und schnelle Ziele ermögliche.
lah/12/12.12.2023