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Raytheon hofft auf baldigen Start von Machbarkeitsstudie

Der Rüstungskonzern Raytheon befindet sich gegenwärtig in der Angebotsphase für eine Machbarkeitsstudie, mit der die Integration des Boden-Luft-Flugkörpers Iris-T SL in die Patriot-Systeme der Bundeswehr untersucht werden soll. Nach Aussage von Lüder Hogrefe, Managing Director der Raytheon Anschütz Gmbh, hat sein Unternehmen bereits im vergangenen Jahr die Angebotsaufforderung für die Studie erhalten. Im Augenblick werde mit dem Auftraggeber das Angebot abgestimmt.

Hogrefe hofft auf einen Vertragszuschlag noch im ersten Quartal dieses Jahres. Dann könne Raytheon Anschütz zusammen mit der US-Muttergesellschaft Raytheon sowie Diehl als Hersteller der Iris T im Mai mit der Arbeit beginnen, sagte der Raytheon-Manager. Er würde mit Blick auf die Planungen für den Nah- und Nächstbereichsschutz (NNBS) auch gerne Rheinmetall für die Studie gewinnen, für die er rund ein Jahr veranschlagt. „Wir untersuchen verschiedene Integrationsstufen“, sagte Hogrefe ohne auf Details einzugehen.

Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, könnten die zeitlichen Vorstellungen von Raytheon-Manager Hogrefe womöglich zu optimistisch sein. Allerdings bestehen den Kreisen zufolge gute Aussichten, dass die Studie noch vor der Sommerpause beginnen kann.

Sollte das BMVg die  von MBDA und Lockheed Martin für das Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) vorgeschlagene Lösung doch nicht beschaffen und statt dessen weiter an Patriot festhalten, müssten die Raketen des Typs Iris T SL – die für TLVS als gesetzt gelten – mit Patriot-Komponenten wie Feuerleitung und Radar kompatibel gemacht werden. Die Iris-T SL benötigt darüber hinaus ein eigenes Radar. Das gegenwärtig für die Luftwaffen-Patriots verwendete Raytheon-Radar verfügt überdies über keine 360-Grad-Fähigkeit. Um diese zu erreichen, müssten weiterentwickelte Raytheon-Radare beschafft werden.

Bei NNBS geht es nach gegenwärtigen Planungen um die Beschaffung von bis zu 14 Feuereinheiten mit jeweils einem Mittelbereichsradar.  Nach Aussage der Bundeswehr wird bei allen Beschaffungsprojekten eine hohe Kommunalität der Hardware angestrebt. Das könnte dafür sprechen, die Iris-T SL auch für NNBS einzusetzen.

Da das Heer gegenwärtig die Digitalisierung vorantreibt, wäre es womöglich sinnvoll, die dafür zu entwickelnden Motako/Motiv-Komponenten auch für die Kommunikations-Anbindung bei TLVS und NNBS zu nutzen. Um Motako/Motiv abbilden zu können, haben Rheinmetall sowie Rohde & Schwarz ein Joint Venture vereinbart. Raytheon und Rheinmetall sind darüber hinaus im Bereich Luftverteidigung eine Industriepartnerschaft eingegangen.
lah/23.1.2018