Legt Frankreich Eurodrohne auf Eis?

Französischen Presseberichten zufolge nehmen im Nachbarland die Zweifel an der Realisierung der von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zu entwickelnden Eurodrohne zu. Wie es in einem Beitrag im Magazin Air&Cosmos vom Freitag heißt, hat die politische Klasse Frankreichs das Vorhaben im Augenblick eingefroren, da der von der Industrie verlangte Preis deutlich zu hoch sei. Kritik wird auch an der Auslegung als zweimotoriges Flugzeug geäußert.

Ende vergangenen Monats hatte bereits die französische Verteidigungsministerin Florence Parly in einem Interview in der Zeitung Les Echos gesagt, dass man noch immer auf ein akzeptables Angebot der Industrie für die MALE-Drohne warte, das sich in Einklang mit den vorgegebenen Budgetlinien befinde. MALE steht für Medium-Altitude Long-Endurance. Sollte es zu keiner Einigung kommen, brachte die Ministerin als  Plan B den Kauf von unbemannten Luftfahrzeugen ins Spiel. So habe Frankreich 2019 bereits ein zusätzliches Exemplar einer vom US-Hersteller General Atomics gefertigten Reaper-Drohne beschafft. Das sei zwar nicht, was sie wünsche. Allerdings sei sie nicht bereit, das Geld der französichen Steuerzahler „mit geschlossenen Augen“ auszugeben, so Parly.

Dem Vernehmen nach fliegt der in Frankreich als Reaper bezeichnete MQ-9A Predator B bereits in  gesperrten Luftraumkorridoren über dem französischen Festland – offenbar auch über bewohntem Gebiet. So soll die Drohne auch zur Überwachung des Nationalfeiertags eingesetzt worden sein.  Außerdem strebt das französische Verteidigungsministerium die Bewaffnung der einmotorigen Maschine an.

Ein Airbus-Sprecher bestätigte, dass die Industrie ein Angebot für die MALE-Drohne abgegeben hat. Dieses basiere auf der viernationalen Studie, in der alle Länder eng eingebunden waren.  Somit seien dort alle Fähigkeiten berücksichtigt worden, auf die sich Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien verständigt hätten – darunter auch die Zweimotorigkeit. Jetzt gelte es, in entsprechende Preisverhandlungen zu treten, so der Sprecher weiter. Seiner Aussage zufolge dürfen sich jedoch dabei unzureichende Verträge wie beim Transportflugzeug A400M nicht wiederholen.

Während Frankreich offenbar den Kauf von US-Drohnen als Option sieht, bezeichnete der Chef von Airbus Defence and Space, Dirk Hoke, in einem aktuellen Spiegel-Interview sowohl das Future Combat Air System (FCAS) als auch die Eurodrohne als Projekte von „herausragender Relevanz“. Bei unbemannten Flugzeugen sei dies die letzte Chance, den Anschluss nicht zu verlieren. Mit der neuen Drohne könne bewiesen werden, dass man in der Lage sei, FCAS zu entwickeln und zu bauen.

Während Deutschland bei der Eurodrohne die Projektführung innehat, liegt bei FCAS der Lead in Frankreich. Bei letzterem Vorhaben scheint Deutschland im Augenblick keine Mittel zur Weiterentwicklung freizumachen. Bis zum deutsch-französischen Ministerrat Mitte des Monats bleibt demnach noch einiges zu tun, um die Unstimmigkeiten auszuräumen.

Beobachter wollen nicht ausschließen, dass die französischen Vorbehalte bei der Eurodrohne im Zusammenhang mit der deutschen Forderung nach der Kopplung des Fortschritts bei FCAS mit dem beim Main Ground Combat System (MGCS) zu sehen sind. Beim MGCS scheint sich im Augenblick wenig zu bewegen.
lah/12/9.10.2019