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Interesse an der Eurodrohne auch von außereuropäischen Staaten?

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Die Europäer wollen mit der Entwicklung der Eurodrohne zur internationalen Konkurrenz aufschließen. Seit Jahren haben die USA, Israel und zuletzt sogar die Türkei einen deutlichen Vorsprung bei dieser Technologie herausgearbeitet. Dass Hersteller Airbus die als MALE (Medium Altitude Long Endurance) vorgesehene Eurodrohne von Beginn an für die Seefernaufklärung auslegen will, könnte womöglich für einige Kundeländer außerhalb Europas interessant sein. Schließlich gelten U-Boote als große Bedrohung für die Schifffahrt und Marineoperationen, entsprechend wichtig ist deshalb deren Bekämpfung. Dazu kommt, dass die Eurodrohne laut Hersteller vollkommen ohne sogenannte ITAR-Komponenten, die der US-Exportkontrolle unterliegen, auskommen soll.

Dem Vernehmen nach kommt als ein potenzieller Kandidat für die Nutzung der Eurodrohne, die erst gegen Ende der Dekade einsatzbereit sein soll, die japanische Marine in Frage. Schließlich muss Japan als Inselnation in direkter Nachbarschaft von Ländern wie China, Russland und Nordkorea seine eigenen Gewässer im Blick behalten. Um sich gegen Operationen von U-Booten zu schützen, bedarf es einer stetigen Überwachung und Aufklärung. Dies ist ein ideales Aufgabenfeld für unbemannte Flugzeuge, die nur einen Bruchteil des Personals eines bemannten Seefernaufklärers benötigen und lange Stehzeiten in der Luft aufweisen.

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Wird aufgrund der Sensordaten einer solchen Aufklärungsdrohne ein U-Boot in einem Seegebiet vermutet, könnte das UAV womöglich selbst ein Sonarbojenfeld ausbringen. Bestätigt sich der Kontakt, würde ein Seefernaufklärer zur Bekämpfung herbeigerufen. Die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte verfügen mit der P-1 von Kawasaki über ein speziell für den Zweck der Seefernaufklärung und U-Boot-Jagd konzipiertes Flugzeug.

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Wie es in Fachkreisen heißt, ist die P-1 für die Seeaufklärung in niedrigen Höhen vorgesehen – ein Konzept das in der Vergangenheit auch von der deutschen Marine umgesetzt wurde. Mit der Beschaffung der P-8 Poseidon von Boeing, wobei es sich um einen für militärische Aufgaben umgerüsteten Airliner handelt, wird die deutsche Marine die U-Boot-Jagd in Zukunft dagegen aus großen Höhen vornehmen.

Offenbar war die japanische P-1 auch bei der damals anstehenden Auswahlentscheidung zum Ersatz der P-3 Orion der deutschen Marine in der Diskussion. So konnten sich Besucher der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin und der französischen Luftfahrtmesse in Le Bourget vor einigen Jahren ein Bild von der Maschine machen.

Operativ ist denkbar, dass eine Drohne, sobald der bemannte Seefernaufklärer in niedriger Höhe seine Mission ausführt, aus großer Höhe als Kommunikationsknoten fungiert und durch seine Sensoren und Frühwarneinrichtungen die U-Boot-Bekämpfung absichert. Vorstellbar ist auch, dass das UAV eigene Torpedos mitführt. Diese müssten ein einem beheizten Wärmerucksack, um ein Einfrieren von wesentlichen Komponenten zu vermeiden, aus großer Höhe gelauncht werden.

Presseberichten zufolge testet die japanische Küstenwache gegenwärtig bereits die einmotorige Drohne Sea Guardian von General Atomics. Ob diese auch zur U-Boot-Jagd genutzt werden soll, wurde nicht mitgeteilt.

Beobachterstatus denkbar

Sollte Japan tatsächlich Interesse an einem UAV zur U-Boot-Jagd haben, wäre es sinnvoll, diese in Kombination mit der P-1 in ein Sensor-und-Effektor-Netzwerk einzubinden. Im Rahmen eines solchen  Manned Unmanned Teamings (MUM-T) wäre es denkbar, Drohnen auch aus einem Seefernaufklärer zu führen. Für Länder, die auf die eigene Souveränität Wert legen und die Unterwerfung unter ITAR-Regeln vermeiden wollen, könnte die Kooperation mit europäischen Firmen wie Airbus interessant sein. Durch die angekündigte Verdopplung der Verteidigungsausgaben in den kommenden Jahren verfügt Japan überdies über die finanziellen Mittel in Kooperationsprojekte einzusteigen. Ein Beispiel dafür ist die Teilnahme am Global Combat Air Programme (GCAP)  – ehemals Tempest – für ein neues Kampfflugzeug, bei dem Japan mit Großbritannien und Italien zusammenarbeitet. Wie ein japanischer Admiral vor einigen Wochen am Rande der Rüstungsmesse DSEI in London bestätigte, hat sein Land darüber hinaus Interesse, an weiteren Rüstungsprojekten mit Partnern teilzunehmen. Gut informierten Kreisen zufolge könnte Japan in Kürze den Beobachterstatus für das von der OCCAR gemanagte Eurodrohnen-Projekt erhalten. Japan bekäme damit einen tieferen Einblick in die Technologie und für die Hersteller der Eurodrohne würde der Verkauf der unbemannten Flugzeuge nach Japan wahrscheinlicher.

Bereits seit vielen Jahrzehnten arbeitet Japan mit dem europäischen Hubschrauberhersteller Airbus Helicopters zusammen. So ist Kawasaki Lieferant wichtiger Komponenten für den Hubschrauber H145. Die Zusammenarbeit scheint reibungslos zu funktionieren. Womöglich ein positives Vorzeichen für einen anstehenden europäisch-japanischen Schulterschluss im Bereich der Drohnen.
lah/28.11.2023