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Flugtests in Deutschland starten im kommenden Jahr

Das unbemannte Luftfahrzeug Heron TP sollte eigentlich nur in den Auslandsmissionen der Bundeswehr in Ländern wie Afghanistan und Mali zum Einsatz kommen. Die fünf Maschinen, die Deutschland beim israelischen IAI-Konzern least, haben ihre Heimatbasis im Norden Israels, wo auch die Ausbildung des deutschen Bedienpersonals stattfindet.

Da jedoch das Afghanistan-Engagement der Bundeswehr bereits im vergangenen Jahr beendet wurde und ein Einsatz der Heron TP in Mali aufgrund von fehlender Infrastruktur frühestens 2024 umsetzbar sein dürfte, bietet sich für die Bundeswehr die Möglichkeit, den Einsatz der Drohne im deutschen Luftraum zu erproben.

Wie ein Sprecher der Luftwaffe auf Nachfrage bestätigte, soll im Rahmen einer so genannten „Demonstration LV/BV“ ein System German Heron TP ab August 2023 vom NATO-Flugplatz Schleswig-Jagel eingesetzt werden. Ziel des Vorhabens sei das Gewinnen von Erfahrungen zur Integration von unbemannten Systemen in den deutschen Luftraum. Den Angaben der Luftwaffe zufolge ist die Demonstration zeitlich auf sechs Monate befristet und wird zunächst ausschließlich im eingeschränkten Luftraum durchgeführt. „Derzeit laufen die vorbereitenden Maßnahmen zu diesem Vorhaben, es wird mit einem Abschluss dieser bis Mitte 2023 gerechnet“, so der Sprecher. Ein Flugbetrieb mit German Heron TP in Deutschland sei für 2022 dagegen nicht beabsichtigt beziehungsweise möglich.

Dem Vernehmen nach soll in Kürze das Unmanned Aerial Vehicle (UAV) die Verkehrstüchtigkeit gemäß der STANAG 4671 für Deutschland erhalten. Die dafür erforderlichen Flugtests finden offenbar in Israel statt. Ob nach Abschluss der Demonstration im kommenden Jahr ein dauerhafter Betrieb in Deutschland geplant wird, ist nicht bekannt.

Beim Projekt German Heron TP fungiert Airbus Defence and Space als Generalunternehmen. Dies soll offenbar auch für die Tests in Jagel gelten. Dem Vernehmen nach verfügen die von der Bundeswehr genutzten Heron-TP-Maschinen gegenüber den von Israel verwendeten Pendants über zusätzliche Sicherheitskomponenten. Dazu zählen weitere Datenlinks sowie ein Wetterradar und ein Enteisungssystem, um unter deutschen Wetterbedingungen einsetzbar zu sein.

Wie aus Fachkreisen zu hören ist, fliegen Heron-Drohnen der israelischen Streitkräfte seit vielen Jahren über dem dicht besiedelten israelischen Staatsgebiet – das Land ist flächenmäßig etwas größer als Hessen. Die UAV-Bediener der israelischen Streitkräfte benötigen für ihre Aufgabe demnach keine Pilotenlizenz.

Dass die Luftwaffe mit den Tests in Jagel eigene Erfahrungen für den Einsatz von Drohnen im gemeinsam mit dem zivilen Verkehr genutzten Luftraum sammeln möchte, ist nachvollziehbar. Schließlich soll auch die Eurodrohne von Beginn an eine unbeschränkte Zulassung für den zivilen Luftraum erhalten.

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs und der gestiegenen Bedeutung der Landes- und Bündnisverteidigung stellt sich darüber hinaus die Frage, ob es sinnvoll ist, wichtige Fähigkeiten wie die Aufklärung und Wirkung durch eine Drohne exklusiv für Stabilitätsoperationen zu reservieren.
lah/13.7.2022