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Atlas Elektronik an Bieterkonsortium beteiligt

Während die deutschen Marinewerften Lürssen, ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) und German Naval Yards am aktuellen Ausschreibungsverfahren zur Beschaffung von bis zu 15 kanadischen Fregatten nicht teilnehmen, hat sich die TKMS-Tochter Atlas  Elektronik mit dem Schiffsdesigner Alion Canada zu einer Bietergemeinschaft zusammengetan. Nach Angaben von TKMS geht Atlas Elektronik mit seinem Einsatzführungssystem sowie einem hochmodernen Sonar-Paket ins Rennen.

Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, sind in dem Konsortium neben den beiden genannten Unternehmen auch die niederländische Damen-Werft sowie das deutsche Sensorhaus Hensoldt vertreten. Damen bringt dabei das Design seiner mit vier Einheiten in die niederländische Marine eingeführten De-Zeven-Provincien-Fregatten ein. Das kanadische Verteidigungsministerium hat in der Ausschreibung ein bereits bewährtes Konzept gefordert, um Risiken zu vermindern. Nach Einschätzung von Alion erfüllt das niederländische Design die kanadischen Forderungen, ohne weitere Modifikationen vornehmen zu müssen.

Hensoldt mit TRS-4D-Radar

Hensoldt soll dem Vernehmen nach sein TRS-4D-Radar, wie es auf der F125 und zukünftig auf der MKS180 zum Einsatz kommt, anbieten. Das Unternehmen wollte sich mit Verweis auf den laufenden Tender-Prozess dazu nicht äußern. Damit bleibt die Frage unbeantwortet, welches Feuerleitradar  das Sensorhaus – im Portfolio gibt es augenblicklich kein Serienprodukt – für die kanadischen Fregatten vorgesehen hat.  In den vergangenen Monaten kursierten wiederholt Gerüchte, dass Hensoldt an einer  eigenen Feuerleitlösung arbeitet.

Alion Canada tritt als so genannter Prime-Contractor für das Konsortium auf. Die US-Mutter von Alion fungiert nach eigenen Angaben als Design-Instanz für die US-Lenkwaffenzerstörer der Arleigh-Burke-Klasse sowie der Ticonderoga-Kreuzer. Alion soll Kreisen zufolge womöglich auch eine wichtige Rolle für die zukünftigen Fregatten der US-Navy FFG(X) übernehmen. Das Unternehmen hat auch einen Deutschland-Bezug: Als neuer Partner von German Naval Yards beim MKS180-Projekt, nachdem BAE Systems ausgestiegen ist. Neben den vier Hauptpartnern sind laut Alion im Konsortium auch die Zulieferer L3 Technologies Canada, Raytheon Canada Limited, DRS Technologies Canada Limited (DRS TCL) sowie Rheinmetall Canada Inc.

Gebaut werden sollen die kanadischen Fregatten auf der Werft Irving Shipyards in Halifax, über die auch die Ausschreibung läuft. Kanada strebt dabei offenbar an, bei dem Multi-Milliarden-Vorhaben einen möglichst großen Teil der Wertschöpfung im Land zu halten. Deshalb dürften Firmen, die bereits einen Footprint in Kanada haben,  bei Offset-Fragen einen Vorteil haben.

Arbeiten an Anti-Torpedo-Torpedo

Atlas Elektronik verfügt über eine eigene Niederlassung in der Provinz British Columbia und arbeitet laut einer Meldung von 2016 mit der kanadischen Magellan Aerospace an der Entwicklung eines Anti-Torpedo-Torpedos mit der Bezeichnung SeaSpider. Beobachter gehen davon aus, dass der SeaSpider auf den neuen Fregatten eingerüstet werden soll.

Mit Blick auf das Konsortium ist bemerkenswert, dass sich Damen mit zwei deutschen Lieferanten von Schlüsselkomponenten zusammengetan hat. Denn die Fregatten der niederländischen Marine sind sowohl mit Radaren als auch dem Führungssystem von Thales Nederland ausgerüstet.

Es erstaunt außerdem, dass  TKMS nicht mit dem im Vergleich zu Damen neueren Schiffsentwurf der F-125 in den Wettbewerb eingetreten ist. Allerdings verfügt diese Klasse weder über eine weitreichende Luftabwehrkomponente, noch über ein vertikales Flugkörper-Startsystem. Und auch die U-Jagd-Fähigkeit dürfte bescheiden sein. Wenn es zutrifft, dass Atlas moderne Bug- und Tauchsonare im Rahmen des Projektes anbietet, deutet dies auf die Auslegung der kanadischen Fregatten zur U-Boot-Jagd hin.

Nachdem Ende vergangenen Jahres der Abgabetermin für die erste Bieterrunde abgelaufen ist, soll Medienberichten zufolge neben dem genannten Konsortium ein weiteres um Lockheed Martin und BAE Systems ein Angebot auf Basis der Type-26-Fregatte geschnürt haben – obwohl das Schiff bei der Royal Navy noch nicht im Dienst ist. Darüber hinaus hat sich offenbar mit Navantia und Saab ein weiteres Team gebildet, das mit der spanischen F-105–Klasse punkten will. Ausgeschieden ist den Berichten zufolge das Konsortium von Fincantieri und Naval Group, nachdem die Unternehmen unter Umgehung des offiziellen Ausschreibungsverfahrens ein Angebot direkt ans kanadische Verteidigungsministerium geschickt haben.

Reinhold Robbe vertritt den Bund

Da TKMS nicht am kanadischen Tender-Verfahren teilnimmt, musste Atlas Elektronik vermutlich nicht auf eine Sonderkonstruktion zurückgreifen, die es dem Bremer Sonarspezialisten ermöglicht, im Wettbewerb gegen das eigene Mutterunternehmen anzutreten.  Denn aufgrund von Sicherheitsabkommen mit dem BMVg kann Atlas bei Bedarf separat bieten, ohne TKMS über Details informieren zu müssen. Lediglich der Fakt muss demnach angezeigt werden – aufgrund einer Geheimschutzklausel fließen jedoch keine weiteren Informationen. So liefern die Bremer laut schwedischen Marinekreisen die Sonare für die neuen U-Boote der Klasse A-26. Und diese werden vom TKMS-Rivalen Saab Kockums gebaut.

Die Interessen des Bundes im Aufsichtsrat von Atlas Elektronik vertritt Reinhold Robbe, wie aus einer Bekanntmachung im Bundesanzeiger hervorgeht. Obwohl TKMS im vergangenen Jahr alle Geschäftsanteile an Atlas Elektronik übernommen hat, behalten die Bremer offenbar ein bedeutendes Maß an Autonomie.
lah/18.1.2018

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