US-Unternehmen stellt abstandsaktives Schutzsystem gegen Top-Attack-Wirkmittel vor 

In hohen Winkelgruppen anfliegende Lenkflugkörper, Loitering Munition und FPV-Kampfdrohnen stellen selbst für Gefechtsfahrzeuge, die mit modernen Aktivschutzsystemen ausgestattet sind, eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Denn die Wirkung der Schutzsysteme ist vornehmlich auf die Abwehr von flach anfliegenden Wirkmitteln ausgerichtet.

Mit Sentinal hat das US-Technologieunternehme Artis eigenen Angaben zufolge jüngst ein abstandsaktives Schutzsystem (APS) der dritten Generation vorgestellt. Einem Beitrag zufolge, welcher zu Jahresbeginn auf der Artis-Webseite erschienen ist, soll Sentinal in der Lage sein, Schutz vor Angriffen von der Seite und von oben zu bieten. Das System ist Artis zufolge befähigt, anfliegende Panzerabwehrlenkflugkörper, Panzerabwehrgranaten, Wuchtgeschosse sowie Loitering Munition und Munition tragende Drohnen abzuwehren. „Es handelt sich um ein digital gesteuertes System, das sich schnell auf neue Bedrohungen einstellen kann, die sich auf dem Gefechtsfeld verbreiten, in der Regel mit nur einem Software-Upgrade“, so der Artis-Beitrag.

Dem Beitrag auf der Artis-Webseite zufolge kann Sentinel in jedes beliebige Fahrzeug, unabhängig davon, ob Ketten- oder Radplattform, und in feste Strukturen wie Gebäude und andere Infrastrukturen integriert werden.

Das neue APS ist laut Hersteller modular aufgebaut. Streitkräfte können mittels einer Vorrüstung des A-Kits, welches aus Halterungen und einer Verkabelung besteht, Fahrzeuge für die Aufnahme des Schutzsystems vorbereiten. Werden bestimmte Fahrzeuge in den Einsatz verlegt, kann dann das aus Radarsensoren und Effektoren (Counter-Munition-Modules) bestehende B-Kit auf das einer potenziellen Bedrohung ausgesetzte Fahrzeug „problemlos installiert“ werden. „Das System kann allein oder als Ergänzung zu anderen Fahrzeugschutzsystemen, wie z. B. der Reaktivpanzerung, installiert werden“, so Artis.

Sentinel setzt die Erfahrung früherer Artis-Systeme fort, die das Unternehmen seit 2004 im Rahmen einer DARPA-Studie entwickelt hat. So hat die U.S. Army Mitte der 2010er Jahre das Artis-APS Iron Curtain als potenzielles Schutzsystem für die 8×8-Fahrzeuge Stryker getestet. Schlussendlich hatte sich das US-Heer jedoch gegen die Einführung des APS entschieden. Den damaligen Angaben der Army zufolge sollte Iron Curtain zwar generell imstande sein, Bedrohungen zu identifizieren und abzuwehren, es sei jedoch nicht ausgereift genug gewesen. Ein Befund, der bis vor wenigen Jahren vielen auf dem Markt verfügbaren APS attestiert wurde.

Wie es um den aktuellen Reifegrad von Sentinal bestellt ist, ist aufgrund der derzeit verfügbaren Informationslage noch unklar. Neben der Ankündigung auf der Herstellerseite gibt es nur einige Interviewaussagen des Artis-Geschäftsführers gegenüber dem US-Online-Fachmedium Defense News. Demnach hat Artis das System bereits den US-Streitkräften vorgeführt und zeigt seine Technologie auch unterschiedlichen Herstellern von Gefechtsfahrzeugen, „die von einem aktiven Schutz profitieren könnten“.

wg