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Erster Einsatz für deutsche C-130J – Luftwaffe soll Hilfsgüter über Gaza abwerfen

Waldemar Geiger

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat die Luftwaffe beauftragt, sich an der von Jordanien initiierten Luftbrücke für Gaza zu beteiligen und die humanitäre Hilfe für die Bevölkerung in Gaza durch Lastenabwurf zu unterstützen. Wie das BMVg in einer Mitteilung schreibt, wird der Auftrag durch den deutschen Anteil der binationalen Lufttransportstaffel in Evreux/ Frankreich übernommen, die mit C-130J-Hercules-Transportflugzeugen ausgestattet ist.

Für die C-130J Besatzungen wird die humanitäre Hilfsmission somit zum ersten scharfen Einsatz. Dem BMVg zufolge könnte der Einsatz, an dem sich auch andere Partnernationen wie die USA und Frankreich beteiligen, bereits Ende der Woche begonnen werden.

Zum Einsatz sollen zwei deutsche C-130J Hercules kommen, die jeweils bis zu 18 Tonnen Hilfsgüter pro Flug abwerfen können. „Den Menschen in Gaza fehlt es am Nötigsten. Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, dass sie Zugang zu Nahrung und Medikamenten bekommen“, wird Pistorius in einer Mitteilung des BMVg zitiert. „Zur Wahrheit gehört: Der Abwurf ist nicht ungefährlich. Die dafür vorgesehenen Crews sind für entsprechende Verfahren ausgebildet und sehr erfahren“, so der Minister weiter.

Die Gefahr beim Lastenabwurfverfahren besteht nicht nur für die Flugzeuge und deren Besatzungen, die zum Absetzen der Hilfsgüter mitten über dem Kriegsgebiet fliegen müssen. Auch für die Bevölkerung am Boden besteht Gefahr, wenn die Lastenschirme nicht korrekt aufgehen und die Fracht ungebremst aufschlägt.

Für den Abwurf von Material und Hilfsgütern gibt es mehrere Verfahren, unter anderem das sogenannte Afrika-Verfahren, das 1985 im Einsatz in Äthiopien entwickelt wurde. Beim Afrika-Verfahren werden Lasten aus niedrigster Höhe – praktisch im Tiefstflug – und ohne Lastenschirmen über die Heckrampe abgeworfen.

Die Alternative dazu ist das Absetzen mittels Lastenschirmen. Bei diesem Verfahren werden die mit einem oder mehreren Lastenschirmen versehenen Materialpaletten in mehreren hundert Metern Höhe über die Heckrampe der Flugzeuge abgesetzt. Dabei wird das Schirmpaket über eine im Laderaum befestigte Verbindungsleine ausgelöst und schwebt zu Boden.

Update 16. März 2024

Am 16. März 2024 gegen 11:00 erfolgte der erste Hilfseinsatz der deutschen C-130J, welche von einer gemischten Besatzung geflogen wurde. Im ersten Anlauf wurden nach Angaben der Luftwaffe vier Tonnen Hilfsgüter mittels vier Paletten aus rund 1.000 Metern Höhe abgeworfen.

Hercules-Flotte der Luftwaffe

Bundeswehrwehr-Angaben zufolge kann die C-130J-30 Super Hercules bis zu 128 Personen oder 92 Fallschirmjäger oder acht Frachtpaletten transportieren. Die Besatzung der Maschine besteht aus zwei Piloten und einem Lademeister.

Bei einem maximalen Startgewicht von 74,4 Tonnen kann die C-130J auf Kurzstrecke über 21 Tonnen Nutzlast tragen. Die Reichweite mit 18 Tonnen Nutzlast beträgt nach Angaben der Luftwaffe 4.000 km bzw. 3667 km für die KC-130J. Beide Varianten können zur Reichweitenverlängerung selbst betankt werden. Die maximale Reisegeschwindigkeit wird mit 675 km/h, die Reiseflughöhe 8.230 m angegeben.

Die Tankerversion KC-130J hingegen ist für die Luft-zu-Luft- und für die Bodenbetankung ausgelegt. Das Flugzeug ist in der Lage, Jets und Hubschrauber mit bis zu 2.270 Litern pro Minute mit Sprit zu versorgen.

Die Beschaffung der Hercules-Flotte für die Luftwaffe erfolgte im Zuge des Projektes „Kleine Fläche“, welche die Fähigkeitslücke für den taktischen Lufttransport – insbesondere im Rahmen von Spezialkräfteeinsätzen – bei der Nutzung von Flugplätzen mit geringer Infrastruktur bzw. einfachen unbefestigten Pisten sowie im Bereich der Luftbetankung von Helikoptern schließen sollte, die mit der A400M nicht in diesem Maße abgedeckt werden kann.

Zur Schließung dieser Fähigkeitslücke im taktischen Lufttransport entstand eine Kooperation mit Frankreich. Eine Absichtserklärung zum Aufbau einer gemeinsamen Lufttransportstaffel mit dem Luftfahrzeugmuster C-130J Hercules in Evreux, Frankreich wurde am 15. Februar 2017 zwischen dem deutschen und französischen Verteidigungsministerium unterzeichnet. Deutschland und Frankreich wollten beginnend 2021 insgesamt zehn Flugzeuge dieses Typs von der Évreux-Fauville Air Base in Frankreich aus gemeinsam, inklusive gemeinsamer Cockpitbesatzungen und gemischter Bodenmannschaften, betreiben. Die Indienststellung der gemeinsamen Lufttransportstaffel, welche aus bis zu 260 Soldatinnen und Soldaten beider Nationen besteht, erfolgte Mitte März 2022, mit dem Ziel der vollen Einsatzbereitschaft im Jahr 2024.

Im Rahmen der Kooperation sollte Frankreich vier (zwei C-130J-30 Transportflugzeuge und zwei KC-130J Tankflugzeuge) und Deutschland sechs Maschinen (zwei C-130J-30 Transportflugzeuge und zwei KC-130J Tankflugzeuge) mittels des genannten Foreign Military Sale (FMS) über einen Regierungsgeschäft mit den USA beschaffen. Der Verkauf der sechs Maschinen an die Luftwaffe wurde seitens der US-Regierung im Mai 2018 genehmigt.

Die erste französische C-130J wurde seitens Lockheed Martin am 15. Januar 2018 ausgeliefert. Im Mai 2018 genehmigte das US-Außenministerium den Verkauf von sechs taktischen Transportflugzeugen vom Typ C-130 an die Luftwaffe. Der Erstflug der deutschen C-130J mit der Kennung 55+01 erfolgte am 8. November 2021 am Produktionsstandort von Lockheed Martin in Marietta im US-Bundesstaat Georgia. Die Ankunft der ersten Luftwaffen-C-130J in Évreux erfolgte am 19. Februar 2022.

Die Übergabe der C-130J mit der Kennung 55+02 erfolgte dann Juni 2022, die 55+03 folgte im August 2022 und damit rund ein Jahr früher als geplant.

Der Zulauf des ersten KC130J-Tankflugzeuges mit den Kennungen 55+05 erfolgte Ende Februar 2024. Die Auslieferung der beiden letzten Maschinen soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Waldemar Geiger

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