Durchbruch bei FCAS lässt auf sich warten

Die industrielle Zusammenarbeit beim großen deutsch-französischen Rüstungsprojekt Future Combat Air System (FCAS) scheint weiterhin zu stocken. Selbst die veränderte Bedrohungslage aufgrund des Ukraine-Kriegs hat offenbar zu keinem Fortschritt bei den Verhandlungen zwischen den industriellen Schwergewichten Dassault und Airbus Defence and Space geführt.

So steht weiterhin eine Einigung für das weitere Vorgehen bei der Flugsteuerung sowohl für den Demonstrator des Next Generation Fighters (NGF) als auch eines NGF-Prototypen aus, wie aus Industriekreisen zu vernehmen ist. Auch in einem in dieser Woche vom BMVg erstellten Bericht heißt es Insidern zufolge, dass sich FCAS in einer kritischen Phase befinde und auch das Vorhaben Main Ground Combat System (MGCS) nicht vorankomme. In der vergangenen Woche waren in der französischen Presse Artikel erschienen, in denen von einer Einigung bei der Flugsteuerung für den Demonstrator die Rede war. Dies scheint jedoch offenbar nicht der Fall zu sein. Airbus verlangt dem Vernehmen nach weiterhin, Einblick in diese Flugsteuerung nehmen zu dürfen, wie es im FCAS-Vertrag festgelegt ist. Dagegen wolle Dassault die Flugsteuerung als Black Box behandeln.

Industriekreise diesseits des Rheins gehen davon aus, dass vor den französischen Parlamentswahlen im April voraussichtlich kein  Verhandlungsdurchbruch zu erwarten ist. Dem Vernehmen nach hat auch der französische Flugzeugbauer seine zuvor groß angelegte Teilnahme an der Luftfahrtmesse ILA in Berlin abgesagt. Häufig werden bei derartigen Veranstaltungen Neuigkeiten und Projektfortschritte verkündet.  Beobachter gehen trotzdem davon aus, dass FCAS kommen wird, zumal Bundeskanzler Olaf Scholz bei seiner Regierungserklärung die Bedeutung der deutsch-französischen Kooperation betont hatte. Um das Problem der Flugsteuerung nicht zum Hemmschuh für die Unterschrift unter den Industrievertrag für die insgesamt sieben FCAS-Pillars zu machen, soll es dem Vernehmen nach Diskussionen geben, dieses Thema auszuklammern und auf später zu verschieben.

Mittlerweile kursieren in Berlin auch Gerüchte über die möglichen Kosten für die von der Bundesregierung angekündigte Beschaffung von 35 F-35-Kampfflugzeugen sowie 15 Eurofightern in der Electronic-Warfare-Rolle. So ist aus Parlamentskreisen zu hören, dass dafür etwa 12 Milliarden Euro aus dem 100-Milliarden-Euro- Sondervermögen eingeplant sein sollen, davon 2,5 Milliarden für die Eurofighter. Zum Vergleich: Die Schweiz hat im vergangenen Jahr für die Beschaffung von 36 F-35A inklusive eines Munitionspaketes eine Summe von rund sechs Milliarden Schweizer Franken eingeplant.  Auch wird darüber spekuliert, ob die für den elektronischen Kampf vorgesehenen Eurofighter aus dem Bestand genommen oder neu gebaut werden sollen. Es bleibt abzuwarten, welche dieser Gerüchte sich bis zur Einrichtung des Sondervermögens Anfang Juni als faktenbasiert erweisen.
lah/25.3.2022