Beschaffungsvorhaben offenbar hinter Zeitplan

Beim Beschaffungsvorhaben für ein neues Battle Management System (BMS) des Heeres zur Nutzung bei der NATO-Speerspitze oder VJTF 2023 scheint sich eine mehrwöchige Verspätung eingestellt zu haben. Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, sollen die ausgewählten Anbieter des BMS im ersten Drittel des kommenden Monats zur finalen Angebotsabgabe aufgefordert werden. Gemäß Ausschreibung wollte das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw die Teilnehmer eigentlich am 4. Februar informieren.

Über den Grund für die Verzögerung herrscht Unklarheit. Gerüchten zufolge soll ein Wettbewerber eine Rüge eingereicht haben. Womöglich könnten auch die noch laufenden Haushaltsgespräche und die hohe Belastung des BAAINBw aufgrund der Berater-Affäre eine Rolle spielen. Wie es heißt, wird von den ausgewählten Anbietern dann bis Ende April ein endgültiges Angebot erwartet.

Allgemein rechnen Beobachter damit, dass lediglich drei Anbieter zum Zuge kommen und ihre Lösungen bereits ab dem 2. Quartal bei der neu aufgestellten Test- und Versuchseinheit des Heeres in Munster auf Herz und Nieren geprüft werden. Unbestätigt ist die Zahl der Firmen, die gegenwärtig noch im  Rennen sind. Es könnte sich womöglich um bis zu zehn handeln.

In der Vergangenheit waren als potenzielle Bieter, die über die Voraussetzungen für eine Teilnahme verfügen, Unternehmen wie Rheinmetall, Systematic, Thales, ESG sowie Airbus Defence and Space gehandelt worden. Auch israelische Firmen – wie die zu Elbit gehörende Telefunken Racoms – gelten als technologisch kompetent und haben den deutschen Markt im Blick.  Mitunter entscheiden sich Unternehmen, an einem Teilnahmewettbewerb teilzunehmen, um über die Ausschreibungsanforderungen bessere Kenntnis der Bedürfnisse der Bundeswehr zu erhalten. Dem Vernehmen sollen auch Firmen über gemeinschaftliche Angebote für die BMS-Ausschreibung diskutiert und auch abgegeben haben.

Bei der Ausschreibung  geht es darum, eine neue am Markt erhältliche Führungssoftware auf den alten für den Sprechfunk entwickelten Funkgeräten der Bundeswehr –  die mittels zusätzlichen Com-Servern auch Daten übertragen können –  zu implementieren. Mit dieser Lösung soll das gegenwärtig verwendete Führungsinformationssystem Heer ersetzt werden. Damit dürfte der KMW-Tochter ATM als  Hersteller der Com-Server eine wichtige Rolle und womöglich neue Aufträge zukommen. Denn dem Vernehmen nach verfügen noch nicht alle Fahrzeuge über einen eigenen Server.

Die Bundeswehr will zunächst rund 3.000 Instanzen bestellen, weitere Order sind jedoch nicht ausgeschlossen. Denn die Planer wollen nach Möglichkeit das neue BMS nicht nur als Insellösung für die VJTF 2023 nutzen, sondern auch im Rahmen der Digitalisierung landbasierter Operationen (D-LBO) verwenden. Über das Potenzial der neuen BMS werden die Tests in Munster neue Informationen liefern. Schon von Beginn an galt das Zeitkorsett zu für die BMS-Ausschreibung als sehr eng. Was die augenblickliche Verzögerung für das Projekt bedeutet, bleibt abzuwarten.
lah/8.1.2018