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Beschaffung neuer Tanker eingeleitet

Nach monatelanger Verzögerung hat das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw den Prozess zum Erwerb neuer Marinetanker angestoßen. Gut informierten Kreisen zufolge wurden vor wenigen Tagen mehrere deutsche Werften direkt zu Interessenbekundungen aufgefordert. Die Marine muss ihre aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammenden Einhüllentanker  dringend austauschen. Da der Überwasser-Marineschiffbau mittlerweile als nationale Schlüsseltechnologie eingestuft wurde, ist für die Beschaffung neuer Tanker keine europäische Ausschreibung mehr erforderlich.

Den Kreisen zufolge ist auch denkbar, dass bislang in erster Linie auf den zivilen Schiffbau fokussierte Unternehmen zum Zuge kommen könnten.  Voraussetzung wäre vermutlich, dass diese mit einer Marinewerft kooperieren, die sich um die Integration der militärischen Komponenten in die Tankschiffe kümmert. Aufgrund der Corona-Pandemie stehen insbesondere Hersteller von Kreuzfahrtschiffen vor wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Nachfrage nach diesem Schiffstyp ist massiv eingebrochen. So befindet sich etwa Deutschlands bedeutendster Player in dem Segment – die Meyer Werft in Papenburg – bereits in der Krise. Das Unternehmen würde jedoch über ausreichend große Dockkapazitäten für den Bau neuer Tanker verfügen.

Beobachter vermuten, dass German Naval Yards Kiel (GNYK) im Falle einer Teilnahme am Wettbewerb für die  Tanker-Beschaffung unabhängig von der Lürssen-Gruppe agieren könnte.  Beide Unternehmen hatten kürzlich angekündigt, ihre Marinesparten unter der Führung von Lürssen zusammenzulegen. Zuvor hatten beide Firmen die Streitigkeiten zur Vergabe der F126 – bis vor kurzem noch als MKS 180 bezeichnet – beigelegt. Offenbar ist der Due-Diligence-Prozess noch nicht abgeschlossen.

GNYK war in der vergangenen Woche in die Schlagzeilen geraten, weil ein vom Unternehmen gebautes integriertes Marineeinsatz-Rettungszentrum (iMerz) angeblich nicht auf den Einsatzgruppenversorger Frankfurt am Main passen soll. Dem Vernehmen nach hat GNYK die Auslieferung des iMerz aufgrund von festgestellten Qualitätsmängeln tatsächlich verworfen und will auf eigene Kosten ein neues Rettungszentrum bauen. Dieses soll dann offenbar in der unmittelbar bevorstehenden großen Werftliegezeit des Schiffes an Bord installiert werden.

Nachdem nun der lange erwartete Beschaffungsprozess für die Marinetanker gestartet wurde, kann sich das BAAINBw dem nächsten Schiffbauvorhaben zuwenden. So sollen die betagten Flottendienstboote durch moderne Einheiten ersetzt werden. Dem Vernehmen nach könnte hier womöglich bis Anfang kommenden Jahres eine Ausschreibung erfolgen.
lah/1.7.2010