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Zahlreiche Bewerber bei Netztechnik und BMS erwartet

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Noch kurz vor Weihnachten hat das  Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw zwei Ausschreibungen für die Digitalisierung der Streitkräfte auf den Weg gebracht. Zum einen geht es um die Beschaffung zellulare verlegefähiger Netze als Bestandteil der Digitalisierung landbasierter Operationen (D-LBO),  zum anderen wurde das Battle Management System (BMS) für die VJTF(Land) 2023 ausgeschrieben.

Wie es in der Ausschreibung für die zellularen Netze heißt, wird auf Basis des Programms D-LBO für den Anteil „Zellulare Netze Verlegefähig“ (ZNV) ein Nachfolgesystem für das in die Bundeswehr eingeführte Bündelfunksystem TETRAPOL Bw gesucht.
Bei ZNV handelt es sich um ein zellulares Funksystem, das Sprach- und Schmalbanddatenübertragung über den Bündelfunkstandard „Terrestrial Trunked Radio“ (TETRA) abwickelt. Die breitbandige Datenübertragung erfolgt über den Mobilfunkstandard „Long Term Evolution“ (LTE). Der TETRA-Standard soll zusätzlich die Einbindung in das Netz der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), die bereits ein flächendeckendes TETRA-Netz in Deutschland nutzen, ermöglichen.

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Wie es in der Ausschreibung weiter heißt, ist zum einen eine Containerlösung (ZNV C, 40 St.) für den verlegefähigen Betrieb vorgesehen, in dem die Netzinfrastruktur inklusive der Arbeitsplätze für die Administratoren, die Versorgungstechnik, das Antennensystem, die 5 verschiedenen Endgeräte  sowie das Zubehör in 20-Fuß-ISO-Containern  zu integrieren sind. Die Funkgeräte, Stromerzeugeraggregate und PTT-Tasten sollen vom Auftraggeber aus dem „Kaufhaus des Bundes“ beschafft und beigestellt werden.

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Zum anderen ist laut Ausschreibung die Realisierung einer Betriebs-, Transport- und Lagerbehälter-Lösung (ZNV B, 80 Stück) für schnellere Operationen oder Erstbefähigungen vorgesehen. Hierin sind Netzinfrastruktur und die Versorgungstechnik zu integrieren. Teil des Systems ist ebenfalls eine Vielzahl von Funkgeräten.

Das System soll es den Soldaten ermöglichen,  wie mit einem Handy oder Smartphone sicher auf dem Gefechtsfeld zu kommunizieren.
Der Anteil luftgestützte Reichweitenerhöhung soll als Option zum Hauptangebot angeboten werden. Im Augenblick scheint es vor allem darum zu gehen, bewegliche Truppenteile – etwa bei Konvoifahrten – mit einem mobilen Netz zu versorgen. Dabei werden im Gegensatz zum klassischen TETRAPOL-System Sendestationen auf Landfahrzeugen installiert, um die Truppe zu begleiten.

Zugelassen werden für den Wettbewerb nur Unternehmen mit einem jährlichen Mindestumsatz von 100 Mio EUR. Insider gehen davon aus, dass das Finanzvolumen für die Beschaffung der verlegbaren Netze bei über 200 Mio EUR liegt. Der Schlusstermin für den Eingang der Teilnahmeanträge ist auf den 24. Januar festgesetzt. Die Zur Teilnahme ausgewählten Bewerber werden am 14. Februar darüber informiert.

Es wird damit gerechnet, dass sich mehrere Unternehmen auf die Ausschreibung bewerben werden. Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, wird Airbus Defence and Space ein Angebot abgeben. Nicht zuletzt, weil das Unternehmen bereits das eingeführte Tetrapol-System geliefert hat und die technischen Anforderungen ohne Partner erfüllen kann. Darüber hinaus könnten womöglich auch die französische Thales oder Elbit aus Israel Interesse bekunden. Technische Fähigkeiten in dem Bereich weisen auch Unternehmen wie Motorola auf. Wie es jedoch zuletzt aus Branchenkreisen hieß, sieht Thales im Augenblick von einer Teilnahme ab.

Beim Battle Management System zählt der Preis

Beim Battle Management System liegt der  Fokus „auf der Beschaffung einer als Framework geeigneten Produktsuite, der Anbindung und Ablösung der ersten COI Specific Services, der Integration der Software auf die vorhandenen Funkgeräte- und
Führungsausstattungen und der Lieferung von Beiträgen zur
Serviceentwicklung MESBw“, wie es in der Ausschreibung heißt. Konkret geht es darum, eine neue am Markt erhältliche Führungssoftware auf den alten für den Sprechfunk entwickelten Funkgeräten der Bundeswehr –  die mittels zusätzlichen Com-Servern auch Daten übertragen können –  zu implementieren. Damit soll das Führungsinformationssystem Heer ersetzt werden.

Geordert werden sollen zunächst rund 3.000 Instanzen. In der Ausschreibung heißt es weiter: „Eine spätere Ausdehnung auf der mobilen Ebene der Bundeswehr ist angedacht, aber nicht abschließend ermittelbar. Rechtlich ausgestaltet soll die Beschaffung deshalb über die Einräumung einer Unternehmenslizenz werden, um eine Stückzahl unabhängige Flexibilität zu erhalten.“

Vergeben werden soll der Vertrag an den Anbieter mit dem niedrigsten Preis. Der Vertrag soll laut Plan am 17. Januar 2020 starten und bis zum 6. August 2021 laufen – die Zeit drängt also. Interessierte Teilnehmer müssen deshalb  bis zum 16. Januar ihre Angebote einreichen. Am 4. Februar will das BAAINBw die ausgewählten Bewerber über ihre Teilnahme informieren.

Als potenzielle Bieter, die über die Voraussetzungen für eine Teilnahme verfügen, werden die dänische Firma Systematic, die ESG, Thales, Rheinmetall sowie möglicherweise auch israelische Unternehmen genannt. Insidern zufolge gilt als sicher, dass Airbus Defence and Space ein Angebot abgeben wird. Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, wird sich Thales dagegen nicht am Wettbewerb beteiligen. Einige Branchenkenner wollen aus der Ausschreibung zudem herausgelesen haben, dass die aufgestellten Forderungen insbesondere Systematic mit ihrer Software Sitaware entgegenkommen.

Beobachter erwarten mit Spannung, wie die am Wettbewerb teilnehmenden Unternehmen die Forderungen nach dem so genannten Blue-Force-Tracking und der NATO-Kompatibilität erfüllen. Dabei geht es schließlich auch um Fragen der Sicherheit und der Zertifizierung nach BSI.

Die Lösungen der Anbieter sollen dem Vernehmen nach noch in diesem Jahr  in Feldversuchen beim neu aufgestellten Test- und Versuchsverband für die Digitalisierung auf ihre Praxistauglichkeit untersucht werden. Eine Herausforderung für die Hersteller wird dabei sein, wie sie mit dem Problem der weiterhin begrenzten Bandbreiten umgehen.

Sollten die Testergebnisse zufriedenstellend für die Truppe  sein, könnten sich aus der Beschaffung des BMS womöglich bereits Vorfestlegungen für die D-LBO ergeben. Und das, obwohl für die VJTF  2023 noch keine digitalen Funkgeräte genutzt werden. Ob ein solches Vorgehen für die zukünftige System-Architektur der D-LBO zielführend ist, wird von Beobachtern kritisch gesehen. Allerdings muss es ja nicht so kommen. Denn  im Augenblick kann niemand voraussagen, ob die angestrebte Lösung, neue Software mit alter Hardware zu verheiraten, die Prüfung auf dem (Versuchs-)Gefechtsfeld bestehen wird.
lah/8.1.2018