Kongsberg hat Vertrag mit BAAINBw unterschrieben

Der norwegische Rüstungskonzern Kongsberg Defence & Aerospace AS hat nach eigenen Angaben einen Vertrag mit dem Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw zur Lieferung von Remote Weapon Stations (RWS)  zur Abwehr von Drohnenangriffen unterschrieben. Wie das Unternehmen in einer Mitteilung weiter schreibt, basiert das System auf der Remote Weapon Station Protector von Kongsberg. Der Auftragswert belaufe sich auf 250 Mio NOK.

Das Deutsche Heer will für die VJTF 2023 insgesamt zehn dieser Systeme im Rahmen des Aufbaus der so genannten qualifizierten Fliegerabwehr beschaffen, was offenbar durch den Vertrag abgebildet wird. Mit dieser Fliegerabwehr-Fähigkeit wollen die deutschen Landstreitkräfte kleine Drohnen und Drohnenschwärme im Nahbereich bekämpfen.

Kongsberg war – wie vergangene Woche berichtet – als Sieger aus einem internationalen Bieterverfahren hervorgegangen, bei dem Rheinmetall und Partnerunternehmen ebenfalls teilgenommen hatten.

Nach Angaben des norwegischen Herstellers verfügt der Protector RWS Counter-Unmanned Aerial Systems (C-UAS) über eine schnelle Einsatz- und Reaktionszeit und sei sehr flexibel einsetzbar. Verwendet wird für die deutsche Lösung eine 40mm-Granatmaschinenwaffe von Heckler&Koch mit Airburst-Munition. Nach Angaben von Kongsberg kann die Waffenstation mittels Ergänzungs-Kits auch mit anderen Waffen bestückt werden – darunter ein .50 MG sowie eine Gatling-Kanone im Kaliber 7,62 mm. Gerade letztere könnte aufgrund ihrer hohen Schussfolge und günstigen Munition womöglich für die Bekämpfung von Drohnen eine Alternative darstellen.

Für das deutsche Vorhaben der qualifizierten Fliegerabwehr hat Kongsberg nach eigenen Angaben eng mit dem hiesigen Sensor-Hersteller Hensoldt zusammengearbeitet. Dabei wurde das Spexer-Radar der dritten Generation von Hensoldt für Drohnen-Detektion und –Verfolgung in das Abwehrsystem integriert.  Hensoldt fungiere als Unterauftragnehmer.

Gut informierten Kreisen zufolge deckt die Kongsberg-Lösung einen Bereich von 120 Grad ab. Bei den Vergleichsschießen soll dem Vernehmen nach zunächst ein Abdeckungsgrad von 360 Grad gefordert worden sein, dieses Requirement wurde aber offenbar später zurückgenommen.

Deutschland sei das 22. Land, das Kongsbergs Protector RWS auswählt habe, schreibt das Unternehmen. Bislang seien  20.000 Systeme an Kunden rund um den Globus geliefert worden.

Nachdem nun das norwegische Unternehmen nach einigen Verzögerungen als Lieferant der Waffen- und Sensorlösung ausgewählt wurde, steht die nächste Herausforderung  bevor: Die Integration des Systems in den Transportpanzer Boxer. Dazu dürfte lediglich das Boxer-Joint-Venture Artec in der Lage sein. Gerüchten zufolge hat das Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KMW allerdings bis vor kurzem noch keinen entsprechenden Auftrag erhalten. In Fachkreisen gilt es deshalb als ambitioniert, bis Ende kommenden Jahres vollständig ausgestattete und zertifizierte Fahrzeuge an die Truppe zu übergeben.

Kongsberg freut sich nach eigenen Angaben über eine langfristige Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Das Unternehmen dürfte sich jetzt gute Chancen ausrechnen können, falls die Bundeswehr Waffenstationen für geschützte Transportfahrzeuge beschaffen sollte.
lah/12/4.12.2019