Hensoldt erwirbt ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH

Die Hensoldt-Gruppe hat heute die Unterzeichnung einer endgültigen Vereinbarung zur Übernahme der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, von einem Investmentvehikel, das von der Armira Beteiligungen GmbH & Co. KG verwaltet wird, bekanntgegeben. Die ESG ist ein führender plattform- und herstellerunabhängiger Systemintegrator sowie etablierter Technologie- und Innovationspartner für Verteidigung und Sicherheit. Mit der Übernahme des komplementären Wehrtechnikgeschäfts der ESG erweitere Hensoldt sein Geschäft um Design- und Systemintegrationsfähigkeiten, schreibt der Sensor-Spezialist in einer Mitteilung.

Wie es in der Mitteilung weiter heißt, erwirbt Hensoldt 100 Prozent der ESG für einen Unternehmenswert von 675 Millionen Euro zuzüglich eines Earn-Out von bis zu 55 Millionen Euro basierend auf spezifischen Leistungszielen bis zum 31. Dezember 2024. Das Sensorhaus erwartet jährliche Kostensynergien in Höhe von 19 Millionen Euro sowie Umsatzsynergien aus dem Cross-Selling und der gemeinsamen Positionierung für zukünftige Pipeline-Chancen.

Hensoldt beabsichtigt nach eigenen Angaben, die Akquisition durch eine Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital von bis zu 10 Prozent des derzeitigen Grundkapitals sowie durch neues Fremdkapital in Höhe von circa 450 Millionen Euro zu finanzieren. Die Bundesrepublik Deutschland, mittelbar handelnd durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die 25,1 Prozent der Anteile an Hensoldt hält, beabsichtige, sich an der möglichen Kapitalerhöhung im Verhältnis ihrer Beteiligungsquote zu beteiligen. Wie es aus Bundestagskreisen heißt, sind dafür bei Bedarf mehr als 100 Millionen Euro eingeplant. Die Übernahme wird Hensoldt zufolge auch vom zweiten Hauptaktionär, der Leonardo S.p.A., voll unterstützt.

Vollständige Übernahme im ersten Halbjahr 2024

Wie das Unternehmen weiter ausführt, wird erwartet, dass die Übernahme im ersten Halbjahr 2024 abgeschlossen sein wird, vorbehaltlich bestimmter Bedingungen, einschließlich der Erteilung der erforderlichen behördlichen Genehmigungen.

„Die Übernahme der ESG passt hervorragend in unsere Gesamtstrategie und beschleunigt die Entwicklung von Hensoldt als Lösungsanbieter für Verteidigung und Sicherheit. Durch die Kombination der sich hervorragend ergänzenden Fähigkeiten von Hensoldt und ESG machen wir einen entscheidenden Schritt hin zu einem führenden europäischen Anbieter von nahtlos integrierten Lösungen“, wird Thomas Müller, CEO der Hensoldt-Gruppe, in der Mitteilung zitiert.

Nach Aussage von Christian Ladurner, CFO der Hensoldt-Gruppe, weist die ESG ein starkes Wachstum und eine hohe Cash Conversion auf, da das Geschäftsmodell wenig Investitionen erfordere. „Wir haben erhebliche Kosten- und Umsatzsynergien identifiziert, die zu einer attraktiven Wertschöpfung führen werden, während wir unsere Disziplin bei der Kapitalallokation und dem Nettoverschuldungsgrad beibehalten“, so Ladurner.

Die 1967 gegründete ESG ist ein plattform- und erstellerunabhängiger Systemintegrator und Technologie- und Innovationspartner für Verteidigung und öffentliche Sicherheit. Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt in Deutschland. Die ESG entwickelt, integriert, betreut und betreibt komplexe, sicherheitsrelevante Elektronik- und IT-Systeme für die Bereiche Sicherheit und Verteidigung. Das Unternehmen bedient die Verteidigungs- und Sicherheitsbedürfnisse von deutschen und ausländischen Streitkräften, Behörden und Unternehmen.

Die ESG spielt laut Mitteilung eine entscheidende Rolle bei wichtigen aktuellen und zukünftigen Programmen wie FCAS („Future Combat Air System“) und F-35. Heute beschäftige das Unternehmen 1.380 Mitarbeiter in Deutschland, den Niederlanden und den USA.

Umsatz bei rund 330 Millionen Euro

Für das Jahr 2023 werde nach IFRS ein Umsatz von rund 330 Millionen Euro erwartet, so Hensoldt. Ergänzt durch das Lösungsportfolio der ESG will Hensoldt in die Lage versetzt werden, das Wissen über die ConOps („Concept of Operations“) der Kunden, Zertifizierungen und technisches Know-how zu kombinieren, um intelligentere Lösungen schneller zu entwickeln, insbesondere die Digitalisierung des Gefechtsfeldes und die Entwicklung integrierter Netzwerklösungen.

Mögliche Beispiele seien Bereiche wie bodengestützte Luftverteidigung, Signalaufklärung, Führungssysteme sowie fortschrittliche Lösungen in verschiedenen Luft- und Marinekampagnen. Darüber hinaus ergeben sich laut Hensoldt neue Möglichkeiten im Bereich der Dienstleistungen für den Lebenszyklus von Plattformen, die das Angebot von Hensoldt in den Bereichen Training, Logistik und Wartung für eigene und fremde installierte Systeme vertiefen. Schließlich werde das fusionierte Unternehmen auch ein starker Partner für die Unterstützung von Systemen sein, die in den USA und Israel beschafft werden, und die langfristige Systemunterstützung und -weiterentwicklung in Deutschland sicherstellen.
lah/12/5.12.2023