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Diehl und Northrop Grumman untersuchen Integration von Iris-T SLM in US-Feuerleitlösung IBCS

Der deutsche Luftverteidigungsspezialist Diehl Defence hat heute eine Absichtserklärung mit dem US-Rüstungskonzern Northrop Grumman (NG) unterzeichnet, die unter anderem eine Studie zur Integrationsfähigkeit des bodengebundenen Luftverteidigungssystems IRIS-T SLM von Diehl Defence in das Integrated Battle Command Systems (IBCS) von Northrop Grumman vorsieht. Beide Partner vereinbarten, bei der Prüfung möglicher gemeinsamer Anwendungsfälle von Iris-T SLM und IBCS in Deutschland sowie in anderen europäischen Ländern, zusammenzuarbeiten. Nach Angaben von Northrop Grumman könnten womöglich erste Ergebnisse der Studie Ende dieses oder Anfang des kommenden Jahres vorliegen.

IBCS wird gegenwärtig als Führungssystem für die Patriot-Luftverteidigungssysteme in die U.S. Army eingeführt. Laut Hersteller kann es Sensoren und Effektoren unterschiedlicher Herkunft in einem Führungssystem verbinden, um ein echtes integriertes Netzwerk zu schaffen und den Datenaustausch von Feuerleitdaten zwischen allen verfügbaren Elementen auf dem Gefechtsfeld zu ermöglichen.

Wie Jon G. Ferko, Senior Director Mission Solutions & Strategy bei Northrop Grumman, heute während einer Präsentation in Berlin erläuterte, wird mit IBCS im Rahmen einer All Domain Operation ein echtes „Battlespace“ geschaffen, in dem Daten auch von Luftwaffe, Marine, Weltraumkräften und verbündeten Streitkräften zusammenfließen. Aufgrund des umfassenden Lagebildes sei es möglich, den Kommandeuren optimierte Empfehlungen für den Einsatz der Luftverteidigungskräfte zu geben. Die klassische Luftverteidigung, die sich nur auf Schutzglocken über wichtigen Objekten oder der Truppe im Einsatz konzentriere, werde damit obsolet.  

Da die U.S. Army nach Angaben von Ferko die bisher von Raytheon gelieferte Feuerleitsoftware für Patriot nicht mehr unterstützen wird, geht der Manager davon aus, dass in Zukunft weitere Patriot-Nutzernationen IBCS beschaffen werden. Man sei neben Deutschland unter anderem in Gesprächen mit den Niederlanden, Schweden, der Schweiz und Japan. Bereits verkauft wurde IBCS nach Polen, dem ersten ausländischen Anwender. Dort wird das C2-System sowohl für die Patriot-Einheiten als auch im Luftverteidigungsprojekt kurzer Reichweite mit der Bezeichnung „Narew“ eingesetzt. Laut Ferko ist die genaue Konfiguration des Systems variabel und hängt von den Kundenwünschen ab.

Nach Einschätzung von Diehl böte die Integration von IBCS in GBAD-Systeme des deutschen Unternehmens den europäischen Nutzern Kompatibilität mit weiteren bodengebundenen Luftverteidigungssystemen. Die Nutzung von IBCS würde auch die European Sky Shield Initiative (ESSI) unterstützen, da die Interoperabilität zwischen den unterschiedlichen Fähigkeiten der verschiedenen Nationen verbessert werde, so Diehl.

Wie Dr. Mike Foust, Chief Architect für IAMD and Multi-Domain C2 bei Northrop Grumman, bei der Veranstaltung in Berlin erläuterte, hat sein Unternehmen bereits die Einbindung des von Saab hergestellten Giraffe-Radars sowie des MBDA-Flugkörpers CAMM-ER in IBCS getestet. CAMM-ER ist in Polen als Effektor für den Nahbereich vorgesehen. Um Radare weiterer Hersteller einzubinden, werde eine Übersetzungs-Software am Effektor genutzt, der die gewonnen Daten in für die Nutzung im IBCS-Netzwerk transkribiere, erläuterte Foust. Er geht davon aus, dass dies auch beim Hensoldt-Radar TRML-4D möglich ist, das beim Luftverteidigungssystem Iris-T SLM eingesetzt wird.

Da IBCS ein IP-basiertes Netzwerk bilde, sei es agnostisch hinsichtlich der Datenübertragung. Es könne mit allen Funkgeräten und Satellitenkommunikationsbindungen betrieben werden, betonte der Chef-Entwickler. Dabei werde ständig berechnet, welche Bandbreiten zur Verfügung stehen und über welchen Kanal Daten am besten übertragen werden können.

Foust zufolge hat sein Unternehmen auch bereits die Anbindung von IBCS and das Aegis-System der U.S. Navy untersucht, die für die Luftverteidigung der US-Schiffe genutzte Führungssoftware von Lockheed Martin. Er geht davon aus, dass auch mit den C2-Systemen der deutschen Luftwaffe, SAMOC und IBMS, eine Anbindung möglich wäre. Letzteres ist als Führungssystem für das Projekt Nah- und Nächstbereichsschutz (NNbS) vorgesehen.

Betrachtet wird auch die Anbindung an das ebenfalls von Northrop Grumman entwickelte SHORAD-Führungssystem FAAD C2 (Forward Area Air Defense), das in den US-Streitkräften für C-RAM eingesetzt wird, und bei den drei baltischen Staaten eingeführt ist. Hier ergibt sich offenbar eine weitere Schnittstelle zwischen Diehl und dem US-Konzern. Denn Estland und Lettland sind Kunden von Iris-T SLM und müssen diese Systeme damit in FAAD C2 einbinden.

Torsten Cook, Senior Vice President des Produktbereichs bodengebundene Luftverteidigung bei Diehl Defence und Rebecca Torzone, Vice President und General Manager Global Battle Management and Readiness Division von Northrop Grumman, unterschrieben heute in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tors die Absichtserklärung.

„Der heutige Tag stellt einen entscheidenden Moment in unserem Vorhaben dar, die Verteidigungsfähigkeiten gemeinsam mit der deutschen Industrie voranzubringen“, sagte Torzone. „Durch den Zusammenschluss mit Diehl Defence begeben wir uns auf eine gemeinsame Reise, um die Zukunft der integrierten Luftverteidigung zu gestalten.“

Cook betonte, dass die Partnerschaft den Kunden von Iris-T SLM neue Möglichkeiten biete, die Interoperabilität verbessere und damit den Gefechtswert der eingesetzten Systeme steigere.
lah

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