Beschaffer haben offenbar finale Entscheidung gefällt

Das sich nun schon seit Jahren hinschleppende Verfahren zur Beschaffung von sieben Helikoptern als Leichte Unterstützungshubschrauber Search and Rescue (LUH SAR) für die Bundeswehr scheint zu einem Abschluss gekommen zu sein. Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, hat der Flugzeugbauer Airbus mit dem Helikopter H145 den Zuschlag erhalten.

Nach juristischem Tauziehen – Airbus Helicopters akzeptierte eine vorherige Entscheidung des Auftraggebers nicht  – hatte die Vergabekammer des Bundes das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw Anfang des Jahres  zur partiellen Neuformulierung der Angebotsaufforderung verpflichtet. Nach der erneuten Angebotsabgabe soll nunmehr Airbus das Verfahren für sich entschieden haben.  Insidern zufolge will der unterlegene Anbieter Bell Helicopters das Ergebnis akzeptieren und keine weiteren juristischen Schritte einleiten.

Als die beiden einzigen Anbieter  in der Endausscheidung  für den SAR-Auftrag waren die Hersteller Airbus mit dem H145M sowie Bell mit dem Modell Bell 429 verblieben. Bell war dabei zusammen mit der ADAC Luftfahrttechnik angetreten. Diese ADAC-Tochtergesellschaft hat sich auf Wartung und Reparatur von Hubschraubern für Rettungsdienste und Polizei spezialisiert und vergangenes Jahr auch die Ausschreibung für die Bereitstellung von fünf Trainingshubschraubern für das Bundeswehr-Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg gewonnen.

Dem Vernehmen nach hat Airbus mit einer deutlich abgespeckten Variante der H145M –  quasi einer M light –  das Rennen gemacht. Diese Variante verfügt  beispielsweise nicht über Panzerschutz oder Bewaffnung, sondern lediglich über die für die militärische Kommunikation erforderlichen Funkgeräte. Der Buchstabe M steht für die militärische Variante. Die Kosten für eine solche Maschine dürften damit deutlich unter denen einer H145M liegen, von denen 15 für die Spezialkräfte der Bundeswehr beschafft wurden.

Das Heer als Betreiber des SAR-Dienstes über Land wird die Entscheidung vermutlich begrüßen, da man auf Modelleinheitlichkeit und die damit verbundenen Synergieeffekte bei Logistik und Ausbildung setzt. Wie es heißt, plant die Bundeswehr im Rahmen einer Gesamtschau Hubschrauber langfristig zusätzliche H145M zu beschaffen. Es kursieren Zahlen, wonach langfristig ein Bedarf von etwa  80 Maschinen besteht. So könnten  beispielsweise zusätzlich zum mit dem Tiger ausgestatteten Kampfhubschrauberregiment mehrere  Dutzend H145M mit ähnlichen Aufgaben betraut werden.

Airbus arbeitet gegenwärtig an der Integration von Rohrwaffen und Lenkflugkörpern in den Helikopter. Insbesondere wenn das vom Heer im Rahmen der Digitalisierung  von  Landoperationen verfolgte Konzept der Bekämpfung „non line of sight“ zum Tragen kommen sollte, wäre der H145 womöglich eine geeignete Trägerplattform. Versuche in diesem Spektrum sind offenbar in Planung. Außerdem gibt es Überlegungen bei der Ausbildung in Bückeburg gänzlich vom H135 auf denH145 umzusteigen, was ebenfalls einen erheblichen Bedarf zur Folge hätte. Hier dürften Anfang der kommenden Dekade die Würfel fallen.

Durch den Rechtsstreit hat sich die Beschaffung der SAR-Hubschrauber um etwa anderthalb Jahre verzögert. Bis die neuen Hubschrauber zulaufen, müssen die altersschwachen Bell UH-1D weiter fliegen.
lah/9.10.2018