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Schnelle Digitalisierung der Kommunikationstechnik nötig

Der Inspekteur des Heeres, General Jörg Vollmer, drängt auf eine möglichst rasche Modernisierung der bestehenden Informations- und Kommunikationssysteme der Landstreitkräfte. Wie er am Mittwoch auf der 31. AFCEA-Fachausstellung in Bonn weiter ausführte, bildet die damit verbundene Verbesserung der Führungsfähigkeit einen Schlüsselfaktor für die Überlegenheit der Bundeswehr auf dem Gefechtsfeld.

Auf taktischer Ebene werde die digitale Transformation der Landstreitkräfte durch die Einführung der „Mobilen Taktischen Kommunikation“ MoTaKo für die Informationsübertragung und für die mobile taktische Informationsverarbeitung  mit MoTIV (Mobiler Taktischer Informationsverbund) erfolgen, sagte der Inspekteur und betonte:  „Motako und seine schnelle Einführung ist alternativlos.“

Er wies darauf hin, dass ab 2025 rund 90.000 in der Verwendung befindliche Funkgeräte wegen Überalterung abgeschaltet werden müssen. Bereits heute könne man nicht mit anderen NATO-Partnern, wie etwa Norwegen im Einsatz kommunizieren, weil diese bereits Software Defined Radios nutzen, die mit den veralteten deutschen Geräten nicht kompatibel sind.

Auch aus diesem Grund setze sich das Heer  „für  eine konsequente Digitalisierung“  der Systeme ein. Denn nur so könne man von der Geschwindigkeit der technologischen Weiterentwicklung profitieren.

Heer will Brigade für Tests bereitstellen

Vollmer forderte, dass die Aufstellung des neuen Cyber-Kommandos CIR nicht zu Verzögerungen oder gar einem zeitweisen Stopp der Modernisierungsbemühungen führen dürfe. So sollte seiner Meinung nach keine erneute Bestandsaufnahme der bestehenden Strukturen stattfinden, die womöglich das Projekt um Jahre zurückwerfe. Der laufende Prozess muss seiner Meinung nach fortgesetzt werden.

Das Heer werde bei der Einführung von MoTaKo und MoTIV einen Großverband als „Testbed und Muster“ zur Verfügung stellen, kündigte Vollmer an. „Wir werden einen Großverband zusammenstellen, auf Brigadeebene“, erläuterte er auf Nachfrage. Man könne sofort mit dem Test beginnen. Er räumte jedoch ein, dass zunächst ein oder mehrere Systemintegratoren ausgewählt werden müssen, die das Projekt umsetzen. Öffentlichkeitswirksam positioniert haben sich in diesem Zusammenhang bereits Rheinmetall und Rohde & Schwarz. Beide Unternehmen wollen ein  Joint Venture gründen, das sich um den Milliarden-Auftrag als Generalunternehmer bewerben soll. Weitere Partner in dem Joint Venture sind willkommen.

SVFuA soll demnächst ins Parlament

Als erster Schritt zur Umsetzung von MoTaKo kann die unmittelbar bevorstehende Einrüstung von 50 Systemen der „Streitkräftegemeinsamen, verbundfähigen Funkgeräteausstattung“ (SVFuA) in die Plattformen Boxer und Puma gesehen werden. Bei SVFuA  handelt es sich um ein von Rohde & Schwarz entwickeltes  Funkgerät für die taktische Kommunikation aus Fahrzeugen, das Sprache und Daten unter hoher Geheimhaltungsstufe digital übertragen kann. Laut jüngstem Bericht zum Rüstungswesen soll die parlamentarische 25-Mio-EUR-Vorlage noch im zweiten Quartal dieses Jahres an den Haushaltsausschuss gehen.

Mit SVFuA stehe ein erstes Teilsystem für die Mobile Taktische Kommunikation zur Verfügung, heißt es in dem Bericht. „Bei der Realisierung von MoTaKo soll die Beschaffung weiterer SVFuA als eine Lösungsoption zum Schließen der Fähigkeitslücke beim MoTaKo-Anteil „Truppenfunk“ betrachtet werden.“  Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, sind die genauen Spezifikationen für MoTaKo und Motiv allerdings noch nicht endgültig festgelegt.  Für MoTaKo liegt bereits eine so genannte FFF vor, für MoTIV werde jedoch noch daran geschrieben.

Vollständige Umrüstung erst 2035

Während der Heeresinspekteur darauf setzt, die Digitalisierung der Landstreitkräfte zu beschleunigen, sieht die gegenwärtige Planung vor, dass das Heer erst 2035 vollständig mit moderner Kommunikationstechnik ausgerüstet sein soll. Ob diese extreme Streckung der IT-Modernisierung sinnvoll und praktikabel ist, scheint jedoch in der Bundeswehr umstritten zu sein.

Nach langjährigem Engagement  in Afghanistan mit vielfach offener Kommunikation müsse sich die Truppe wieder auf die verschlüsselte Weitergabe von Informationen einstellen, sagte Vollmer.  Es gelte jetzt die Resilienz der technischen Systeme als auch der Prozeduren und Ablauforganisation zu erhöhen.

Der Inspekteur betonte, dass die gegenwärtige Struktur des Heeres mit drei Divisionen sehr tragfähig und auch der Personalstand ausreichend sei. „Die Achillesferse ist das Material.“

Dabei stehen die  Landstreitkräfte vor einigen Herausforderungen: Neben dem aktuellen Engagement an der Ostflanke des Bündnisses und in Afrika, wird die Bundeswehr nach Aussage von Vollmer ab 2019 eine ganze gepanzerte Brigade mit rund 4.500 Soldaten für die NATO-Speerspitze (VJTF) bereitstellen. Außerdem habe Deutschland der NATO angezeigt, bis 2026 eine einsatzbereite mechanisierte Division – mit 30 Tagen Verlegefrist – modern ausgestattet zu haben. Bis 2032 folge die zweite Division.
lah/12/27.4.2017