Nah- und Nächstbereichsschutz – Bundestag billigt Flugabwehr-Entwicklungsprojekt

Die Entwicklung eines Luftverteidigungssystems für den Nah- und Nächstbereichsschutz (NNbS) kann beginnen. Wie die Luftwaffe auf ihrem Twitter-Account schreibt, hat der Bundestags-Haushaltsausschuss in seiner gestrigen Sitzung grünes Licht für das zukünftige Luftverteidigungssystem gegeben. Damit kann das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw den endverhandelten Vertrag mit dem Anbieterkonsortium, bestehend aus Rheinmetall, Diehl und Hensoldt, für das Teilprojekt 1 von NNbS schließen.

Der Ausschuss hat für die Entwicklung eines Erstexemplars der wichtigsten Komponenten 1,23 Milliarden Euro bewilligt.  Die Investition wird zunächst aus dem Sondervermögen Bundeswehr finanziert. Danach werde das Projekt im regulären Verteidigungsetat weitergeführt, schreibt das BMVg. Ein Prototyp des Systems soll demnach im Jahr 2028 zur Verfügung stehen.

Ursprünglich sollte die 25-Millionen-Euro-Vorlage für die Entwicklung von NNbS bereits im Dezember behandelt werden. Fachkreisen zufolge gab es jedoch Verzögerungen im administrativen Prozess, so dass eine Behandlung in 2023 nicht mehr erfolgen konnte.

Den Angaben der Luftwaffe zufolge soll überdies bereits im Sommer das erste voll einsatzbereite Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM in Todendorf an die Bundeswehr übergeben werden. Dabei dürfte es sich um das erste von sechs im Rahmen einer Sofortinitiative im Juni vergangenen Jahres beauftragten Systemen handeln. Für die Beschaffung der sechs Iris-T SLM waren seinerzeit rund 950 Millionen Euro eingeplant. Das Waffensystem wird mit großem Erfolg zur Abwehr der russischen Angriffe in der Ukraine eingesetzt. So wurden bereits drei Systeme Iris-T SLM an die ukrainischen Streitkräfte ausgeliefert, neun weitere sollen folgen.

Wie das BMVg schreibt, werden die Kernelemente eines NNbS-Netzwerkes voraussichtlich ein Gefechtsstand, Feuerleitpanzer, Radargeräte und Flugabwehrraketenpanzer sein. Teil des NNbS-Projektes ist damit die Entwicklung eines Flugabwehrraketenpanzers auf Basis des Radpanzers Boxer. Dabei sollen mindestens vier Lenkflugkörper des Typs Iris-T SLS an beiden Seiten eines drehbaren Turms integriert werden. Der Turm wird bisherigen Darstellungen zufolge mit fixen Radar-Panels sowie opto-elektronischen Sensoren ausgestattet werden.

Bis zur Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe im Jahr 2010 war der Flak-Panzer Gepard eines der Hauptwaffensysteme, um die Panzer- und Panzergrenadiertruppe vor angreifenden Flugzeugen und Hubschraubern im niedrigen Höhenbereich zu schützen. Als Nachfolger ist ein neuer Flak-Panzer, ebenfalls auf Boxer-Fahrgestell, vorgesehen. Das Projekt sollte ursprünglich auch im vergangenen Jahr die Vertragsreife erreicht haben, hat sich jedoch verzögert.
lah