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Demonstratorphase mit Freigabe der deutschen Mittel gestartet

Die Regierungen Frankreichs und Deutschlands haben den Rahmenvertrag für die erste so genannte  Demonstratorphase des Future Combat Air System (FCAS)  unterzeichnet und damit Airbus und Dassault Aviation zusammen mit ihren Partnern MTU Aero Engines, Safran, MBDA und Thales den Auftrag zum Beginn der Demonstratorphase 1A erteilt.

Wie Airbus in einer Mitteilung weiter schreibt, hat der  Rahmenvertrag  eine  Laufzeit  von  18  Monaten  und  leitet  die  Entwicklung  der so genannten Demonstratoren und neuer  Technologien ein. Der Start der ersten Flugtests ist den Angaben zufolge für 2026 geplant.

Voraussetzung für den Start der Demonstratorphase war die Freigabe des deutschen Anteils an den Forschungskosten von rund 78 Mio EUR durch den Haushaltsauschuss des Bundestages am Mittwoch dieser Woche.

Die  Industriepartner  arbeiten  bereits  seit  Anfang  2019  im  Rahmen  einer  gemeinsamen Konzeptstudie an der Architektur des künftigen Systems. Mit dem Startschuss für die Demonstratorphase tritt das FCAS-Programm nun in eine weitere Phase ein.

Dabei liegt der Fokus laut Airbus zunächst auf den wichtigsten technologischen Herausforderungen in den verschiedenen Programmbereichen:

– Entwicklung des Kampfflugzeugs der nächsten Generation (Next Generation Fighter –NGF),  dem  Kernelement  des  Future  Combat  Air  System,  mit  Dassault  Aviation  als Prime Contractor und Airbus als Hauptpartner,

– Entwicklung Unbemannter Systeme/ferngelenkter Drohnen (Remote Carrier – RC) mit Airbus als Prime Contractor und MBDA als Hauptpartner,

– Entwicklung der Combat Cloud (CC) mit Airbus als Prime Contractor und Thales als Hauptpartner,

– Entwicklung des Triebwerks mit Safran und MTU als Hauptpartnern.

Die beteiligten Unternehmen entwickeln außerdem gemeinsam eine Simulationsumgebung, um konsistente Bedingungen zwischen den Demonstratoren zu gewährleisten, wie aus der Mitteilung hervorgeht.

Die Unterzeichnung des Rahmenvertrags erhöhe das Momentum von FCAS und ermögliche es der Industrie, die benötigten Ressourcen und Schlüsselfähigkeiten für die Entwicklung dieses europäischen Verteidigungsprojekts bereitzustellen. Der  nächste  wichtige  Schritt  im  FCAS-Programm  werde  die  Aufnahme  Spaniens  sowie  die Beteiligung weiterer Lieferanten ab Phase 1B sein, die auf den erfolgreichen Abschluss von  Phase 1A folgt.

Gespräche mit weiteren Partnern

Laut einer Mitteilung des BMVg wird das Vorhaben von Frankreich, Deutschland und Spanien vorangetrieben. „Mit weiteren potenziellen Partnern werden bereits Gespräche geführt“, heißt es weiter. Ob es sich dabei um Länder wie Italien, die Niederlande und Belgien handelt ist unklar. Beobachter wollen nicht ausschließen, dass es auch eine Abstimmung mit dem britischen Tempest-Programm geben könnte.

Verbunden mit der Freigabe der Mittel für die Demonstratorstudien hat der Haushaltsausschuss einen so genannten Maßgabebeschluss  gefasst. Darin wird gefordert, dass FCAS und das Main Ground Combat System (MGCS) im Zusammenhang zu sehen und parallel zu entwickeln sind.

Neben regelmäßigen Berichten über den Projektfortschritt bei beiden Programmen soll das BMVg unter anderem eine industriepolitische Steuerung für FCAS und MGCS aufbauen.  In beiden Projekten sollen  nationale Schlüsseltechnologien definiert und deren Verfügbarkeit in Deutschland gesichert werden. Gefordert wird in diesem Zusammenhang eine Beteiligung von deutschen Unternehmen auf der Haupt- und Unterauftragnehmerebene. Bislang sind hier lediglich Airbus und MTU bedacht worden.

Fortschritte bei MGCS

Fortschritte soll es dem Vernehmen nach auch bei der Architekturstudie für das MGCS geben. Gut informierten Kreisen zufolge haben die drei Unternehmen  Nexter, KMW und Rheinmetall eine speziell auf diesen Zweck ausgerichtete Arbeitsgemeinschaft gegründet. Diese soll neun Themenfelder – wie unter anderem Führung, Schutz oder Bewaffnung – des zukünftigen MGCS untersuchen. Offenbar sind alle drei Firmen in jedem dieser Untersuchungsfelder vertreten, wobei ein Unternehmen jeweils den Lead innehat. Bei Entscheidungen soll das Einstimmigkeitsprinzip gelten. Finanziert wird die 18monatige Studie paritätisch mit jeweils 15 Mio EUR pro Land, wobei Deutschland bei MGCS nominell in der Führungsrolle ist.

Beobachter rechnen noch in der ersten Jahreshälfte mit einer Angebotsaufforderung an die Arbeitsgemeinschaft. Damit befindet sich das Vorhaben jedoch zeitlich weit hinter FCAS. Die vom Bundestag gewünschte Verknüpfung beider Projekte wird von Beobachtern deshalb kritisch gesehen. Zumal es mitunter Zweifel gibt, dass eine industrielle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich überhaupt sinnvoll ist.

Zum einen verfolgen beide Länder bei ihren Landstreitkräften seit einigen Jahren unterschiedliche Philosophien. Zum anderen dürfte beim industriellen Know-how – anders als im Luftfahrtbereich – Deutschland bislang noch mehr auf die Waagschale bringen. Sollte jedoch das Gerücht zutreffen, dass die Bode-Familie ihre Anteile an KMW abstoßen will und der in Staatshand befindliche Nexter-Konzern ein Vorkaufsrecht hat, könnte sich die industrielle Logik allerdings schnell ändern.
lah/12/14.2.2020