Aufforderung zum Angebot doch noch erfolgt

Es gibt Rüstungsprojekte, bei denen Zeit kein kritischer Faktor zu sein scheint. Dazu gehört offenbar auch die Beschaffung des neuen Taktischen Luftverteidigungssystems (TLVS). Trotzdem haben die Generalunternehmer MBDA und Lockheed Martin am gestrigen Mittwoch vom Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw die Aufforderung zur Angebotsabgabe erhalten. Dabei handelt es sich um die zweite Angebotsaufforderung (RFP), nachdem das BMVg beim ersten Angebot noch Nachbesserungsbedarf festgestellt hatte.

„Die aktuelle Angebotsaufforderung basiert auf dem ersten RFP. Sie reflektiert die Ergebnisse der bisherigen Verhandlungen und adressiert Vorgaben der Agenda Rüstung“, wird Dietmar Thelen, Geschäftsführer der TLVS GmbH, in einer MBDA-Mitteilung zitiert.  Die Agenda Rüstung fokussiere unter anderem im Beschaffungsprozess auf die geforderten militärischen Fähigkeiten, eine neue Form des Risikomanagements und fördere die Transparenz der Vergabeverfahren mit dem Ziel eine erfolgreiche Vertragsgestaltung sicherzustellen, so Thelen weiter.

Laut MBDA ist das zweite RFP das Ergebnis der Verhandlungen zwischen der TLVS-Bietergemeinschaft und dem BAAINBw. Es sei ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Vertragsabschluss, der für 2019 angestrebt werde.

„Die umfassenden Verhandlungen haben das gemeinsame Verständnis über die Risiken und Lösungsansätze entscheidend erhöht und stellen sicher, dass das TLVS Angebot die Anforderungen des BAAINBw adäquat abdeckt“, so Gregory Key, Geschäftsführer der TLVS GmbH.

Die im März gegründete TLVS GmbH – ein Joint Venture von MBDA und Lockheed Martin – soll Hauptauftragnehmer für das neue Luftverteidigungssystem werden. Das Joint Venture werde dem BAAINBw ein Angebot auf der Grundlage des zweiten RFP übermitteln. Ein Datum dafür konnte ein MBDA-Sprecher nicht nennen.

Der letzte Termin für die Angebotsaufforderung war eigentlich für Ende Mai vorgesehen, war aber vom Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw nicht gehalten worden. Insider hatten daraufhin mit einer Zuleitung an das Herstellerkonsortium bis Ende Juli gerechnet.

Zur Erinnerung: Im Dezember 2015 hatte das BMVg mitgeteilt, dass sich der  Zeitplan für die Einführung des Luftabwehrsystems MEADS/TLVS leicht nach hinten verschoben habe. Nachdem bis dahin von einem Vertragsschluss zwischen Verteidigungsministerium und der damals allein projektverantwortlichen Firma MBDA bis Mitte 2016  die Rede war, teilte das BMVg mit, dass ein Vertragsschluss im Jahr 2016 angestrebt werde.
lah/16.8.2018