Anzeige

Stärkere Kooperation mit den Niederlanden

Bei der von der Bundeswehr verfolgten Digitalisierung von Landoperationen sollen in Zukunft die Niederlande noch stärker eingebunden werden. Wie es am Mittwoch auf der Berlin Security Conference hieß, soll eine gemeinsame digitale Struktur für die Landstreitkräfte beider Länder aufgebaut werden. Dazu werden in Kürze konkrete Verträge beider Staaten erwartet. Nach Aussage von Admiral Rob Bauer, dem Chef der niederländischen Streitkräfte, soll in den kommenden Monaten überdies die Harmonisierung der IT-Systeme bei Hubschraubern und Panzern untersucht werden.

Noch nicht eingebunden werden die Niederländer allerdings bei der Digitalisierung der  so genannten VJTF 2023. Aufgrund des hohen Zeitdrucks konnten offenbar die Anforderungskataloge beider Armeen noch nicht harmonisiert werden. Nachdem die Einrüstung von Thales-Funkgeräten mit dem Elias-Battle-Management der niederländischen Streitkräfte vom Tisch ist, verfolgt das BMVg für die VJTF 2023 eine kleine Lösung. Das Heer beschafft lediglich ein Battle-Management-System, dass über die bereits eingeführten Funkgeräte der Bundeswehr laufen soll. Damit würde lediglich eine Anfangsbefähigung zur Digitalisierung ermöglicht. Die Ausschreibung für das Vorhaben steht noch aus.

Beobachter fürchten, dass durch die Auswahl ein Vorfestlegung für die weitere Digitalisierung  der Landstreitkräfte erfolgen könnte – obwohl ein wesentlicher Aspekt nicht angemessen berücksichtigt wird: Die Nutzung breitbandiger digitaler Funktechnik. Denn mit Hilfe dieser Technik könnten deutlich mehr Funktionen realisiert werden, etwa wenn es um die Implementierung des Sensor-to-Shooter-Prinzips geht.

Ein Problem bei der Umsetzung der Digitalisierungsstrategie stellt allerding die Kompetenz und das verfügbare Personal auf Seiten des Verteidigungsministeriums dar. Hier könnte mit dem bundeseigenen IT-Dienstleister BWI GmbH womöglich ein neuer Player ins Spiel kommen. Nach Aussage von Frank Leidenberger, dem neuen Chief Marketing Officer des BWI, könnte sein Unternehmen auch Aufgaben für die so genannte grüne IT des Heeres übernehmen. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass das BWI einen entsprechenden Auftrag erhalte. Leidenberger hatte bis vor kurzem als Heeres-General das Thema Digitalisierung von Bundeswehr-Seite massiv vorangetrieben.

Dem Vernehmen nach könnten BWI-Experten beispielsweise bei der Wartung und Pflege von Software eingesetzt werden. Für das BMVg ergäbe sich dabei der Vorteil, dass Know-how  im Bereich der Digitalisierung aufgebaut wird. Letztendlich auch, um mit der Industrie auf Augenhöhe verhandeln zu können. Und im Gegensatz zum Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw kann das BWI Experten auf dem freien Markt zum aktuellen Marktpreis rekrutieren.
lah/28.11.2018