Soldaten haben volles Vertrauen in G36

Entgegen der zum Teil sehr kritischen Berichterstattung in den vergangenen Monaten gibt es keine Klagen von Bundeswehrangehörigen über die Leistungsfähigkeit des Sturmgewehres G36. Das Gegenteil ist der Fall: „Alle Soldaten hatten und haben volles Vertrauen in das G36, nicht zuletzt aufgrund der – auch im internationalen Vergleich – hohen Zuverlässigkeit“, heißt es im Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission unter Vorsitz von Winfried Nachtwei, die den Einsatz des Gewehres in Gefechtssituationen untersucht hat.

Unverständnis für öffentliche Darstellung

Aufgrund dieser Ergebnisse stoße die negative öffentliche Darstellung des G36 als Pannengewehr bei den Soldaten auf „große Unverständnis“, heißt es in dem Bericht, der am Mittwoch dem Verteidigungsministerium übergeben wurde. Die Leitfrage der Kommission „Sind deutsche Soldaten durch Eigenschaften des G36 zu Schaden gekommen oder in Gefahr geraten?“ wurde eindeutig verneint. Im Rahmen der Untersuchung sind über 150 Soldaten persönlich interviewt und rund 350 persönlich angeschrieben worden. Darüber hinaus haben die Kommissionsmitglieder zahlreiche weitere Quellen ausgewertet.

Auslöser der Untersuchung waren die Ergebnisse von Labortestes. In diesen wissenschaftlichen Untersuchungen sind Präzisionsprobleme der Waffe bei schussinduzierter Erhitzung und widrigen Umweltbedingungen festgestellt worden. Trotz der jetzt vorliegenden Ergebnisse hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor einigen Wochen angekündigt, bis 2019 eine neue Standardwaffe der Bundeswehr zu beschaffen.

Keine Belege für  Korruption

Eine zweite Untersuchung – deren Ergebnisse am Mittwoch ebenfalls der Ministerin übergeben wurden – hat sich darüber hinaus mit den Geschäftsbeziehungen des BMVg und seiner Behörden mit dem G36-Hersteller Heckler & Koch befasst. „Im Rahmen dieser Untersuchung konnten keine Hinweise auf Korruption gewonnen werden“, heißt es in dem Abschlussbericht. Empfohlen wird jedoch der Aufbau eines „risikoorientierten Vertragsmanagements“ sowie die Etablierung eines Konfliktmanagements. BMVg und Heckler & Koch befinden sich aufgrund der G36-Problematik gegenwärtig in Rechtsstreitigkeiten – zum Teil vor Gericht.

In dem Bericht wird überdies empfohlen, die für H&K zuständige Güteprüfstelle auf dem Unternehmensgelände in Oberndorf zu verlegen, da es in der Vergangenheit zwischen Mitarbeitern der Firma und der Prüfstelle zu Spannungen gekommen sei.
lah/15.10.2015