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Rostec stellt neuen Körperschutz für das Räumen von Minen vor

Kristóf Nagy

Das zum russischen Rüstungsverbund Rostec gehörende Oktavs-Werk in Tula hat einen neuen ballistischen Körperschutz speziell für das Räumen von Minen vorgestellt. Dies gab der staatliche Rüstungskonzern am 28. März in einer Pressemitteilung bekannt. Das neue Produkt mit der Bezeichnung Obereg-S soll offensichtlich das bereits seit April 2023 in Fertigung befindliche schwereren Obereg (Amulett) -System ergänzen, bzw. im Laufe der Nutzung erkannte Schwächen beseitigen.

Laut Herstellerangaben erfüllt das Körperschutzsystem Obereg-S die Sonderschutzklasse C2 und Br 1+ nach der aktuellen russischen Norm GOST 34286-2017. Das Schutzniveau ist vergleichbar mit der Schutzstufe HG1 nach dem US-Standard NIJ 0101.07. Die ballistische Halteleistung ist auf Geschosse im Kaliber 9 × 18 mm und Stahlkugeln als Splittersimulanz mit einem Durchmesser von 6,35 mm und einem Gewicht von 1,05 g nach der Norm GOST 3722 ausgelegt. Die neue Schutzausstattung scheint die Erfahrung aus dem Ukrainekrieg zu berücksichtigen und den Fokus auf ein deutlich verringertes Gewicht zu legen. Im Gegensatz zu dem Obereg-System konnte das Gewicht bei deutlicher Reduktion der Schutzleistung, jedoch einer höheren Abdeckung, um etwa 40 Prozent verringerter werden. Anstelle der Einschubplatten aus Keramik kommen flexible Schutzpakete, vermutlich aus einheimischer Fertigung stammenden Aramidfasern zum Einsatz.

Auch die Ergonomie des Körperschutzes wurde laut Hersteller verbessert. Beispielsweise sorgt ein Hüftgurt für die Verminderung der Last auf den Schultern des Nutzers. Zudem ist ein flexibler Oberschenkelschutz integriert worden. Hierdurch kann der Nutzer nur auf einem Bein knien, ohne die verwundbare Oberschenkelarterie zu exponierten. Des Weiteren ist der Kragen der Schutzweste so ausgelegt, dass ein am Helm befestigtes Splitterschutzvisier dahinter eingeklemmt wird und so eine lückenlose Abdeckung von Oberkörper, Hals und Gesicht möglich ist.

Die russischen Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine scheinen nahezulegen, dass für die geplante Räumung von Minen, insbesondere hinter den eigenen Linien, ein leichter und flexibler, ballistischer Körperschutz sinnvoll sein kann. Laut der Mitteilung von Rostec soll das Obereg-S-System gegen Antipersonenminen der Typen PMN-1, PMN-2 und PMN-4 schützen. Diese in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Sowjetunion entwickelten Minen weisen eine maximale Sprengladung von 240g TNT (PMN-1) auf. Die PMN-4 ist mit einem 55 g Sprengstoffmischung aus TNT und Hexogen unter Beigabe von Pentolite von der Ladungsgröße eher mit kleinen Handgranaten zu vergleichen. Die Rolle des Körperschutzsystems scheint damit auf die Räumung von voraufgeklärten Antipersonenminenfeldern ausgelegt zu sein. Für die Beseitigung von größeren, nicht umgesetzten Munitionsresten, oder auch improvisierten Ladungen wird jedoch auch in Zukunft ein schweres, ballistisches Schutzsystem, welches idealerweise einen integrierten ABC-Schutz aufweist, nötig ein.

Kristóf Nagy

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