Lücke bei Schutzausstattung wird geschlossen

Beim Schützenpanzer Puma des deutschen Heeres klafft bisher eine Ausstattungslücke, die im Ernstfall zu höheren Gefahren für die Besatzung führen würde. So wurden für die insgesamt 350 Kampffahrzeuge des ersten Puma-Loses lediglich 200 Sätze der modernen Reaktivschutzpanzerung des Herstellers Dynamit Nobel Defence (DND) geordert. Mit einem solchen explosiven Reaktionsschutz sollen insbesondere Hohlladungsgranaten abgewehrt werden.

Offenbar hat sich das Verteidigungsministerium jetzt jedoch entschlossen, alle Pumas auf das gleiche Schutzniveau zu bringen. Wie aus einer Mitteilung des Bundeswehr-Beschaffungsamtes BAAINBw hervorgeht, wurde am 29. Juni entschieden, dass der Hersteller DND insgesamt 142 Reaktivschutzmodule für den Puma liefern soll. Insidern zufolge handelt es sich jedoch nicht um Module, von denen mindestens zwei Dutzend pro Schützenpanzer verbaut werden, sondern um vollständige Modulsätze. Mit diesen Sätzen können 142 Fahrzeuge ausgestattet werden. Vermutlich werden Fahrschulpanzer nicht  berücksichtigt. Dem Vernehmen nach könnte die Lieferung im kommenden Jahr beginnen und bis zur VJTF 2023 abgeschlossen werden.

Das BMVg rechnet damit, dass noch im laufenden Jahr der letzte der georderten 350 Pumas von der Industrie zuläuft. In Friedenszeiten und zur Ausbildung werden die Panzer statt mit den mit Sprengstoff bestückten Reaktivschutzmodulen mit unbefüllten Boxen versehen.  Bei Ausstattung der Fahrzeuge mit „scharfen“ Modulen,    unternimmt die Bundeswehr umfangreiche Sicherungsmaßnahmen. So dürfen die Schützenpanzer für längere Zeit offenbar nur in einem umzäunten „Puma-Käfig“ und nicht zusammen mit anderen Fahrzeugen geparkt werden. Laut Hersteller reagieren die Module allerdings insensitiv auf Belastungen wie das Einschlagen eines Nagels. Damit seien solche Maßnahmen eigentlich nicht erforderlich.

Dem Vernehmen nach läuft gegenwärtig die Einsatzprüfung des Puma für die VJTF 2023 in der Lüneburger Heide. Wie es heißt, wird der Test noch bis Monatsende andauern. Die Industrie muss unter anderem nachweisen, dass das Fahrzeug die für die VJTF geforderten Funktionalitäten –  wie etwa die Nutzung des Spike-Raketenwerfers oder eine verbesserte Führungsfähigkeit – erfüllt. Sollte der Puma die Einsatzprüfung bestehen, steht einer Teilnahme an der VJTF nichts mehr im Wege. Auch die Beauftragung eines zweiten Loses Puma im kommenden Jahr würde damit in Reichweite rücken. Gegenwärtig sind noch mehrere Panzergrenadierbataillone des Heeres mit dem fast 50 Jahre alten Marder ausgerüstet.
lah/12/16.7.2020