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Deutschland liefert erstmals Iris-T SLS

In dem 2,7 Milliarden Euro umfassenden Hilfspaket für die Ukraine, das am Wochenende veröffentlicht wurde, hat die Bundesregierung erstmals die Lieferung des Flugabwehrsystems Iris-T SLS bekanntgegeben. Neben vier Feuereinheiten Iris-T SLM und einer nicht näher genannten Zahl von Lenkflugkörpern für bereits gelieferte Luftverteidigungssysteme sind in dem Hilfspaket auch zwölf Startgeräte Iris-T SLS enthalten. Wie bereits an dieser Stelle berichtet, dürfte es sich dabei um schwedische Startgeräte handeln, die gegenwärtig noch auf Hägglunds-Geländefahrzeugen montiert sind, aber auf Radfahrzeugen installiert werden sollen. Deutschland und Schweden haben ein entsprechendes Abkommen über die Abgabe getroffen, wie es aus gut informierten Kreisen heißt. Dabei soll die Bundesregierung auch für die Nachbeschaffung der Startgeräte aufkommen, die von Diehl hergestellt werden. Dem Überlinger Unternehmen obliegt es auch, die Iris-T SLS in die SLM-Systeme zu integrieren, die pro Feuereinheit über ein Hensoldt-Radar verfügen.

Wie es heißt, werden die Iris-T-SLS-Raketen von der Luftwaffe beigesteuert, die von der ursprünglich als Flugzeug-Bewaffnung konzipierten Waffe einen erheblichen Bestand haben dürfte. Da eine Reihe von Staaten die Iris-T als Luft-Luft-Bewaffnung eingeführt hat, kommen damit potenziell weitere Lieferanten für diese Munition in Frage. Während im Flugbetrieb eingesetzte Flugkörper im Wesentlichen durch ein Software-Update für ihren Einsatz als Boden-Luft-Rakete tauglich gemacht werden, müssen bei Flugkörpern aus dem Depot zusätzlich gewisse Wartungsarbeiten erfolgen.

Offenbar ist auch eine Umlackierung der Raketen vorgesehen. Auf Bildern der Luftwaffe ist die Iris-T in heller Farbe zu sehen. Die in Schweden genutzten Werfer, basieren auf einer Gitterkonstruktion, so dass die Flugkörper der Witterung ausgesetzt und auch von außen sichtbar sind.

Die Integration von Iris-T SLS in die Iris-T-SLM-Architektur nimmt gewissermaßen einen Entwicklungsschritt des Projektes Nah- und Nächstbereichsschutz (NNbS) vorweg. Denn bei NNbS sollen auch beide Flugkörper in einem Gesamtkonzept eingesetzt werden, wobei allerdings die Forderung besteht, die Iris-T SLS aus der Bewegung verschießen zu können. Dazu soll ein Flugabwehrraketenpanzer auf Boxer-Basis entwickelt werden. Die schwedische Iris-T-SLS-Variante wird dagegen aus dem Stand verschossen. Dem Vernehmen nach sollen gegenwärtig die finalen Verhandlungen für den NNbS-Entwicklungsvertrag laufen, dessen Abschluss noch in diesem Jahr angestrebt wird.

Im Hilfspaket für die Ukraine sind überdies 18 Radhaubitzen des Typs RCH 155 von KMW sowie Artilleriemunition enthalten. Die Ukraine würde damit der erste Nutzer des neuen Artilleriesystems auf Boxer-Basis. Des Weiteren finanziert Deutschland die Lieferung von 30 Kampfpanzern Leopard 1 A5, 20 Marder-Schützenpanzern, über 100 gepanzerten Gefechtsfahrzeuge sowie mehr als 200 Aufklärungsdrohnen. Unbestätigten Presseberichten zufolge sind in dem Paket auch 15 Flak-Panzer Gepard enthalten, die womöglich in Katar beschafft werden.
lah/12/16.5.2023