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BMVg nimmt F-35 aus dem Rennen

Beim Wettbewerb um ein Nachfolgemuster für die seit den 80er Jahren im Einsatz befindlichen  Tornado-Jets der Luftwaffe hat das Verteidigungsministerium den Bieterkreis weiter eingegrenzt. Wie es aus dem BMVg heißt,  werden  der Stealth-Flieger F-35 des US-Herstellers Lockheed Martin und die F-15 von Boeing nicht mehr betrachtet. Damit verbleiben lediglich die F/A-18 von Boeing und der Eurofighter von Airbus im Rennen.

Laut Ministerium sollen die Rollen und die Fähigkeiten des Tornados erhalten bleiben.  Dazu werde man bei den zwei Anbietern Airbus und Boeing Informationen zu Betrieb, Wirtschaftlichkeit und Zeitlinien einholen. Sobald diese Informationen ausgewertet seien, könne die endgültige Entscheidung fallen, ob die F/A-18 oder der Eurofighter als Brückenlösung bis zur Einführung des europäischen Kampfflugzeugs der nächsten Generation gewählt werde. Wie es aus dem BMVg weiter heißt, bleibt der Prozess bis zu finalen Auswahl weiter ergebnisoffen. Gleichzeitig will das Ministerium die alten Eurofighter der Tranche 1 durch moderne Maschinen der Tranche 4 ersetzen. Die dazu erforderlichen Haushaltsmittel wurden bereits im vergangenen Jahr eingeplant. Interessant könnte dabei werden, welche Radarkonfiguration verwendet wird.

Anders als der Tornado sind die beiden in der Endauswahl verbleibenden Flugzeuge bislang nicht für das Tragen von Atomwaffen zertifiziert. Der Tornado ist das deutsche Trägersystem im Rahmen der nuklearen Teilhabe der NATO. Wie es heißt, soll die F-35 in den US-Streitkräften und bei Partnerländern – so haben sich beispielsweise Italien, die Niederlande und Belgien für die F-35 entschieden – in Zukunft in einer nuklearen Rolle eingesetzt werden.

Die F/A-18 Hornet wird in Europa in älteren Varianten von Spanien, Finnland und der Schweiz geflogen. In der Schweiz läuft gegenwärtig im Rahmen von Air2030 der Prozess zum Ersatz der Flieger. Neben Eurofighter, Rafale, F-35 und Gripen befindet sich auch die neuere und größere Version der F/A-18, die Super Hornet, im Wettbewerb.

Spanien und Finnland werden in den kommenden Jahren vermutlich mit einem Neubeschaffungsprogramm für ihre F/A-18 starten. Wobei Beobachter damit rechnen, dass Spanien allein aus industriepolitischen Erwägungen eine starke Präferenz für den Eurofighter zeigen wird.

Deutschland könnte innerhalb der europäischen NATO-Staaten mit der F/A-18 dann womöglich der einzige Nutzer dieses Flugzeugmusters sein. Andererseits hat die US-Navy mit der F/A-18 in der Version Growler eine leistungsfähige Version für die elektronische Kriegführung im Bestand – eine Fähigkeit, die die Bundeswehr der NATO zur Verfügung stellen will. Und im Gegensatz zur F-35 ist die F/A-18 auch in der zweisitzigen Variante lieferbar. Dies könnte von Nutzen sein, falls bei der Einführung des Future Combat Air Systems in ein paar Dekaden Drohnen aus einem bemannten Flieger heraus geführt werden sollen. Allerdings bliebe die Herausforderung ein US-Flugzeug in ein europäisches „System of Systems“ mit Frankreich als Schlüsselpartner zu  integrieren.

lah/1.2.2019