Deutschland könnte zum Powerhouse für Weltraum-Technologie werden

Lars Hoffmann

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Die geplanten Investitionen des Verteidigungsministeriums von 35 Milliarden Euro in die Weltrauminfrastruktur bis 2030 dürften nicht nur die eigene Sicherheit verbessern, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau einer breiten industriellen Basis hierzulande leisten. Nach Einschätzung von Max Gulde, CEO von constellr, einem auf die Thermalaufklärung vom Satelliten spezialisierten Start-up, hat Deutschland das Potenzial, zum „Space Powerhouse“ in Europa zu werden. Dies sei zumindest seine Vision, sagte Gulde gestern während einer Podiumsdiskussion auf der TECH Conference von Handelsblatt und Schwarz Digits in Heilbronn.

Denn mit den angekündigten 35 Milliarden Euro weise die Bundesrepublik das größte Weltraumbudget in Europa auf. Dazu komme, dass Deutschland rund ein Viertel der Mittel für die europäische Weltraumagentur ESA beisteuere, so der constellr-Chef.  

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Vor diesem Hintergrund etablieren sich gegenwärtig zahlreiche Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen für Weltraumanwendungen entwickeln und herstellen. So sind in Deutschland alleine mindestens drei Start-ups mit der Entwicklung von Trägerraketen für das Verbringen von Lasten in den Weltraum aktiv. Eines davon, Hymimpulse, das auch in Heilbronn vertreten war, bereitet noch für die zweite Jahreshälfte einen weiteren Testflug seiner Rakete vor.

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Der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Raumfahrtindustrie dürfe sich nicht auf den deutschen Markt beschränken. Vielmehr gehe es darum, ein ganzes Ökosystem zu schaffen, das langfristig international erfolgreich sein könne, sagte Gulde und verwies auf die Automobilindustrie. Auch diese entwickle Produkte nicht nur für Deutschland, sondern für den internationalen Markt.

Die derzeitigen Investitionen seien von einer Größenordnung, die das Potenzial habe, ein neues industrielles Ökosystem entstehen zu lassen, betonte er. Sein Unternehmen habe im Rahmen einer Marktstudie 70 Regierungen angesprochen und von 40 davon positives Feedback erhalten.

Nach Aussage von Sabine von der Recke, Mitglied im Vorstand von OHB, gehören europäische Unternehmen im Bereich Erdbeobachtung heutzutage bereits zu den besten weltweit. Sie wies allerdings darauf hin, dass das US-Unternehmen SpaceX über eine international dominierende Position bei den Transportkapazitäten ins All verfügt. Sie sprach damit die große Achillesferse der europäischen und deutschen Raumfahrtaktivitäten an: das Fehlen von souveränen Launch-Kapazitäten.

Tatsächlich spricht einiges dafür, dass Deutschlands Chancen, zu einem wichtigen Player im Bereich Weltraum zu avancieren, im Augenblick nicht schlecht stehen. So gibt es neben einer aktiven Gründerszene auch immer mehr Kapitalgeber, die sich für die Thematik interessieren. Darüber hinaus hat die Bundesregierung mit der Weltraumsicherheitsstrategie konkrete Vorhaben skizziert, die sie umsetzen will. Dazu gehören auch innovative Projekte wie die Entwicklung eines wiederverwendbaren Raumflugzeugs, das horizontal starten kann.

Beobachter gehen davon aus, dass die 35 Milliarden Euro nur der Anfang sein werden. Sind erstmal umfangreiche Satellitenkonstellationen für Kommunikation, Aufklärung und Feuerleitung im mittleren bis hohen dreistelligen Stückzahl-Bereich aufgebaut, müssen diese auch betrieben und modernisiert werden. Zumal sich aus der Nutzung des Low Earth Orbit (LEO) ergibt, dass die dort eingesetzten Satelliten schon nach wenigen Jahren ersetzt werden müssen. Das dürfte verlässliches Geschäftspotenzial mit sich bringen.

Lars Hoffmann