Der Kölner Motorenspezialist DEUTZ hat eine Vereinbarung über den Erwerb von 100 Prozent der Anteile am norddeutschen Panzerbauer FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG) geschlossen. Der Kaufpreis betrage 1,6 Milliarden Euro und solle teilweise in bar und teilweise in neu auszugebenden DEUTZ-Aktien bezahlt werden, schreibt DEUTZ in einer Mitteilung. Die bisherigen Eigentümerfamilien von FFG sollen so neuer langfristig orientierter Ankeraktionär von DEUTZ mit einem Anteil von bis zu 29,9 Prozent werden, wie aus der Mitteilung weiter hervorgeht.
Das Flensburger Unternehmen zählt zu den führenden europäischen Anbietern für militärische Land- und Spezialfahrzeuge und ist etablierter Partner von Bundeswehr und Streitkräften der NATO sowie der Ukraine.
Mit mehr als 1.100 Mitarbeitenden produziert, wartet und modernisiert FFG militärische Rad- und Kettenfahrzeuge. Dazu zählen Berge- und Schützenpanzer, Mannschaftstransporter oder Spezialfahrzeuge. FFG entwickelt zudem eigene Plattformen und ist Fertigungspartner in multinationalen Rüstungsprogrammen der NATO. Der Zusammenschluss folge einer klaren industriellen Logik: FFG bringe Kompetenzen ein, die DEUTZ zu einem Systempartner für europäische Verteidigungsprogramme machen.
DEUTZ ergänzt dies nach eigenen Angaben um sein Antriebsportfolio – von klassischen Verbrennungsmotoren über Hybridantriebe bis zu Lösungen für die dezentrale Stromversorgung im Feld. Dazu kommen die Industrialisierungs- und Skalierungskompetenz sowie das weltweite Servicenetzwerk des Unternehmens. Der Mitteilung zufolge bleibt FFG als neuer Kern der Business Unit Defense operativ eigenständig, während der Konzern die technologische, finanzielle und strategische Skalierung sicherstellen soll. Die operative Führung der FFG bleibt unverändert bei den Geschäftsführern Max Heimann und Jörg Kamper. Gemeinsam mit ihren Teams verantworten sie die Weiterentwicklung
der FFG als Teil von DEUTZ.
Norbert Erichsen, Sprecher des Gesellschafterkreises der FFG wird mit der Aussage zitiert: „Mit dem strategischen Zusammenschluss mit DEUTZ stellen wir die Weichen für die nächsten Generationen. Gleichzeitig entsteht ein deutscher wehrtechnischer Industrieverbund, der die Stärken beider Unternehmen bündelt und ihre gemeinsame Entwicklung langfristig vorantreibt.“
Der Schritt stärke den Industriestandort Deutschland, heißt es weiter. Strategisch relevante Verteidigungstechnologien bleiben demnach in deutscher Hand und Defence-Programme mit ihren langen Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren sichern hochwertige Arbeitsplätze. Kulturell kommen mit DEUTZ und FFG zwei traditionsreiche deutsche Industrieunternehmen zusammen, die Ingenieurskunst, verlässliche Produkte und kurze Entscheidungswege verbindet.
Die Transaktion soll das Wachstum des DEUTZ-Konzerns beschleunigen und dazu beitragen, dass die kommunizierten strategischen Ziele für 2030 (Umsatz von 4 Milliarden Euro, EBIT-Marge von 10 Prozent) früher erreicht werden. FFG befindet sich den Angaben zufolge in einer starken Wachstumsphase und hat das Geschäftsjahr 2025 auf Basis der Rechnungslegung nach HGB mit einem Umsatz in Höhe von rund 760 Millionen Euro abgeschlossen. Der Auftragsbestand betrage ein Vielfaches des aktuellen Umsatzes.
Mit der Übernahme von FFG erreicht DEUTZ nach eigenen Angaben einen wichtigen Meilenstein bei seiner Transformation zum breit aufgestellten Industrieunternehmen im Rahmen der Next DEUTZ-Strategie. Die Business Unit Defense mit FFG als neuem Kern werde künftig eine weitere tragende Säule des DEUTZ-Konzerns – neben den etablierten Geschäftsbereichen Energy, Engines und NewTech sowie dem Servicegeschäft als zentralem Wachstumstreiber über alle Bereiche hinweg.
DEUTZ erwartet aus dem Zusammenschluss signifikante Umsatzsynergien, insbesondere in den Bereichen Engines und Service, sowie weitere Opportunitäten durch gezielte Kostensynergien. Es wird erwartet, dass sich die Transaktion deutlich positiv auf die EBIT-Marge des kombinierten Unternehmens auswirken wird.
Mit einem Anteil von bis zu 29,9 Prozent würden die bisherigen Eigentümerfamilien von FFG zu einem neuen Ankeraktionär von DEUTZ, der die strategische Ausrichtung und die angestoßene Transformation langfristig unterstützt und konstruktiv begleitet. Entsprechend ihrer geplanten Beteiligung streben die bisherigen Eigentümerfamilien von FFG nach Vollzug der Transaktion zwei Sitze im Aufsichtsrat der Gesellschaft an. Der paritätisch besetzte Aufsichtsrat bleibe erhalten.
Die Zustimmung der Aktionäre von DEUTZ zur geplanten Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage soll bei einer außerordentlichen Hauptversammlung erfolgen, zu der das Unternehmen seine Anteilseigner für den 24. August 2026 im Rahmen einer virtuellen Hauptversammlung einlädt. Der Vollzug der Transaktion steht unter anderem unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre bei der Hauptversammlung sowie der Freigabe durch die zuständigen Behörden. Der Vollzug (Closing) wird bei Eintreten aller Bedingungen für Ende 2026 bis Q1/2027 erwartet.
DEUTZ beschäftigt weltweit rund 6.000 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von gut 2,0 Milliarden Euro.
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