„Erschwingliche Masse“ ist unrealistisch: Neukonzeption und Realisierung von Masse mit Collaborative Combat Aircraft

Christoph Bergs

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„Erschwingliche Masse“ ist ein unpassender Rahmen, um unbemannte Kampfflugzeuge zu beschreiben. System- und Bewaffnungskosten unterminieren die gängige Argumentation, wonach der massenhafte Einsatz unbemannter Kampfflugzeuge (Collaborative Combat Aircraft, CCA) kostengünstig möglich wäre. Der größere Nutzen für europäische Luftstreitkräfte liegt vielmehr darin, CCAs als Mittel zur Ergänzung der bestehenden bemannten Kampfflugzeugflotte und nicht als Ersatz dafür zu betrachten.

„Masse“ lässt sich auf unterschiedliche Weise definieren, doch die derzeitige Darstellung von unbemannten Kampfflugzeugen als „erschwingliche Masse“ weckt die Erwartung, dass die Stückkosten (um eine Größenordnung) günstiger sind als bei bemannten Kampfflugzeugen, was die Beschaffung einer beträchtlichen Flotte unbemannter Systeme ermöglichen würde. So gehen beispielsweise einige Schätzungen davon aus, dass die US-Luftwaffe 2.000 unbemannte Kampfflugzeuge im Increment 2 beschaffen könnte, während in Deutschland Medienberichte von etwa 500 Systemen ausgehen. Doch die Messgröße für die Kosteneffizienz innerhalb von Kampfflugzeugflotten der 4,5. und 5. Generation sollte nicht allein durch Stückkosten oder Truppenstärken bestimmt werden.

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Zwar werden die Stückkosten eines CCA einer niedrigeren Gewichtsklasse wahrscheinlich unter denen eines bemannten Kampfjets liegen, doch können die Stückkosten nicht unter eine bestimmte Untergrenze gesenkt werden, wenn ein CCA in einem stark umkämpften Umfeld effektiv operieren können soll. Schätzungen auf der Grundlage von „Increment 1“ der US-Luftwaffe beziffern die Kosten für ein CCA (3 bis 5-Tonnen-Klasse) auf etwa 20 bis 30 Millionen US-Dollar. Dies könnte für die US-Luftwaffe im Rahmen des US-Verteidigungshaushalts und der Herausforderungen im indopazifischen Raum ein akzeptabler Preis sein – allerdings bleibt abzuwarten, welche Schlussfolgerungen die US-Luftwaffe aus operativen Analysen, Tests und Bewertungen zieht.

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Für eine europäische Luftwaffe kann dieser Preis an sich nicht als erschwinglich – geschweige denn als vernachlässigbar (in dem Sinne, dass hohe Verlustzahlen akzeptabel wären) – bezeichnet werden. Dies gilt umso mehr, als die Mindestanforderung für das Verhältnis von bemannten zu unbemannten Fluggeräten zunehmend mit mindestens 1 zu 2 und sogar bis zu 1 zu 4 veranschlagt wird. Ob CCAs in großer Stückzahl erschwinglich sind, ist daher spekulativ, da eine Beschaffung auf Basis eines ähnlichen Verhältnisses durch eine europäische Luftwaffe Auswirkungen auf den Haushalt, die Logistik und die Personalausstattung und damit auf die daraus resultierenden Kompromisse bei der Streitkräftestruktur und den Fähigkeiten hat. Die grundlegende Frage lautet jedoch: Warum wird in den aktuellen CCA-Konzepten eine große Stückzahl gefordert?

Was bringt eine große Stückzahl im Luftkampf?

Masse kann sicherlich Wirkungen hervorrufen. Masse kann Sättigung und Abnutzung erzeugen und sogar zur Abschreckung nützlich sein. Die dafür erforderlichen Mittel sind jedoch zu geringeren Kosten verfügbar als ein umfangreiches CCA-Programm. Der Engpass für viele europäische Luftstreitkräfte ist ein Mangel an Munition. In einem Konflikt zwischen gleichstarken Gegnern würde die Munition wahrscheinlich zur Neige gehen, bevor Jet- oder Pilotenverluste die Streitkräfte schwächen. Ebenso gibt es kostengünstige Lösungen, wenn neben dem Einsatz hochentwickelter (bemannter) High-End-Systeme auch Sättigung oder Abnutzung erreicht werden soll – beispielsweise im Rahmen von SEAD/DEAD oder bei der Luftverteidigung. Kampfverbände könnten High-End-Munition mit Täuschkörpern, kostengünstigen Lenkwaffen (z. B. Plattformen vom Typ Geran) und streitkräftegemeinsamer Feuerunterstützung kombinieren. Wenn diese zu einem Paket gebündelt werden, steigt zwar der Preis pro Salve, doch dies hat den Vorteil, dass dem Gegner ein weitaus komplexeres Zielspektrum präsentiert wird. Darüber hinaus bietet dies den Kommandeuren Flexibilität, die Systeme auf die gewünschten Effekte abzustimmen.

Natürlich ist die Frage der Masse der Luftfahrzeuge relevant, wenn es darum geht, verfügbare Flugzeuge für Einsatzflüge zu nutzen sowie diese im Rahmen eines umfassenderen Luft-Einsatzplans zu koordinieren und zu sequenzieren. Ist jedoch die zahlenmäßige Masse und der Munitionseinsatz gegen Ziele die entscheidende Größe, lässt sich dies auch ohne die Entwicklung experimenteller CCAs bewältigen. Dazu müssen die Beschaffung von Munition, Sättigungsfeuer und die Integration von Feuerplänen ausreichend priorisiert werden.

CCAs als Instrument zur Erzeugung von Masse in Luftoperationen

Darüber hinaus ist die häufig betonte Sichtweise, dass Masse durch die Anzahl der Flugzeuge bestimmt wird, eine vereinfachende Sichtweise darauf, wie Luftstreitkräfte Kampfkraft (und Masse) in Zeit und Raum erzeugen und konzentrieren. Der effektive Einsatz von Luftstreitkräften basiert auf der zeitnahen, koordinierten und aufeinander abgestimmten Zuweisung von Maßnahmen und Wirkungen. Ausgehend von der untersten Ebene baut sich ein Rhythmus taktischer Aktionen auf, der zu Ergebnissen auf operativer und sogar strategischer Ebene führt. Die inhärente Flexibilität, Reichweite und Geschwindigkeit der Luftstreitkräfte ermöglichen es, Kräfte rasch zu verteilen und zu konzentrieren, wobei sie aus verschiedenen Richtungen kommen, um Wirkungen zu koordinieren, Tempo aufzubauen und die Initiative zu behalten. Kampfkraft kann vorübergehend, fließend und an die beabsichtigten Effekte angepasst sein – infolgedessen lässt sich mit wenigen Flugzeugen viel erreichen. Sollen CCA eingesetzt werden, müssen sie ein funktionales Element innerhalb dieses kontinuierlichen Rhythmus sein. Auf diese Weise könnten sie dazu beitragen, Masse zu generieren, wann und wo sie benötigt wird, müssen aber angesichts der bestehenden Fähigkeiten nicht an sich „gebündelt“ werden.

Nationale Einsatzanalysen können zu erheblich unterschiedlichen Einschätzungen darüber führen, welchen Nutzen ein funktional definiertes CCA für die jeweilige Luftwaffe bietet. Im Großen und Ganzen dürfte innerhalb der europäischen Konstellation der vielversprechendste Weg für die größeren Luftstreitkräfte darin bestehen, den Schwerpunkt auf die Verstärkung von Schlüsselfähigkeiten im Streitkräftemix zu legen, anstatt mit der bestehenden Kampfkraft zu konkurrieren.

Fähigkeiten der Electronic Attack (EA), Survivable Stand-in oder Penetrative ISR, die für umkämpfte Umgebungen optimiert sind, würden die gemeinsamen Streitkräfte erheblich verstärken, indem sie die Kampfflugzeuge und andere Mittel dabei unterstützen, vorübergehend günstige Bedingungen zu schaffen und/oder Ziele präziser mit Wirkmitteln zu treffen. Mit anderen Worten: Autonome unbemannte Systeme sind in der Lage, die bestehende Kampfkraft von Luftstreitkräften zu unterstützen, anstatt sie zu ersetzen.

Die Zusammenarbeit von bemannten und unbemannten Systemen hat sich bereits seit Jahrzehnten bewährt, wenn auch mit weniger leistungsfähigen unbemannten Systemen. Selbst in jüngster Zeit haben die USA Drohnen vom Typ MQ-9 Reaper in großem Umfang eingesetzt, um während der Operation „Epic Fury“ iranische Raketenwerfer aufzuspüren und ins Visier zu nehmen. Angesichts der Tatsache, dass die Stückkosten der MQ-9 für die USA in der Vergangenheit zwischen 30 und 40 Millionen US-Dollar schwankten, gibt die Verlustrate der US-Reaper über dem Iran jedoch Anlass, zwei Aspekte zu berücksichtigen. Erstens, ob solche Stückkosten im Rahmen eines lang andauernden Einsatzes „erschwinglich“ sind, und zweitens, ob CCAs mit einem ähnlichen (oder sogar niedrigerem) Preisniveau in einem umkämpften Umfeld einsetzbar sind. Sollte man tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass sie weder erschwinglich noch einsetzbar wären, bliebe möglicherweise keine andere Wahl, als die Überlebensfähigkeit und damit die Stückkosten zu erhöhen, wodurch das Argument der Erschwinglichkeit und der Massenproduktion hinfällig würde.

Da ein autonomes unbemanntes System daher wahrscheinlich nicht kostengünstig wäre, läge der beste Return on Investment in der Spezialisierung auf bestimmte Missionsrollen, einschließlich EA und überlebensfähiger ISR, bei denen geringere Stückzahlen ausreichen.

Trotz erhöhter Stückkosten hätte dieser Ansatz mehrere Vorteile. Erstens gäbe es weniger Überschneidungen mit der Kampfflugzeugflotte und somit weniger Reibungsverluste bei der Munitionsversorgung. Zweitens verringert eine geringere Anzahl von Fluggeräten die Gesamtbelastung durch Stationierung, Mobilität, Logistik und Personal für unbemannte Systeme. Drittens wird durch die Bereitstellung einer neuen unterstützenden Fähigkeit die Daseinsberechtigung eines autonomen Systems definiert und ergänzt die Kampfkraft; dies eröffnet neue Einsatzmöglichkeiten und ermöglicht es, die vorhandenen Kampfflugzeuge gezielt und mit höheren Erfolgswahrscheinlichkeiten einzusetzen. Ebenso würde dies wahrscheinlich eine ausreichende Grundlage für die weitere finanzierte und iterative Entwicklung hin zu einer Streitmacht der 6. Generation bieten. Schließlich stellt es Fähigkeiten bereit, wie z. B. EA und überlebensfähige, fortschrittliche ISR, die in Europa ohne Unterstützung durch die USA nur selten vorhanden sind.

Autor: Christoph Bergs ist Forschungsanalyst für den Bereich Luftstreitkräfte am Royal United Services Institute for Defence and Security Studies (RUSI). Der Beitrag erschien erstmalig am 19.08.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Calibre Defence.