Collaborative Combat Aircraft: Eurofighter könnte mit Litening-Pod-Lösung zum Kommando-Flugzeug werden

Lars Hoffmann

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Nach Expertenmeinung werden unbemannte Kampfflugzeuge, sogenannte Collaborative Combat Aircraft (CCA), im Luftkrieg der Zukunft neben klassischen Fighter-Jets eine bedeutende Rolle spielen.  So könnten sie etwa für Aufklärungs- aber auch Kampfmissionen genutzt werden. Während Länder wie die USA gleich eine Reihe von CCA-Projekten umsetzen und schon seit Jahren Erfahrungen sammeln, muss Deutschland seinen Rückstand möglichst schnell aufholen, um nicht gänzlich abgehängt zu werden. Dem Vernehmen nach arbeitet die Bundeswehr gegenwärtig an einem sogenannten Phasenpapier Fähigkeitslücke und Funktionalen Forderung mit Lösungsvorschlag für eine „Jagdbomberdrohne“ für die Luftwaffe. Ein derartiges Papier stellt in der Regel den ersten Schritt für die dann folgende Beschaffung dar.

Als Anbieter für ein solches Jagdbomber-CCA bringen sich im Augenblick unterschiedliche Firmen – teilweise auch mehrgleisig – in Position. Zu nennen wären da beispielsweise Airbus Defence and Space mit dem US-Partner Kratos oder in der langen Sicht mit dem schwedischen Rüstungskonzern Saab. Auch das Münchener Start-Up Helsing soll nach dem Kauf des Flugzeugbauers Grob an einem solchen System arbeiten. Zudem spricht Rheinmetall mit drei US-Unternehmen gleichzeitig: Anduril, Boeing und Lockheed Martin.

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Es gilt als ausgemacht, dass eine solches Jagdbomber-CCA nur in Verbund mit einem dafür befähigten Kommando-Flugzeug komplexe Kampfeinsätze bestreiten könnte. Die aktuell in der Bundeswehr eingeführten Varianten des Eurofighter sollen sich dafür jedoch nicht eignen. Der Grund liegt in der bereits jetzt ausgereizten Rechner- und IT-Architektur des Flugzeuges. Experten gehen davon aus, dass ein Kommando-Flugzeug für seine Auftragserfüllung und stetige Modernisierung über zwei separate Rechner- und IT-Netze verfügen muss – eines für die Avionik des eigentlichen Kampfflugzeuges und ein separates für die Steuerung des CCA und seiner Nutzlasten.

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Beim Eurofighter ist eine solche Architektur erst mit der Ausbaustufe LTE (Long Term Evolution) geplant, diese wird aber dem Vernehmen nach erst mit einer weiteren Tranche  Anfang der 30er Jahre der Luftwaffe zulaufen.

„Die Truppenlösung“

Gleichwohl will die Luftwaffe schon vorher Erfahrungen mit der Führung von Collaborative Combat Aircraft sammeln, worauf sich auch die Industrie vorbereitet. Wie es in einer Mitte Juli veröffentlichten Pressemitteilung von Airbus und Kratos heißt, wollen die beiden Firmen der Bundeswehr ein CCA anbieten, welches auf der Kratos XQ-58A Valkyrie basiert, mit einem von Airbus hergestellten Missionssystem ausgestattet wird und bis 2029 für die deutsche Luftwaffe einsatzbereit sein soll. Dem Vernehmen nach soll nämlich 2029 nach Vorstellungen der Bundeswehr, die Fähigkeit zur Nutzung eines CCA erstmals zur Verfügung stehen. Wie ein Sprecher des BMVg bereits Anfang des Jahres hartpunkt auf Nachfrage mitteilte, sollen als Zwischenschritt bis zur Einführung des Future Combat Air Systems (FCAS), unbemannte Systeme unter Führung von Bodenstationen und/oder aus anderen Flugzeugen eingeführt werden.

Dass in einem ersten Schritt offenbar die Führung der CCA von Bodenstationen aus vorgesehen ist, dürfte auf die technischen Herausforderungen zurückzuführen sein, die bei der Führung aus einem Jet zu meistern sind. Als Führungsflugzeug kommt für die Luftwaffe in erster Linie der Eurofighter in Betracht, der das Rückgrat der Luftflotte bildet, während die zukünftig zulaufenden F-35 in erster Linie für die nukleare Teilhabe benötigt werden.

Allerdings gilt eine kurzfristige Umrüstung des Eurofighters zum Führungsflugzeug für CCA als schwierig, da umfangreiche Anpassungen bei Komponenten wie den Rechnern, der Energieversorgung, den Funkgeräten, Antennen sowie der Avionik erforderlich werden. Diese müssten obendrein noch mit den drei anderen Partnernationen des Eurofighter-Konsortiums abgestimmt werden müssen, was im schlechtestes Fall Jahre in Anspruch nehmen könnte.

Vor diesem Hintergrund bietet sich eine deutlich schnellere und kostengünstigere Lösung an, die offenbar vom Eurofighter-Hersteller Airbus verfolgt wird. Nämlich die Führung von CCA über die Kommunikationsschnittstelle eines externen Pods. Dabei müsste dieser Pod Insidern zufolge nicht einmal neu entwickelt werden. Denn die Bundeswehr beschafft 90 Litening 5 Pods zur Zielbeleuchtung des israelischen Herstellers Rafael für seiner Eurofighter-Flotte. Der Litening-Zielbeleuchtungsbehälter versetzt dank seiner fortschrittlichen Sensorik den Kampfpiloten laut Hersteller in die Lage, Bodenziele auf weite Entfernung zu beobachten, anzupeilen und für den Waffeneinsatz zu identifizieren.

Diese Pods könnten aber auch als Kommunikations-Relais dienen, denn sie haben nach Einschätzung von Experten noch genug Aufwuchspotenzial, um die Verbindung mit dem CCA zu halten – etwa durch die Integration eines Link 16. Sowohl Bauraum als auch eine dafür vorbereitete Schnittstelle sollen wohl in dem POD vorhanden sein. Auch soll der Litening 5 über ausreichend Rechenkapazitäten zur Führung des CCA verfügen. Die Zertifizierung stellt nach Ansicht von Beobachtern kein Hindernis dar, da bereits eine frühere Version des Litening für den Eurofighter zugelassen ist, und demnach nur eine Anpassentwicklung für die modernere Version notwendig wird.

Das Interface mit dem Eurofighter-Piloten könnte über ein elektronisches Tablet dargestellt werden, das auf dem Oberschenkel des Piloten fixiert wird. Welche Funktechnik bei diesem Konstrukt zu Einsatz kommt und wie das Tablet im Cockpit mit dem Pod verbunden wird, scheint noch nicht ausdiskutiert zu sein. Die Vorteile dieses provisorischen Ansatzes sind jedoch erheblich: Es sind keine bedeutenden Eingriffe in das Kampfflugzeug erforderlich, so dass auch die Eurofighter der Tranche 4 als „Behelfs-Kommando-Flugzeuge“ fungieren könnten. Hierbei soll es aber offenbar zuerst um die reine Führung des CCA – in Form von Erteilung von Missionsaufträgen – handeln. Die Steuerung einer potentiellen Nutzlast oder die Übertragung von Sensordaten sind auf diesem Weg wohl nicht ohne weiteres möglich.

Überdies könnte die Führung des CCA über einen Pod technisch auf einer anderen Plattform als dem Eurofighter entwickelt werden. So hatte Airbus bei einer Flugdemonstration vor einigen Jahren über der Ostsee Drohnen von einem Learjet aus geführt. Damit müssten für die Anfangsentwicklung keine Eurofighter vorgehalten werden.

Funktioniert der Ansatz und erhält Airbus den Auftrag zur Umsetzung, könnte die Luftwaffe womöglich bereits ab 2029 Tests mit CCA im Manned-Unmanned Teaming fliegen und so wichtige Erfahrungen über den Einsatz von unbemannten Luftkampfmitteln sammeln. Diese könnten in die eigene Doktrin einfließen, aber auch in die Weiterentwicklung des Eurofighters im Rahmen der sogenannten Long Term Evolution. Genauso sind wichtige Erkenntnisse für die Forderungen an das FCAS-Projekt und das Design zukünftiger CCA zu erwarten.

Eine Pod-Lösung könnte auch so ausgelegt werden, dass womöglich auch ein CCA, das nicht in Kooperation mit Airbus angeboten wird, angebunden werden kann. So spricht Rheinmetall, wie beschrieben, mit Lockheed Martin, Anduril und Boeing über ein CCA-Angebot für die Luftwaffe, wobei Boeing mit der MQ-28 „Ghost Bat“ in der Entwicklung und den Tests am weitesten fortgeschritten sein dürfte.

Sollte die Luftwaffe in einem ersten Schritt gleich zwei CCA beschaffen, was hinsichtlich des Wettbewerbs sicherlich wünschenswert sein dürfte, könnten dann vielleicht beide bereits von Beginn an aus einem Fighter geführt werden.  

Lars Hoffmann