Nun offiziell: Airbus und Kratos kooperieren bei unbemanntem Kampfflugzeug für die Luftwaffe

Lars Hoffmann

Anzeige

Die Bundeswehr beabsichtigt, bereits im Vorfeld der trilateralen Vorhaben Future Combat Air System (FCAS) und Next Generation Weapon System (NGWS) bemannte und unbemannte Luftkampfsysteme im Verbund einzusetzen, wie hartpunkt bereits Anfang März berichtete. Die unbemannten Luftfahrzeuge sollen den damaligen Ausführungen des BMVg gegenüber hartpunkt zufolge bemannte Kampfflugzeuge ergänzen oder gegebenenfalls sogar ersetzen.

Wie hartpunkt damals zudem berichtete, sollen sich Airbus Defence and Space und das US-amerikanische Technologieunternehmen Kratos zusammengetan haben, um der Deutschen Luftwaffe zeitnah ein flugerprobtes unbemanntes Flugzeug (Uncrewed Collaborative Combat Aircraft – UCCA) anbieten zu können, welches im Verbund mit den bemannten Systemen der Luftwaffe kämpfen soll. Eine Stellungnahme dazu lehnte Airbus damals ab.

Anzeige

Heute jedoch bestätigte der europäische Flugzeugbauer die Kooperation mit Kratos. Wie es in einer Pressemitteilung von Airbus heißt, wollen die Unternehmen der Bundeswehr ein UCCA anbieten, welches auf der Kratos XQ-58A Valkyrie basiert, das mit einem von Airbus hergestellten Missionssystem ausgestattet wird und bis 2029 für die deutsche Luftwaffe einsatzbereit sein soll.

Anzeige

Fachkreise gehen davon aus, das die Nutzung eines UCCA wie der Valkyrie für Tests von Airbus und der Luftwaffe vermutlich den Vorteil hätte, dass man hinsichtlich des Air Frame und der Zulassung auf bestehendes Know-how aufbauen und sich deshalb auf die wichtigen Fragen der Zusammenarbeit zwischen Kampfjet und den unbemannten Komponente eines Luftkampfsystems konzentrieren könnte.

„Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage haben unsere Kunden einen dringenden Bedarf an sowohl verbrauchbaren als auch nicht verbrauchbaren kollaborativen Kampfflugzeugen geäußert“, wird Michael Schöllhorn, CEO von Airbus Defence and Space, in der Mitteilung zitiert. „Die Zusammenarbeit von Kratos und Airbus, die auf einer bestehenden und bewährten UAS-Plattform basiert und über ein souveränes Multi-Plattform-Missionssystem verfügt, wird unseren Soldaten in Europa noch vor Ende dieses Jahrzehnts entscheidende Fähigkeiten liefern. Diese Partnerschaft wird dazu beitragen, die Verteidigungsfähigkeit Europas zu stärken und gleichzeitig die transatlantischen Beziehungen der NATO zu fördern“, so der Airbus-CEO weiter.

Das für den deutschen Kunden angebotene Missionssystem von Airbus ist Herstellerangaben zufolge dank seiner plattformunabhängigen Systemarchitektur so konzipiert, dass es sich nahtlos in die Valkyrie und andere bestehende und zukünftige Plattformen im wachsenden Ökosystem bemannter und unbemannter Plattformen integrieren lässt.

Die XQ-58A ist Airbus zufolge eine schwer erkennbare, von einer Schiene aus startende Drohne mit einem maximalen Startgewicht von drei Tonnen. Der US-Konzern arbeitet bereits seit Ende der vergangenen Dekade an der strahlgetriebenen Valkyrie, die im März 2019 ihren Erstflug absolvierte. Das unbemannte Luftfahrzeug ist dafür ausgelegt, kinetische und nicht-kinetische Effekte zu erzielen, entweder in autonomen Missionen oder im Einsatz mit teamfähigen Kampfjets. Die Reichweite des Prototyps wird mit 3.000 Meilen in einer Höhe von bis zu 45.000 Fuß zurücklegen. Ein Fokus bei der Entwicklung liegt auf einem niedrigen Preis, um große Stückzahlen beschaffen zu können. Nach Angaben des US-Unternehmens liegen die Kosten bei weniger als 10 Millionen US-Dollar pro Stück. Beim Design des Flugzeugs greift Kratos auf seine Erfahrungen bei Zieldrohnen zurück, die laut dem Hersteller wesentliche Flugeigenschaften von Fighter-Jets aufweisen.

Die im hohen Unterschallbereich fliegende Valkyrie kann den Angaben zufolge 600 Pfund an Waffen im internen Bombenschacht und nochmals 600 Pfund als Außenlast tragen. Der Start erfolgt – unterstützt von Booster-Raketen – von einem Katapult. Gelandet wird mit dem Fallschirm, wie bei Zieldrohnen nicht unüblich. Die Landung mit dem Fallschirm beinhaltet überdies einen Sicherheitsaspekt, da bei einem Absturz weniger Kollateralschäden zu erwarten wären. Kratos zufolge ist die Valkyrie nach der Fallschirmlandung „binnen Tagen“ wieder einsatzbereit. Kratos sieht das Flugzeug nach eigenen Angaben in erster Linie als „Test Bed“, um die vielen Facetten der Kooperation von bemannten und unbemannten Flugzeugen zu testen.

Lars Hoffmann