Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Delegation des US-Rüstungskonzerns Raytheon empfangen, um über das Luftverteidigungssystem Patriot und speziell die Koproduktion von Patriot-Abfangflugköpern in der Ukraine zu sprechen. Ein entsprechender Tweet sowie Videomaterial des Treffens mit Raytheons Vice President Joe DeAntona wurde gestern auf dem X-Kanal des ukrainischen Präsidenten veröffentlicht.
Selenskyj bedankt sich in dem Tweet für die Bereitschaft des Unternehmens, eine vertiefte Partnerschaft voranzubringen. Über die Koproduktion habe er mit US-Präsident Donald Trump während des NATO-Gipfels in Ankara gesprochen. Trump hatte seinerzeit angekündigt, der Ukraine eine Lizenz zur Patriot-Produktion zu gewähren. Was dies beinhalten könnte, war jedoch unklar.
Bei dem Patriot-Flugkörper dürfte es sich um die PAC-2 GEM-T von Raytheon handeln. Medienberichten zufolge produziert Raytheon nur noch diesen Patriot-Effektor. Gegenwärtig baut das Unternehmen in Zusammenarbeit mit MBDA Deutschland eine Produktionsline für die Boden-Luft-Rakete in Schrobenhausen auf. Die ersten Flugkörper sollen Ende des Jahres zur Verfügung stehen. Für die Herstellung in Deutschland mussten in den vergangenen Jahren zahlreiche Zulieferer in Europa gefunden und qualifiziert werden. Bislang liegen Bestellungen für 1.000 Flugkörper vor. Beobachter gehen davon aus, dass noch deutlich mehr dazukommen dürften, auch aus Deutschland.
Raytheon-Manager DeAntona hatte bereits Ende vergangenen Jahres in einem Interview mit hartpunkt gesagt, dass sein Unternehmen deutliche „Nachfragesignale“ aus der NATO und EU für die Bestellung weiterer GEM-T habe. Die zusätzliche Nachfrage werde zu einem großen Teil aus Schrobenhausen gedeckt, sagte er damals. Jetzt geht es offenbar darum, eine weitere Fertigungslinie in der Ukraine aufzubauen.
Neue PAC-2 GEM-T wurden in den vergangenen Jahren offenbar nur von Patriot-Nutzern außerhalb der USA beschafft, da die US-Streitkräfte auf die für die Abwehr ballistischer Raketen auf die leistungsfähigere PAC-3 MSE von Lockheed Martin setzen. Hier scheint allerdings aufgrund des hohen Flugkörperverbrauchs in Folge des Iran-Krieges ein Umdenken stattgefunden zu haben. So berichtet die US-Publikation „The War Zone“, dass die U.S. Army vermutlich im April erstmals seit mehr als 30 Jahren GEM-T-Raketen bestellt hat. Dem Bericht zufolge könnte sich der Auftragswert auf rund 440 Millionen US-Dollar belaufen. Begründet werde die Order mit dem Bedarf aufgrund der Operation „Epic Fury“.
Lars Hoffmann


















