VW-Werk in Osnabrück soll Technologie für Luftverteidigung produzieren

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Die Volkswagen AG hat sich heute mit dem Land Niedersachsen und dem israelischen Investor Aurelius Capital über den möglichen Verkauf der Volkswagen Osnabrück GmbH verständigt. Ziel dieser Transaktion sei es, den Standort langfristig zu erhalten, schreibt VW in einer Mitteilung. Der Plan sieht den Angaben zufolge vor, dass Aurelius als Mehrheitseigentümer gemeinsam mit dem Land Niedersachsen die Volkswagen Osnabrück GmbH übernehmen soll.

Aurelius und das Land Niedersachsen wollen den Standort demnach in den kommenden Jahren zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen weiterentwickeln. Als erstes Ankerprojekt sei eine Zusammenarbeit von Aurelius und dem Land Niedersachsen mit dem staatlichen israelischen Unternehmen Rafael Advanced Defense Systems vorgesehen. Dabei gehe es um die mögliche Fertigung von Systemen und Komponenten für Luftverteidigungssysteme für Deutschland und Europa.

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Wie die niedersächsische Staatskanzlei schreibt, haben dazu das Land Niedersachsen, Rafael Advanced Defense Systems und Aurelius Capital heute eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet.

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Während Rafael seine technologische Kompetenz und langjährige Erfahrung im Bereich moderner Luftverteidigungssysteme einbringen würde, solle die Belegschaft in Osnabrück beim Aufbau der Fertigung und der Industrialisierung eine zentrale Rolle übernehmen. Die Zusammenarbeit solle zugleich den Weg für weitere Partnerschaften und Projekte unter dem Dach der neuen Gesellschaft ebnen, heißt es in der VW-Mitteilung.

„Die Technologie im Zentrum dieser Partnerschaft ist für die Verteidigung von heute, morgen und weit darüber hinaus konzipiert. Unsere bewährte Kampftechnologie entwickelt sich ständig weiter, um den Bedrohungen voraus zu sein – damit hochzuverlässige Verteidigung immer gewährleistet ist. Heute bauen wir eine langfristige industrielle Beziehung mit unseren deutschen Partnern auf, mit der Idee, dass die Technologie vollständig in Deutschland produziert werden wird, um Deutschland und Europa zu schützen“, sagte Yoav Tourgeman, Präsident und CEO von Rafael Advanced Defense Systems, laut Mitteilung der niedersächsischen Staatskanzlei, die darauf verweist, dass Rafael seit mehr als 20 Jahren in Deutschland tätig ist. Durch seine Tochtergesellschaften Dynamit Nobel Defence, EuroSpike und EuroTrophy GmbH habe das Unternehmen eine starke Präsenz und gut entwickelte Strukturen auf dem deutschen Markt inne. Diese Initiative vertiefe die langjährige deutsch-israelische Partnerschaft weiter.

Presseberichten zufolge könnte die Produktion von Komponenten für das Luftverteidigungssystem Iron Dome aufgenommen werden. So schreibt die Jerusalem Post, dass es womöglich um die Herstellung von Fahrzeugen, Startgeräten, Generatoren und weiterer Ausrüstung, jedoch nicht um den Abfangflugkörper Tamir, gehen könnte.

Laut einem Bericht der FAZ soll auch der Umbau von VW-Pickups des Typs Amarok für das polnische Rüstungsunternehmen WB Group als Träger von Drohnensystemen in der Diskussion sein.

Volkswagen hatte der Mitteilung zufolge bereits 2024 entschieden, die Fahrzeugfertigung am Standort Osnabrück im Sommer 2027 auslaufen zu lassen. Das Unternehmen werde den Übergang in die neue Gesellschaftsstruktur begleiten und dabei seine industrielle Erfahrung, seine Kompetenz in Entwicklung und Industrialisierung sowie die vorhandene Infrastruktur in den weiteren Prozess einbringen, schreibt Deutschlands größter Automobilkonzern. Osnabrück solle sich schrittweise vom Kompetenzzentrum für Kleinserien und Spezialfahrzeuge zum Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen entwickeln.

Die vorhandenen Fertigungsstrukturen, die hohe Qualifikation der Beschäftigten sowie die langjährige Erfahrung in Produktion, Qualität und Industrialisierung schaffen dafür die Voraussetzungen, wie aus der VW-Mitteilung hervorgeht. Ziel sei es, ein strategisches Zukunftsfeld zu erschließen und industrielle Wertschöpfung sowie qualifizierte Beschäftigung langfristig zu sichern. Die Entwicklung soll schrittweise erfolgen und sich an konkreten Vorhaben und Partnerschaften orientieren.

Nach Aussage von Olaf Lies, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, haben sich die Sicherheitslage und das Schutzbedürfnis grundlegend verändert. „Deutschland und Europa müssen ihre Fähigkeiten stärken und unabhängiger werden. Niedersachsen will dazu beitragen, dass daraus Wertschöpfung und sichere Beschäftigung entstehen. Osnabrück kann dabei eine wichtige Rolle übernehmen.“

„Osnabrück bringt etwas mit, das man nicht aufbauen kann: langjährige Erfahrung bei anspruchsvollen Produkten, präzise Fertigungsabläufe und hohe Qualität, eingespielte Teams und eine starke Tradition. Gleichzeitig eröffnet sich die Möglichkeit, neue Technologien und neue Geschäftsfelder an den Standort zu holen“, betonte Tomer Jacob, Managing Director Aurelius. Die heutige Vereinbarung sei deshalb ein wichtiger Schritt. „Nun wollen wir gemeinsam daran arbeiten, daraus eine tragfähige und langfristige Perspektive zu entwickeln.“

Nach Aussage von Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei Volkswagen, eröffnet sich mit der Einigung eine neue industrielle Perspektive für Osnabrück und die Region. Der Mitteilung zufolge erhalten mehr als 1.200 Menschen eine Perspektive an ihrem Standort.

Die unterzeichneten Vereinbarungen zwischen den Beteiligten bilden die Grundlage für die nächsten Schritte zur Entwicklung der geplanten Gesellschaftsstruktur. Dazu gehören die Festlegung der künftigen Verantwortlichkeiten, die wirtschaftliche und organisatorische Ausgestaltung sowie die Vorbereitung des möglichen Übergangs der Volkswagen Osnabrück GmbH.

Der Vollzug steht unter dem Vorbehalt abschließender Vereinbarungen, erforderlicher Gremienbeschlüsse und behördlicher Prüfungen. Über Einzelheiten zu den geplanten Aktivitäten, dem Zeitplan und der Beschäftigungsperspektive wird informiert, sobald belastbare Ergebnisse vorliegen, wie VW schreibt.

Aurelius Capital ist laut Mitteilung eine internationale Investmentgesellschaft mit Hauptsitz in Tel Aviv, Israel. Das Unternehmen investiert in innovative Technologieunternehmen mit Fokus auf Verteidigung, Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und kritische Infrastruktur. Mit einem Netzwerk aus erfahrenen Investoren sowie führenden Persönlichkeiten aus Sicherheits- und Verteidigungsorganisationen unterstütze Aurelius Capital seine Beteiligungen aktiv bei ihrer strategischen und operativen Weiterentwicklung.
lah