Rheinmetall eröffnet Munitionswerk „Niedersachsen“ und schließt Vertrag für Pulverfabrik in Rumänien

Lars Hoffmann

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Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall hat heute sein neues Munitionswerk „Niedersachsen“ in Unterlüß eröffnet. Bei der feierlichen Veranstaltung, an der unter anderem NATO-Generalsekretär Mark Rutte, Finanzminister Lars Klingbeil und Verteidigungsminister Boris Pistorius teilnahmen, schloss der Konzern auch einen Vertrag mit dem rumänischen Wirtschaftsminister Radu-Dinel Miruta zum Aufbau einer neuen Pulverfabrik.

Nach Aussage von Rheinmetall-CEO Armin Papperger sollen in das Greenfield-Projekt in dem südosteuropäischen Land von der Regierung in Bukarest und Rheinmetall rund 550 Millionen Euro investiert werden. Geplant sei die Errichtung binnen 18 Monaten. In Bulgarien sollen seinen Worten zufolge in den kommenden Wochen die Verträge für zwei Werke für die Munitionsfertigung geschlossen werden.

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„Was Sie hier sehen, macht Rheinmetall an zehn oder zwölf Standorten“, sagte Papperger mit Bezug auf das neue Werk Niedersachsen, das binnen 14 Monaten errichtet wurde. Allerdings seien andere Werke in Europa nicht so groß, räumte er ein. Nach vollzogenem Endausbau soll es im Jahr 2027 eine Fertigungskapazität von 350.000 Artilleriegranaten im Kaliber 155 mm haben und damit das größte Munitionswerk Europas sein. Gegenwärtig werden zwei Typen von Sprenggeschossen, eines davon als Base Bleed, hergestellt. Der Probebetrieb wurde bereits im April aufgenommen und im laufenden Jahr sollen 25.000 Schuss produziert werden, im kommenden Jahr dann 140.000 Schuss. Das Investitionsvolumen wird auf fast 500 Millionen Euro beziffert.

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Papperger sagte, dass er die Investition aufgrund eines „Handshake-Agreements“ mit Verteidigungsminister Pistorius, ohne dass seinerzeit bereits Verträge vorlagen, getätigt habe. Er bezeichnete Pistorius als den Vater der Fabrik, der die Forderung nach umfassender Automatisierung gestellt habe. Dies sei auch erfüllt worden. Insgesamt sollen laut Rheinmetall im Rahmen des Projektes bis zu 500 Arbeitsplätze entstehen, davon 350 im Werk Niedersachsen und 150 weitere, wenn 2026 die Raketenmotorfertigung ihre Arbeit aufnimmt.

Sondiert wird gegenwärtig offenbar, ob die vom US-Konzern Lockheed Martin entwickelte Kurzstreckenrakete ATACMS in Europa produziert werden könnte, wenn die Produktion in den USA im kommenden Jahr ausläuft. Hier scheinen die Vorzeichen positiv zu sein. Dem Vernehmen nach hat die US-Regierung dagegen im Augenblick nicht die Absicht, eine Fertigungslinie für den Boden-Luft-Flugkörper PAC-3 MSE in Europa zu genehmigen. Der PAC-3 gilt als der leistungsfähigste Flugkörper zur Raketenabwehr innerhalb des Patriot-Systems. Ein Lockheed-Martin-Vertreter hatte vor wenigen Wochen in Wiesbaden angekündigt, die Produktion der Rakete bis zum Jahr 2027 von 650 auf 750 Einheiten pro Jahr zu steigern.

Papperger lobte in seiner Rede in Unterlüß die Zusammenarbeit mit der niedersächsischen Landesregierung von Ministerpräsident Olaf Lies beim schnellen Aufbau der Munitionsfabrik. Der Rheinmetall-CEO will nach eigenen Worten dabei helfen, eine Defence-Messe in Niedersachsen zu etablieren. Im März 2027 soll zum ersten Mal die DSEI Germany – ein Ableger der DSEI in London – auf dem Messegelände in Hannover stattfinden. Wie Ministerpräsident Lies im Gespräch mit hartpunkt betonte, hat er für das Messe-Projekt neben der Unterstützung Rheinmetalls auch die des Verteidigungsministeriums. Die Zeit bis 2027 benötige man für die Vorarbeiten, so Lies.

Lars Hoffmann