Deutsche Raumfahrtagentur startet Markterkundung für bodengebundene Counter-Space-Systeme

Lars Hoffmann

Anzeige

Die Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat für die Bundeswehr eine Markterkundung für bodengebundene Counter-Space-Systeme zur Einwirkung auf die Satellitenkommunikation gestartet. Gesucht werden marktverfügbare Systeme, mit denen sich satellitengestützte Kommunikation stören oder täuschen lässt. Die entsprechende Vorinformation wurde heute auf der europäischen Vergabeplattform TED veröffentlicht.

Bei der Markterkundung geht es noch nicht um ein Vergabeverfahren, sondern um eine unverbindliche Abfrage verfügbarer Fähigkeiten. Die Deutsche Raumfahrtagentur will sich einen Überblick darüber verschaffen, welche bodengebundenen Systeme existieren und kurzfristig beschafft werden könnten.

Anzeige

Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen drei Wirkungsarten: Degrade, Deny und Manipulate. Systeme sollen demnach in der Lage sein, Satellitenkommunikation in ihrer Leistungsfähigkeit zu mindern, sie vollständig zu unterbrechen oder die über Satellit übertragenen Informationen zu verfälschen. Dabei können sowohl vollständige Systeme als auch Teilsysteme angeboten werden.

Anzeige

Betrachtet werden sollen sowohl ortsfeste als auch mobil beziehungsweise verlegefähige Lösungen. Von den Anbietern verlangt die Deutsche Raumfahrtagentur unter anderem Angaben dazu, in welchen Orbits – Low Earth Orbit (LEO), Medium Earth Orbit (MEO) und Geostationary Orbit (GEO) – die Systeme grundsätzlich wirken können und in welchen Frequenzbändern das Wirken möglich ist. Anbieter sollen unter anderem darlegen, welche Daten für die Voreinweisung benötigt werden und welche externen Schnittstellen erforderlich sind.

Eine Anfangsbefähigung ist für 2029 vorgesehen. Für die Herstellung dieser Erstbefähigung sind laut Veröffentlichung maximal zwei Jahre projektiert. Anschließend soll innerhalb von etwa 3,5 Jahren eine Vollausstattung zur Abdeckung des Verantwortungsbereichs einer Brigade aufgebaut werden. Eine vollständige Befähigung der Bundeswehr soll innerhalb von sechs Jahren möglich sein.

Bei mobilen Systemen wird zudem nach deren Eignung für die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) gefragt. Die Anbieter sollen unter anderem Angaben zur Mobilität abseits befestigter Straßen sowie zur Einsatzfähigkeit unter unterschiedlichen Witterungsbedingungen machen. Gefordert wird eine Abdeckung der Klimazonen A2, A3, B1, B3, C0, C1 und C2.

Ein wesentlicher Aspekt der Markterkundung betrifft die Nebenwirkungen der elektronischen Wirkmittel. Die Deutsche Raumfahrtagentur weist darauf hin, dass durch den Einsatz eigener Wirkmittel im elektromagnetischen Spektrum die gestörten Frequenzbereiche auch für die eigenen Kräfte nicht mehr nutzbar sind. Von den Anbietern werden deshalb entsprechende Prognosen zu den Auswirkungen verlangt.

Neben der eigentlichen Systemleistung interessieren sich die Beschaffer für Modularität und Skalierbarkeit sowie für Anforderungen an Betrieb, Ausbildung, Wartung und logistische Unterstützung. Ebenfalls abgefragt werden die Verfügbarkeit der Systeme, mögliche Exportbeschränkungen einschließlich der US-Exportkontrollregeln gemäß ITAR sowie indikative Beschaffungskosten und Betriebskosten.

Anbieter sollen unter anderem nachgewiesene oder geplante Fähigkeiten, technische Spezifikationen, die Charakteristika der Wirkkomponenten sowie ein grundsätzliches Concept of Operations (CONOPS) darstellen. Darüber hinaus wird eine Ressourcenplanung für den Verantwortungsbereich einer Brigade verlangt. Als Referenz kann laut Bekanntmachung die öffentlich verfügbare Struktur der Brigade Litauen herangezogen werden.

Die Informationen sollen der Vorbereitung eines möglichen späteren Vergabeverfahrens dienen. Interessierte Unternehmen müssen ihre Unterlagen bis 11. Oktober bei der Deutschen Raumfahrtagentur einreichen.

Lars Hoffmann