Die Rüstungskonzerne Lockheed Martin und Rheinmetall treiben die erste ATACMS-Co-Produktion in Europa voran. Bei der ATACMS (Army Tactical Missile System) handelt es sich um eine ballistische Kurzstreckenrakete mit einer Reichweite von 300 km. Die rund Mach 3 schnelle Rakete verfügt in der modernsten Variante M57 über einen WAU-23/B Unitary Gefechtskopf mit einem Gewicht von 214 kg. Das Reichweitenspektrum soll 70 bis 300 km betragen.
Mit Unterstützung der Regierungen der Vereinigten Staaten und Deutschlands soll ein Joint Venture entstehen, das ein europäisches Kompetenzzentrum für die Herstellung, Integration und Bereitstellung des Boden-Boden-Raketensystems ATACMS für NATO- und verbündete europäische Streitkräfte schaffe, schreiben die beiden Unternehmen in einer Mitteilung.
Die entsprechende Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) wurde demnach im Rahmen des NATO Summit Defense Industry Forum unterzeichnet. Die Vereinbarung adressiere den unmittelbaren Bedarf an lokal produzierter Munition in Europa und markiere den nächsten Schritt beim Ausbau europäischer Produktionskapazitäten für kampferprobte Präzisionswaffen.
Armin Papperger, CEO der Rheinmetall AG, wird mit der Aussage zitiert: „Mit dem Aufbau der ATACMS-Produktion am Rheinmetall-Standort Unterlüß schaffen wir neue Fähigkeiten für Deutschland und Europa, sichern die Versorgung unserer Kunden und stärken unsere verteidigungspolitische Autonomie. Wir sind dankbar, dass Rheinmetall ausgewählt wurde, die weltweit erste und einzige Produktionsstätte für ATACMS-Lenkflugkörper außerhalb der Vereinigten Staaten aufzubauen und zu betreiben.“
Der Standort Unterlüß von Rheinmetall zählt zu den wichtigsten Standorten des Unternehmens. Insgesamt arbeiten dort rund 4.000 Beschäftigte. Zu den Kernkompetenzen zählen die Produktion von Waffensystemen und Munition sowie die Entwicklung, Herstellung und Instandhaltung von Kettenfahrzeugen. Im vergangenen Jahr wurde dort das „Werk Niedersachsen“ – eine der modernsten Produktionsstätten für Artilleriemunition – in Betrieb genommen. Eine Fabrik für Raketenmotoren steht nach Angaben von Rheinmetall kurz vor der Fertigstellung. Die Produktion von Raketenmotoren und Komponenten für Lenkflugkörper soll bereits 2027 beginnen.
ATACMS hat laut Hersteller seine operative Wirksamkeit, Präzision und Zuverlässigkeit über Jahrzehnte in hochintensiven Konflikten unter Beweis gestellt. Angesichts der hohen weltweiten Nachfrage werde Lockheed Martin seine bestehende Produktionslinie in Camden, Arkansas, weiter betreiben, bis der Übergang abgeschlossen ist.
„Der Aufbau einer ATACMS-Co-Produktion in Deutschland ist ein starkes Signal für die europäische Verteidigungsindustrie und die Resilienz der NATO. Die Partnerschaft verbindet bewährte US-Technologie mit europäischer Produktionsstärke, schafft industrielle Wertschöpfung in Deutschland und erweitert die Kapazitäten, die Verbündete angesichts wachsender Sicherheitsanforderungen benötigen“, so Dennis Goege, Chief Executive Europe bei Lockheed Martin.
lah

















