FCAS – Zeit, gemeinsam getrennte Wege zu gehen!

Waldemar Geiger

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Die industriepolitischen sowie militärbedarfstechnischen Fronten beim trinationalen Rüstungsvorhaben Future Combat Air System (FCAS) sind seit geraumer Zeit eingefroren. Selbst die hochkarätige politische „Mediation“ hat nach über einem Jahr keine Fortschritte bei der Auflösung des Spannungsfeldes erzielen können, so dass es nun überfällig ist, neue Wege einzuschlagen.

Im Sommer 2017 als politische Initiative und aus der Not knapper Verteidigungsressourcen zwischen Deutschland und Frankreich geboren, war das Vorhaben – wie so viele deutsch-französische Projekte zuvor – von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Denn es sollten gleich auf mehreren Ebenen Akteure zusammenarbeiten, die gänzlich konträre Interessen und Anforderungen haben. Unabhängig vom ständigen Zankapfel Export- und Industriepolitik – wer kriegt welche Anteile und wer darf mitbestimmen, wohin die Systeme verkauft werden? – stellen die unterschiedlichen operativen Forderungen der Streitkräfte beider Nationen de facto eine Problemlage auf, die nicht gelöst werden kann, ohne dass große Verzichte auf beiden Seiten erfolgen. Während Frankreich trägerfähige Flugzeuge braucht, um im Bedarfsfall die weltweit verstreuten französischen Gebiete sichern zu können, braucht die deutsche Luftwaffe größere und schwerere Maschinen, die aus der Tiefe des eigenen Raumes kommend lange Stehzeiten im Einsatzgebiet vorweisen können.

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Da sich die haushälterischen Vorzeichen seit 2017 geändert haben und der Faktor Zeit aufgrund der neuen Weltlage im Allgemeinen und der aktuellen Bedrohungslage im Speziellen heute eine viel höhere Bedeutung einnimmt, erscheint ein Neuansatz bei der Entwicklung und Beschaffung eines neuen Luftkampfsystems mehr als geboten. Anstatt nicht vorhandene Zeit für eine Konsensfindung zu vergeuden, die beim nächsten Projektmeilenstein wieder kassiert wird, sollte Deutschland die bis dato gewonnenen Erkenntnisse mitnehmen und mit einem neuen, eigenem Ansatz schneller und effektiver zum Ziel kommen.

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Dieser neue Weg müsste nicht mal ohne Partner beschritten werden, da man dort, wo es sinnvoll und notwendig ist, weiterhin auf eine Zusammenarbeit auf Komponenten- oder Teilsystemebene mit internationalen Partnern setzen könnte.

Im Gegensatz zu einer Beteiligung an bereits laufenden FCAS-Konkurrenzvorhaben wie dem britisch-italienisch-japanischen Global Combat Air Programme (bei dem sowohl die operativen Forderungen an das System bereits festgezurrt sind und das industriepolitische Bärenfell bereits verteilt ist) oder dem Zusammenschluss mit einem neuen Partner wie beispielsweise Schweden (wo es auch Unterschiede bei den operativen Forderungen an das System zu geben scheint), könnte Deutschland auf diesem Wege sowohl alle operativen als auch industriepolitischen Forderungen gleichzeitig realisieren. Einzelne Komponenten – wie das Radar oder Triebwerke – oder Waffensysteme, Remote Carrier sowie Combat-Cloud-Infrastruktur des Gesamtsystems könnten dabei weiterhin in Kooperation entwickelt und realisiert werden.

Auf diesem Weg würde sich Deutschland an gebotener Stelle weiterhin Entwicklungsarbeiten und -Kosten sparen können, ohne sich in die Abhängigkeit Dritter begeben zu müssen. Gleichzeitig würde kritisches Know-how im Land verbleiben sowie die Luftwaffe genau jenes Waffensystem erhalten, welches es für die zukünftige Luftkriegsführung als erforderlich erachtet.

Der smarte Weg wäre es also, FCAS einzustampfen und gemeinsam getrennte Wege in der Entwicklung zukünftiger Luftkampfsysteme zu gehen.

Waldemar Geiger