Das amerikanische KI-Unternehmen Anthropic berichtet in seinem im September 2026 veröffentlichten Threat Report über mehrere Fälle, in denen Akteure aus China, Russland und dem Jemen das KI-Modell des Unternehmens mit dem Namen Claude entgegen den Nutzungsbedingungen für die Entwicklung konventioneller Waffen und zugehöriger Software eingesetzt haben.
Das Unternehmen identifizierte nach eigenen Angaben insgesamt sechs Fälle in China, Russland und im Jemen, bei denen die Akteure ihr bereits vorhandenes Know-how mithilfe von KI erweitern wollten. Dabei wurde Claude unter anderem für die Entwicklung von Software für Raketen, Anti-Torpedo-Systemen, Drohnenschwärme sowie Ziel- und Feuerleitsysteme sowie für nachrichtendienstliche Recherchen und die Beschaffung von Dual-Use-Gütern eingesetzt.
Ausführlich wird in dem Bericht eine im Norden des Jemens lokalisierte Zelle von Akteuren beschrieben, die nach Einschätzung von Anthropic an mehreren Waffenentwicklungsprogrammen arbeitete. Dazu gehörten eine gelenkte Rakete mit einem handelsüblichen, smartphoneähnlichen Flugrechner und Endphasenlenkung, ein mehrstufiges ballistisches Flugkörpersystem mit einer angestrebten Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern sowie eine weitere Raketenfamilie, die unter anderem eine Variante mit einem Hyperschall-Gleitflugkörper umfasste.
Die Beteiligten nutzten Claude Code den Angaben zufolge insbesondere zur Entwicklung von Software für Führung, Navigation und Flugregelung (Guidance, Navigation and Control – GNC). Nach Darstellung von Anthropic übernahm Claude dabei teilweise Aufgaben, die normalerweise von menschlichen Softwareentwicklern ausgeführt werden.
Die Akteure arbeiteten dabei mit mehreren Claude-„Instanzen“ parallel und verteilten die Aufgaben ähnlich wie in einem kleinen Entwicklungsteam: Eine Instanz wurde beispielsweise mit der Programmierung, eine andere mit der Recherche und eine weitere mit der Überprüfung des erzeugten Codes beauftragt.
Anthropic schreibt in dem Bericht, dass zahlreiche Anfragen durch die eigenen Schutzmechanismen blockiert wurden, jedoch nicht alle. Die Beteiligten hätten versucht, diese Kontrollen zu umgehen, unter anderem indem sie den eigentlichen Verwendungszweck verschleierten und die Arbeiten auf mehrere Sitzungen verteilten.
Nach Angaben des Unternehmens führten die Akteure einen Feldtest mit einer gelenkten Rakete im Jemen durch. Der Test scheint fehlgeschlagen zu sein; bereits innerhalb weniger Stunden nutzten die Beteiligten Claude erneut, um die Ursachen des Fehlschlags anhand der Testergebnisse zu untersuchen, wie dem Bericht zu entnehmen ist. Anthropic schreibt, dass keine Belege dafür vorliegen, dass die Gruppe letztlich ein einsatzfähiges Waffensystem erfolgreich in Betrieb nehmen konnte.
Anthropic bezeichnet den Vorgang als „disrupted“, nachdem sämtliche mit der Zelle in Verbindung gebrachten Konten gesperrt worden seien. Erkenntnisse aus der Untersuchung wurden nach Angaben des Unternehmens außerdem an staatliche und private Partner weitergegeben.
Für unbedarfte Nutzer von Claude wird aus dem Beispiel noch etwas anderes deutlich: Der Hersteller Anthropic hat den vollen Zugriff auf die in das System eingespeisten Informationen.
Der komplette Bericht, der auch die anderen angesprochenen Fälle detailliert beschreibt, in englischer Sprache als PDF (10 MB): Detecting and countering misuse of AI: September 2026
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