Die vier deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich, die Schweiz und Luxemburg planen in Zukunft den Ausbau ihre Zusammenarbeit im Bereich des Weltraums. Überdies soll ein European Space Component Command eingerichtet werden, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius heute im Anschluss an ein Treffen mit seinen Amtskollegen aus den drei Ländern bei einer Pressekonferenz in Berlin ausführte.
Seinen Worten zufolge haben Weltraumfähigkeiten „eine immer größere, immer existenziellere und immer weniger wegdenkbare, massive und eine sich rasant weiterentwickelnde Bedeutung für jede Form militärischer Auseinandersetzung“. Die Kooperation der Streitkräfte der vier Länder, wobei Deutschland, Österreich und die Schweiz auch als D-A-CH abgekürzt werden, solle um den Schwerpunkt Weltraum erweitert werden, so Pistorius. Es gehe dabei auch um Absicherung des Friedens und die Abschreckungsfähigkeit im Weltraum. „Deswegen dürfen und können wir auf diese Fähigkeiten nicht verzichten und deswegen werden wir uns in diesem Bereich in den kommenden Jahren weiter besser aufstellen.“
Betrachte man sie Situation von unten, gehe es zunächst darum, die Startkapazitäten für Satelliten zu verbessern, um nicht zu stark von anderen Anbietern dieser Launch-Kapazitäten abhängig zu sein. „Wir brauchen eigene unabhängige Launcherkapazitäten in und für Europa“, forderte der Minister. Er wies darauf hin, dass er nicht nur auf große Satelliten blickt, sondern auch auf kleinere, die leichter auszuwechseln und ins All zu bringen seien. Beim zweiten Schritt gehe es um die Satelliten und deren technologische Fähigkeiten selbst. Dabei kann nach Einschätzung von Pistorius jedes der vier Länder wesentliche Beiträge technologischer Art leisten. Das Geld, was im Weltraum für die Sicherheit investiert werden müsse, sollte laut Pistorius „möglichst effizient, effektiv und zielgerichtet ausgegeben werden“.
Deutschland plant bis 2030 rund 35 Milliarden Euro zur Steigerung der Weltraumfähigkeiten zu investieren. Dabei wolle man „anschlussfähig“ für die Partner in Europa und darüber hinaus sein. „Weltraumfähigkeiten sind nichts, was Nationalstaaten alleine jedenfalls nicht, wenn sie keine Supermächte sind, alleine bewerkstelligen können. Wir arbeiten in der Dimension Weltraum vertrauensvoll mit euch, also Österreich, Schweiz und Luxemburg zusammen“, unterstrich der Minister.
Die Zusammenarbeit beginne bei der gemeinsamen Aus- und Fortbildung und führe dann zur Weltraumlage, um etwa Kollisionen von Objekten im Orbit zu vermeiden. Weitere Themen seien Aufklärung und der Schutz eigener Satellitensysteme. „Gleichzeitig planen wir ein European Space Component Command sowie eine Weltraumakademie. Wir wollen sie gemeinsam mit unseren engen Partnern entwickeln“, kündigte der Minister an. Man beabsichtige, die Partner frühzeitig einzubinden, „weil nur gemeinsam die besten Ergebnisse erzielt werden können“.
Die österreichische Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, wies darauf hin, dass das österreichische Bundesheer plant, drei für den operativen Einsatz bestimmte Satelliten mit nächstem Jahr in das Weltall zu bringen. Im Juli werden man dann einen Schritt weitergehen auch mit Luxemburg, was die Kooperation bei der Satellitennutzung betreffe.
Die Verteidigungsministerin Luxemburgs, Yuriko Backes, räumte ein, dass das Großherzogtum nicht sehr stark in der Luftverteidigung sei. „Aber was Satellitenkapazitäten angeht, da haben wir eine Expertise, die wir auch sehr gerne unseren Alliierten und Partnern zur Verfügung stellen. Das ist im Satcom Bereich, das ist im Erdobservationsbereich“, sagte sie.
Der Schweizer Verteidigungsminister Martin Pfister betonte, dass in keinem Bereich der Sicherheit die Abhängigkeit von außereuropäischen Technikanbietern größer sei als im Weltraum. „Der Weltraum ist von zentraler Bedeutung für die Sicherheit Europas. Und gleichzeitig ist es nicht möglich, für ein Land alleine diese Fragen zu lösen. Wir brauchen hier die Zusammenarbeit.“ Die Schweiz könne sehr viele Beiträge leisten, so Pfister. „Wir haben sehr viele Firmen in der Schweiz, die in diesem Bereich tätig sind, nicht zuletzt auch die bundeseigene Firma Beyond Gravity, die ja weltweit in diesem Bereich sehr viel Technologie liefert und hier einen substanziellen Beitrag leisten kann.“
Lars Hoffmann


















