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EAS Batteries sieht Markt in der Verteidigungsindustrie

Der Spezialist für Lithium-Ionen-Speichertechnik EAS Batteries  sieht erhebliches Potenzial für den Vertrieb seiner  Produkte  auf dem Markt für Militäranwendungen. Dabei schaut das im thüringischen Nordhausen ansässige Unternehmen gegenwärtig in erster Linie auf Anwendungen im maritimen Bereich. Denkbar sind aber noch weitere Einsatzfelder. Darunter auch  die stationäre Nutzung – etwa in Feldlagern.

EAS produziert nach eigenen Angaben hochwertige Lithiumionenzellen und -Batterien für industrielle Anwendungen mit besonderem Fokus auf Sicherheit, Haltbarkeit und mechanischer Stabilität mit größtmöglicher Fertigungstiefe am Standort Deutschland.

„Die Neuentwicklung und Patentierung des modularen Batteriesystems EASy Marine, welches bis Ende des Jahres auch die DN VGL-Zulassung erhalten wird, ist darauf ausgelegt, elektrische Systeme insbesondere im Marinebereich zu stabilisieren“, erläutert EAS-Geschäftsführer Michael Deutmeyer. Die Klassifizierungsgesellschaft DN VGL gilt seinen Wort  zufolge als Vorreiter bei der Zulassung von Lithium-Ionen-Batterien in  der     Seeschifffahrt. Bei dem neuen Marine-Batteriesystem von EAS solle die Effizienz der eingesetzten Kapazitäten – wie etwa Generatoren oder  Brennstoffzellen –   und Ressourcen wie Dieselkraftstoff, LNG oder Wasserstoff optimiert werden.

Lithium-Eisenphosphat als Basis der Zelle

Die Grundlage dieses Konzepts seien die robusten und sicheren EAS-Zellen auf Basis von Lithium-Eisenphosphatkathodenchemie in einem zylindrischen Edelstahlmantel.  „Aufgrund dieser auch für wehrtechnische Anwendungen wichtigen Parameter  ist der Produktionsstandort, die Produktionsphilosophie als auch die Produktpalette besonders für deutsche oder andere europäische Militäranwendungen prädestiniert“, ist Deutmeyer überzeugt.

Schnitt durch eine EAS-Batterie: Gut erkennbar sind die  einzelnen zylindrischen Zellen, die einen Edelstahlmantel aufweisen. Foto: EAS

Seiner Aussage zufolge ermöglicht die in ihrer Klasse einzigartige Leistungsdichte der wassergekühlten EAS-Module die Bereitstellung großer Lastspitzen und maximaler Dynamik, um große kurz- und mittelfristige Verbraucher auf Schiffen mit ausreichend Energie zu versorgen –  ohne diese Lastschwankungen an die eigentlichen Energielieferanten weitergeben zu müssen.

„Diese Hybridisierung elektrischer Antriebskonzepte findet gerade Ihren Einzug in der kommerziellen Schifffahrt und wird mit Sicherheit auch im militärischen Bereich übernommen werden“, so Deutmeyer. Entsprechendes Interesse meint EAS auch schon von der Beschaffungsseite wahrgenommen zu haben. Die Zellen des Unternehmens eigenen sich seiner Einschätzung zufolge auch für den Einsatz in Antriebsbatterien von U-Booten. Nicht zuletzt weil sie in der Zellchemie auf dem vergleichsweise sicheren Lithium-Eisenphosphat basieren.

Einen weiteren Einsatzschwerpunkt  für das neue modulare Produkt sieht der Manager in der Sicherstellung einer unterbrechungsfreien Stromversorgung von Feldlagern mit ihren diversen elektrischen Verbrauchern.  Hierzu gebe es bereits erste Gespräche auch mit weiteren nichteuropäischen NATO-Staaten.

In Summe sieht EAS Potenzial für den Einsatz seiner Produkte  in der Verteidigungsindustrie.   Allerdings will sich Deutmeyer nicht allein auf wehrtechnische Anwendungen konzentrieren: „Der lange und bisher schwer zu kalkulierende Beschaffungsvorlauf im militärischen Bereich erlaubt es derzeit nicht, das Geschäftsmodell der EAS Batteries auf diesen Markt auszurichten. Lithiumionentechnologie ist dort noch Neuland“, so der EAS-Manager.

Bereits Vorläufer von EAS mit Marine-Erfahrung

EAS Batteries ist aus der Gaia Akkumulatorenwerke GmbH hervorgegangen, die 2017 von der Monbat Group, einem  bulgarischen Batteriehersteller, übernommen wurde. Zellen von Gaia waren bereits vor einigen Jahren auf dem Experimental-Schiff PlanetSolar für dessen Weltumrundung verbaut worden. Das Unternehmen hatte auch viele Jahre mit den U-Boot-Bauern von TKMS eng zusammengearbeitet. Während die deutsche Industrie sowohl in den der Zellfertigung vorgelagerten Bereichen, als auch in den nachgelagerten – etwa der Batterieproduktion – gut aufgestellt ist, gibt es bis auf wenige Ausnahmen hierzulande keine Produktion von Lithium-Ionen-Zellen. Insbesondere, wenn es um große Zellen geht, die für den Antrieb von Fahrzeugen geeignet sind. Als eine dieser Ausnahmen gilt EAS. Dabei ist der Unternehmen in Deutschland nach eigener Einschätzung der einzige Hersteller, der Lithium-Eisenphosphat-Zellen in Serie herstellt. Die größte Wertschöpfung bei der Batteriefertigung liegt in der Zellherstellung. Diese Zellen werden mit Leistungselektronik versehen und dann zu Batterieeinheiten zusammengeschaltet. Eine Sekundärzelle ist im Gegensatz zu einer Primärzelle wieder aufladbar.

Zu den  Bereichen, in die EAS hineinwachsen will – sowohl zivil als auch zeitversetzt militärisch – ist neben den marinen und submarinen Anwendungen die Raumfahrt. Laut Deutmeyer hat das Unternehmen gerade ein Preliminary Design Review (PDR)  für eine Batterieentwicklung der VEGA C für den italienischen Raketenbauer AVIO geschlossen. Ein weiterer Fokus-Bereich sei die Luftfahrt. So fliegen laut Deutmeyer bereits die ersten VTOL-Geräte mit EAS-Batterien.  Darüber hinaus beschäftigt sich EAS mit der Hybridisierung von NRMMs (Non Road Mobile Machines), wie zum Beispiel Baggern, Kränen und Baustellenfahrzeugen. Und nicht zuletzt könnten Lithium-Ionen-Batterien bei der  Unterstützung von unterbrechungsfreien stationären Kleinnetzen eingesetzt werden.

Zellchemie wird weiter perfektioniert

Das Nordhausener Unternehmen setzt auf kontinuierliche Weiterentwicklung seines Produktportfolios. So hat nach Aussage von Deutmeyer die neue  40 Ah LFP-Zelle für extrem hohe Leistungsdichte (20C) gerade den  UN Test für die Transportsicherheit bestanden. Diese neue Zelle mit einer patentierten Laserkontaktierungstechnologie weise einen beispiellos geringen Innenwiderstand, maximale Raumausnutzung und perfekte Wärmeableitung auf. Darüber hinaus will EAS dieses Jahr das EASy Marine-Modul auf den Markt bringen.

„Die Entwicklung und Kommerzialisierung unserer neuen 48 Ah LFP-Hochenergiezelle und unserer erste ESA-zugelassenen Trägersystembatterie EASy Space wird für 2020 anvisiert“, sagt Deutmeyer.  Weitere Projekte und Patente seien in Bearbeitung und könnten womöglich noch für Aufsehen sorgen.

Nach Aussage des EAS-Geschäftsführers liegt der Fokus seines Unternehmens auf der Perfektionierung der Lithiumeisenphosphattechnologie. „Hier ist zu betonen, dass es eben nicht nur eine Optimierung der Rezeptur bedarf, sondern in ganz besonderem Maße auch der Optimierung der Verarbeitungs- und Produktionsprozesses.“ Dem hochmotoviertem EAS-Team sei es in den letzten 18 Monaten gelungen, große Schritte nach vorne zu machen. So wurde laut EAS die kalendarische Lebensdauer sowie die Zyklen-Lebensdauer mehr als verdoppelt und die Ausschussraten drastisch gesenkt. In den nächsten Schritten soll der Produktionsprozess weiter stabilisiert, automatisiert und verkürzt werden. „Daneben wird weiterhin an einer Optimierung des inneren Zelldesigns gearbeitet um Effizienzen in jedem Bereich zu heben“, sagt Deutmeyer. „So erwarten wir zum Beispiel im Laufe des kommenden Jahres eine Sekundärzelle anbieten zu können, welche bei Temperaturen von bis zu 150 Grad Celsius betrieben werden kann –  eine absolute Weltneuheit.“

Kooperationen mit anderen Partnern

Gleichzeitig strebt das Unternehmen den Auf- und Ausbau von Entwicklungskooperationen mit befreundeten Unternehmen an. „Diese  können unsere einzigartige Produktionstechnologie oder optimierten Zellbau nutzen, um neuartige Chemien oder Zellkonzepte zusammen mit EAS in unsrer Innovationsfabrik am Standort Nordhausen zu entwickeln“, so Deutmeyer.

Die EAS ist Mitglied des Zellindustriekonsortiums (ZIK), einem Zusammenschluss der wichtigsten deutschen industriellen Akteure im Bereich der Lithiumionentechnologie, welches sich aktiv an der Planung und der Nutzung der zukünftigen deutschen Forschungsfabrik beteiligt.

Nach der Übernahme durch den Investor Monbat, der selbst an der Entwicklung einer neuen Generation von Bleibatterien arbeite,  im Jahr 2017 sei kontinuierlich am Standort Nordhausen investiert worden, sagt der EAS-Geschäftsführer.  Sowohl in neue Anlagen als auch in neue und hochqualifizierte Mitarbeiter. „Seit der Zeit haben wir über zehn neue Mitarbeiter, in erster Linie promovierte Akademiker, einstellen dürfen, welche mit großem Einsatz, großer Freude und nachweislichem Erfolg die Entwicklung unserer Produkte, Prozesse und Märkte zügig voranbringen.“

Für das Jahr 2019 plant EAS mit einem Umsatz von zirka drei Mio EUR. „Das ist noch nicht auskömmlich für die derzeit 40 Mitarbeiter, ist aber der Tatsache geschuldet, dass das Produktfeuerwerk erst im letzten Quartal gezündet werden kann.“ Ab 2020 werde das Unternehmen aber mit deutlich höheren Umsätzen rechnen dürfen und in den positiven Bereich fahren.

Da in Deutschland faktisch keine Serienproduktion von großen Lithium-Ionen-Zellen für die von EAS fokussierten Anwendungen existiert, kommt die Konkurrenz aus dem Ausland. „Unser Hauptwettbewerber in Europa ist in erster Linie das französische Unternehmen SAFT, welches ebenfalls hochwertige LFP-Zellen und -Batterien für Nischenanwendungen anbietet und über eine ähnliche Fertigungstiefe wie EAS verfügt“, sagt Deutmeyer.

EAS unterscheide sich von SAFT allerdings hinsichtlich seiner größeren Agilität und Flexibilität aufgrund seiner kurzen Entscheidungswege und  seines extrem robusten Zelldesigns, wobei Edelstahl statt Aluminium verwendet werde. Weitere Unterscheidungsmerkmale seien der klare Fokus auf die Lithiumionentechnologie  und das  umweltfreundliche Elektrodenproduktionsverfahren, welches ohne das schädliche NMP als Lösungsmittel auskomme.
lah/2.8.2019