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Vertrag zum Bau des Mehrzweckkampfschiffes unterzeichnet

Nach der Zustimmung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages zur Finanzierung von neuen Mehrzweckkampfschiffen 180 (MKS 180) am Mittwoch wurde heute der Vertrag zwischen dem Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw und der Industrie gezeichnet.

Mit der Unterzeichnung des Vertrags am 19. Juni über vier Mehrzweckkampfschiffe 180 sei nach einem mehrjährigen, wettbewerblichen Vergabeverfahren ein großer Meilenstein erreicht worden, schreibt das BMVg in einer Mitteilung. Das MKS 180 wird in Kooperation zwischen der niederländischen Damen Shipyards Group, der Thales Group und der Lürssen-Werft unter Einbindung der German Naval Yards gebaut. Der Bau der Schiffe soll den Planungen zufolge 2023 nach einer rund dreijährigen Konstruktionsphase beginnen. Nach weiteren vier Jahren ist die Auslieferung des ersten Schiffes vorgesehen. Die drei Folgeschiffe sollen bis Anfang der nächsten Dekade der Marine übergeben werden. Die Bundeswehr hat sich im Vertrag eine Option zur Beschaffung zwei weiterer Schiffe offengehalten. Insidern zufolge handelt es sich dabei um einen sehr ehrgeizigen Bauplan.

Deutsche Wertschöpfung soll gesichert werden

Das MKS 180 basiert auf dem Design der Damen Schelde Naval Shipbuilding und wird zu großen Teilen in deutschen Werften gebaut. Die Damen Werft plant laut BMVg, über 70 Prozent der Werftschöpfung des Bauvertrags in Deutschland zu erbringen. Zudem sei vertraglich vereinbart worden, dass rund 30 Prozent  an mittelständische Unternehmen vergeben werden. Das Führungswaffeneinsatzsystem der zukünftigen Einheiten kommt von der Thales Group in Hengelo, der zentrale See- und Luftraumüberwachungssensor vom deutschen Sensorhaus Hensoldt.

Das Schiff verfügt laut BMVg zudem über eine Vielzahl von Sensoren und Effektoren aus den USA, Deutschland, den Niederlanden und Norwegen. Wie das Ministerium weiter schreibt, hat sich Deutschland für die Zukunft umfangreiche Rechte an dem Schiff gesichert. Die geplanten Baukosten belaufen sich auf etwa 4,6 Mrd EUR netto. Insgesamt seien rund 6 Mrd EUR im Haushalt für die vier Einheiten – inklusive der Landanlagen für die Ausbildung – und die ungefähr zehn Jahre dauernde externe Baubegleitung veranschlagt.

Die Kooperation der deutsch-niederländischen Streitkräfte gilt als herausragendes Beispiel europäischer Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung. Auch im Rüstungssektor werde seit Jahren erfolgreich die binationale Kooperation gelebt, schreibt das BMVg. Beispiele hierfür sind der Transportpanzer Boxer und Panzerspähwagen Fennek sowie  die Nutzungskooperationen etwa beim Kampfpanzer Leopard 2 oder der Panzerhaubitze 2000. In der Marine findet bei den Fregattenklassen F124 und De Zeven Provinciën eine enge Kooperation statt.

Gemeinsamer Schiffbau fördert die Schlüsseltechnologie

„Der Vertragsschluss für das MKS 180 öffnet die Tür zur Sondierung weiterer Kooperationsmöglichkeiten im maritimen Bereich“, schreibt das BMVg. Hierzu hätten Staatssekretär Benedikt Zimmer und seine niederländische Amtskollegin, Staatssekretärin Barbara Visser, den gemeinsamen Dialog angestoßen.

Der militärische Schiffbau ist sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden als nationale Schlüsseltechnologie definiert. Dem europäischen Gedanken folgend, seien gemeinsame Projekte auch im Bereich der Schlüsseltechnologien nicht nur sinnvoll, so das BMVg. Sie seien vielmehr erforderlich, damit der Anschluss an technologische Entwicklungen bei immer komplexer werdenden Waffensystemen gehalten werden könne. Mit den Niederlanden solle darüber ein Dialog geführt werden. Dabei geht es um die gemeinsame Ablösung von Systemen wie beispielsweise der F124.

„Die intensive Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland hat eine lange Geschichte und bietet Chancen für die Zukunft. Deshalb berate ich mich regelmäßig mit meinen deutschen Kollegen, um zu sehen, wie wir diese Möglichkeiten gemeinsam nutzen können“, wird  Staatssekretärin Visser in der Mitteilung zitiert. Staatssekretär Zimmer ist laut BMVg über diesen Ausblick in die Zukunft erfreut: „Gemeinsam können wir unseren Marinen moderne, hochkomplexe Schiffe und Boote zur Verfügung stellen und gleichzeitig unsere nationale industrielle Basis stärken.“

Vor dem Hintergrund dieser Ausführungen stellen sich Beobachter die Frage, ob dies ein Fingerzeig in Richtung der niederländischen U-Boot-Modernisierung sein könnte. Die niederländische Marine will ihre Boote der Walrus-Klasse in den kommenden Jahren durch moderne Tauchschiffe ersetzen. Im Wettbewerb befinden sich noch Saab aus Schweden –  in Kooperation mit Damen -, die französische Naval Group sowie der deutsche U-Boot-Bauer thyssenkrupp Marine Systems.  Das deutsche Unternehmen hat für den Fall des Zuschlags einen umfangreichen Know-how-Transfer in die Niederlande angekündigt.
lah/12/19.6.2020