SMASH: Feuertaufe für infanteristische Drohnenabwehr im Gaza-Krieg 

Waldemar Geiger

Bereits seit einigen Jahren auf dem Markt und in mehreren Streitkräften – unter anderem auch in die Bundeswehr – in unterschiedlichen Zahlen eingeführt, hat das SMASH-Feuerleitvisier nach offiziellen Angaben der israelischen Streitkräfte (IDF) im Gaza-Krieg seine Feuertaufe erfolgreich bestanden.

Wie aus einem Mitte Dezember erschienenen Beitrag auf der offiziellen IDF-Webseite hervorgeht, hat die IDF die SMASH-Visiere gegen die Hamas erstmals im Gefecht einsetzen und damit Sprengstoff tragende Kleinstdrohnen bekämpfen können. „Als das 51. Bataillon der Golani-Brigade von mit Sprengstoff bestückten Drohnen angegriffen wurde, konnten sie mit Hilfe des SMASH-Visiers sieben Drohnen innerhalb von Sekunden ausschalten“, beschreibt die IDF ein aktuelles Einsatzbeispiel.

In dem Artikel wird hervorgehoben, dass das Treffen von beweglichen Zielen im Gefechtsstress sehr schwer ist, insbesondere die Ersttrefferwahrscheinlichkeit ist sehr gering. „Die Chancen, ein sich bewegendes Ziel mit dem ersten Schuss zu treffen – und das ist der wichtigste – sind gering“, wird Major Yoav, Abteilungsleiter für Infanterie und Spezialkräfte im DDR&D (Verwaltung für die Entwicklung von Waffen und technologische Infrastruktur), in dem Beitrag zitiert. „Aber ein Soldat, der das SMASH-Visier verwendet, vervierfacht seine Chancen. Wir sprechen hier von einem fast garantierten Treffer einer Person oder eines Objekts, das eine Bedrohung darstellt“, so Yoav weiter.

Dem IDF-Beitrag zufolge wurden die ersten Versionen der SMASH-Visiere 2018 in Nutzung genommen, um damit Brandballons und -drachen abschießen zu können. Seitdem wurden die Visiere vom Hersteller stetig weiterentwickelt und in puncto Leistung und Gewicht verbessert, so dass aktuelle Versionen mit rund 700 g Gewicht nicht schwerer als andere Spezialvisiere sind. Der IDF zufolge sind aktuell tausende dieser neuen Visiere im Gaza-Krieg in Nutzung.

Bei der SMASH-Familie handelt es sich um Feuerleitsysteme für Handfeuerwaffen des israelischen Herstellers Smartshooter. Smash kombiniert elektrooptische Hardware mit eingebetteter Bilderkennungssoftware und einem ballistischen Rechner. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Visier, das dem Soldaten einen Haltepunkt anzeigt, nach dem er seine Waffe ausrichten kann, ermöglicht das SMASH-Visier dem Soldaten, sein Ziel zu verfolgen, es anzuvisieren und genau in der Sekunde zu feuern, die einen Treffer garantiert. Das Feuerleitvisier berücksichtigt dafür eine Reihe von Faktoren: von der Bewegungsrichtung und dem Bewegungstempo des Ziels bis hin zur Ballistik der Waffe, auf der es montiert ist.

Ist ein Ziel einmal erkannt und festgelegt, errechnet der Algorithmus eine Schusslösung. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Bewegung von Ziel und Schützen berechnet das System kontinuierlich den für einen Treffer erforderlichen Haltepunkt. Dieser dynamische Haltepunkt wird kontinuierlich in dem Okular angezeigt und bietet dem Schützen so eine deutlich höhere Trefferwahrscheinlichkeit für jeden Schuss. Der Schütze betätigt den Abzug, das System erlaubt eine Schussauslösung nur dann, wenn der Schütze den Zielpunkt der Waffe über den errechneten Haltepunkt eines vorher markierten Ziels führt. Der Schuss bricht dann automatisch. Sollte der Schütze die Waffe auf konventionelle Weise (manuell) abfeuern wollen, kann er den SMASH-Sperrmechanismus mittels eines Tastendrucks aus- und wieder einschalten.

Je nach Ausführung können Smartshooter zufolge so Bodenziele, beweglich und stationär, bis mindestens 600 Meter und Kleinstdrohnen bis 250 Meter bekämpft werden. In Kombination mit Vorsatzgeräten ist das System zudem nachtkampftauglich. Da es sich um ein digitales Zielfernrohr handelt, kann das Gerät laut Hersteller im Battle Management Systeme (BMS) integriert werden. Hier können Informationen augmentiert oder im Uplink bereitgestellt werden. SMASH kann zum Beispiel bei einem Feuerkampf Zieldaten – Richtungswinkel, Entfernung oder Foto – automatisch generieren und dem BMS zur Verfügung stellen.

Waldemar Geiger